SRF-«DOK» fragt: Was ist eigentlich Minimalismus?

tsch

6.9.2018

Ein Leben im Überfluss? Nicht für die Protagonisten der SRF-Doku «Weniger ist mehr» – sie haben ihr Hab und Gut aufs Minimum reduziert.

Das Wort Minimalismus definiert Wikipedia wie folgt: «Es bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.» Die Dokumentation «Weniger ist mehr - Minimalistisch leben» stellt Menschen vor, die sich von Unwichtigem trennen und Wesentliches in den Mittelpunkt ihres Daseins stellen. Nur: Was wichtig und wesentlich ist, dazu gibt es ganz offensichtlich sehr unterschiedliche Anschauungen.

Nur 64 Gegenstände zum Leben

Cédric Waldburger zum Beispiel. Eine Wohnung hat er nicht mehr, aber ein Aussteiger ist er keineswegs. Auch er hat sich von aus seiner Sicht unnützen Dingen getrennt und listet auf seiner Homepage jene 64 verbliebene Gegenstände auf, die er noch besitzt. Darunter Kleidung, ein gefüllter Kulturbeutel, Ausweis und Rasierapparat. Aber auch: Laptop, mobile Batterie, Kopfhörer, zwei Kameras, eine Drohne, ein Camcorderstabilisator, drei Handys, ein Activity Tracker und ein Thera Band. Er ist das, was man heute einen «digitalen Nomaden» nennt. Waldburger, 1988 geboren, betreibt mehrere Startup-Unternehmen. Heimat, sagte er der Homepage www.koffer.ch (auch an dieser Firma ist er beteiligt), sei jener Ort, an dem er gerade schläft. Das Minimalistische selbst ist es nicht, das den Unternehmer reizt. Es geht ihm um ein «befreites Leben».

Wohnen auf 35 Quadratmetern

Die Schweizerin Tanja Schindler verfolgt in Sachen Minimalismus einen anderen Ansatz. Sie lebt in einer Art Ökowohnbox auf 35 Quadratmetern. Ein Minihaus also, das sie im Fall eines Umzugs einfach mitnehmen kann. «Wir sind die erste Generation, die alles hatte, und wir haben gemerkt, das macht uns nicht glücklich», sagt sie und verweist darauf, dass Statussymbole ihrer Auffassung nach ihre Bedeutung verloren haben. Sie folgt dabei dem Kalifornier Jay Shafer, der die Minihaus-Bewegung ins Leben gerufen hat und selbst nur zehn Quadratmeter braucht.

Ballast loswerden

Als Dritten porträtiert die Autorin Andrea Pfalzgraf in ihrer Reportage Selim Tolga, der sich selbst als «Aufräumcoach» bezeichnet. «In einer aufgeräumten, nach einem System geordneten Umgebung leben und arbeiten, befreit, erhöht die Lebensqualität, fördert die Produktivität und gibt Ihnen mehr Zeit», wirbt er für sich. Minimalismus bedeute nicht nichts, sondern eben keinen Ballast mehr zu haben.

Die Doku «Weniger ist mehr - Minimalistisch leben» läuft am Donnerstag, 6. September, um 20.05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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