«Tatort»-Flucht aus der U-Haft: So kreativ sind Häftlinge wirklich

tsch

5.4.2020 - 21:45

Das neu formierte Dresdner «Tatort»-Team mit Cornelia Gröschel, Karin Hanczewski und Martin Brambach kommt immer besser in Fahrt. Der Fall um ein ausser Rand und Band geratenes Ehepaar war harte Kost und spannend obendrein. Und dabei gar nicht einmal wirklichkeitsfern ...

Schluss mit Lustig, anders als bei den Nachbarn in Weimar, ist ja jetzt längst beim «Tatort» aus Dresden. Das wurde spätestens mit dem neuen Fall «Die Zeit ist gekommen» klar. Ein kleinkrimineller Familienvater, von Max Riemelt gespielt, geriet unter Mordverdacht, weil er bereits vorverurteilt war. Dabei hatte er sich die Zukunft mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn gerade jetzt so schön vorgestellt. Eine spannende Fluchtgeschichte, die zwischen Thriller und Psychodrama oszillierte.

Worum ging es?

Der vorbestrafte Louis (Max Riemelt) geriet ins Visier der Polizei: Ein Polizist wurde ganz in der Nähe seiner Wohnung erschlagen. Alle Indizien sprachen gegen ihn. Am Tatwerkzeug, einem Baseballschläger, klebte sein Blut, seine DNA wurde identifiziert. Kein Wunder, dass die Kripo Dresden in Gestalt der Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) am Morgen vor seiner Tür stand und ihn gefangen nahm. Louis schmiedete darauf hin einen raffinierten Plan: In der U-Haft bohrte er sich ein Loch ins Ohr und liess sich aus der Krankenstation des Gefängnisses von seiner Frau Anna (Katia Fellin) befreien.

Worum ging es wirklich?

Um die alte Binse: «Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.» Dieser von Riemelt mit zornigem Überdruck gespielte Familienvater wurde ja schon einmal zu Unrecht verurteilt und hatte seine Strafe abgesessen. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Die Botschaft, dass Gesetz und Gerechtigkeit nicht immer das Gleiche sind, wurde hier ganz nebenbei eindrucksvoll vermittelt.

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Wie oft gelingt Strafgefangenen die Flucht?

Solche Fluchten aus Krankenhäusern während der Untersuchungshaft kommen in der Realität fast täglich vor. Aber meist passiert das in eigenen Krankenhäusern, nicht auf einer internen Station. Trotz strenger Bewachung fliehen Gefangene aus der Untersuchungshaft mithilfe von Komplizen wie Anna im «Tatort». Dass Louis' Frau so selbstverständlich mit der Pistole umgehen kann, erscheint eher unwahrscheinlich, ist aber nicht unmöglich. Übrigens lassen sich Gefangene noch ganz andere Verletzungsmethoden einfallen als Louis, der sich das Ohr aufbohrt, sodass es auch den Zuschauer schmerzte. Fluchtwillige werfen sich zu Boden und markieren den Arm- oder Beinbruch und stürmen plötzlich davon. Not macht bekanntlich erfinderisch.

Warum ist der Dresdner «Tatort» nicht mehr lustig?

Humor, wie in Weimar nebenan, ist bei den Dresdnern, spätestens seit Cornelia Gröschel Alwara Höfels abgelöst hat, passé. Nach schlechten Kritiken änderte der MDR das Konzept, «Stromberg»-Erfinder Ralf Husmann fungiert nicht mehr als Autor, Alwara Höfels ging mit dem Verweis auf «fehlenden künstlerischen Konsens». Dafür gab es jetzt viel Action, bei der sich Leonie, die Neue, in ihrem dritten Fall beweisen durfte. Die Gefangenenflucht artete wegen einer unzugänglichen Beamtin zu einer unfreiwilligen Geiselnahme im Jugendheim aus, und die Neue ging da mutig rein. Es gab mächtig Action in allen erdenklichen Räumen. Der Regisseur Stephan Lacant nutzte die Heim-Location innen und aussen aus.

Wer ist der eigentliche Star des Dresdner «Tatorts»?

Martin Brambach war wie in jedem Film, so auch in diesem eine Bank. Mit ihm als Kripo-Chef Peter Michael Schnabel und SEK-Leiter in Doppelfunktion war dieser Tatort allerdings über Gebühr auf ihn zugeschnitten. Er leitete – eher unwahrscheinlich – die Aktionen eines Einsatzkommandos, litt aber als harter Befehlsgeber auch mit seinen Kommissarinnen mit. Das nahm viel Raum von der rührenden Familien-Fluchtgeschichte, vor allem von dem bewegenden Vater-Sohn-Melodram im Mittelpunkt, in dem der Sohn den zu Unrecht verfolgten Vater immer wieder zur Raison bringen will. Cornelia Gröschel sollte sich ein wenig mehr in den Vordergrund spielen. Trotz ihrer Action-Nummer wirkte sie wie ein Sidekick der älteren Kollegin.

Der «Tatort: Die Zeit ist gekommen» lief am Sonntag, 5. April, um 20:05 Uhr auf SRF 1. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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