Klimawandel im Norden: Katastrophe für die einen, Hoffnung für die anderen

4.12.2018 - 14:57, tsch

Der eisfreie Nordpol im Sommer 2050, den die Polarforscher vorhersagen, ermöglicht neue Seerouten. Von Asien nach Europa brauchen die Schiffe zwei Wochen weniger Fahrzeit als über die Südroute.
Bild: Vidicom/Entholt
Wo neues Land aus dem Eis frei wird, erobert die Natur das neue Land schnell als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Der Mensch kommt erst ins Spiel, wenn Ressourcen ausgebeutet werden.
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Früher schützten sich die Inuit im Winter mit einfachen Erdwohnungen gegen die lebensfeindliche Witterung der Arktis.
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John R. Spear von der Colorado School of Mines (USA) nimmt eine Gesteinsprobe auf Land, das erst vor kurzem vom Eis freigegeben wurde.
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Der Flug in die Wildnis ist ein Einzelcharter. Expeditionen sind heute gut planbar, aber immer noch ein Abenteuer und kostspielig.
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Die Expedition nach Nunavut wird von Karsten Piepjohn geleitet.
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«Was passiert mit der Arktis», wenn der Klimawandel das Eis schmelzen lässt? Wo viele eine Katastrophe für die Natur sehen, hoffen andere auf freigelegte Bodenschätze.

Der Lebensraum für Eisbären und andere Tiere schwindet, die Meeresspiegel steigen, eine einzigartige Vegetation ist von der Auslöschung bedroht. Mit dem Klimawandel in der Arktis verbindet man gemeinhin eine gigantische Katastrophe für die Natur. Wenn das ewige Eis schmilzt, hat auch die Menschheit nichts mehr zu lachen. Doch nicht alle sehen das so. Für manche besitzen die schwindenden Eismassen einen durchaus positive Aspekte, wie die Arte-Doku «Nach dem Eis – Was passiert mit der Arktis?» beleuchtet. Freiwerdendes Land legt demnach Rohstoffe frei, von denen sich die Polarkreisbewohner ebenso Vorteile erhoffen wie die Supermächte und die grossen Konzerne, die in neuen Seewegen auch glänzende Handelschancen erblicken. Doch kann das schmelzende Eis die Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort wirklich verbessern?

Besserung dank Eisschmelze?

Unter dem ewigen Eis lagern grosse Schätze. Die Arktis birgt wertvolle Rohstoffe wie Öl, Gas und Mineralien, zu denen der Zugang bislang unmöglich war. Das schmelzende Eis als Folge des Klimawandels, von den meisten als schiere Katastrophe angesehen, legt diese Schätze frei. Welche Hoffnungen damit verbunden sind, deckt die eindrückliche Arte-Dokumentation in exklusiven Recherchen auf. Vier Wochen lang begleitete ein Drehteam eine geologische Expedition in den Norden Kanadas, die von Karsten Piepjohn geleitet wird.

Wem gehören die Bodenschätze dort? Die Inuit kämpfen schon jetzt mit der Regierung um die Rechte an den dort vorhandenen Mineralien. Auch für die Ureinwohner Grönlands, die trotz Fischfangs schon immer von Dänemark abhängig waren, könnte die Eisschmelze Besserung bedeuten. Die entscheidende Frage legt der Film nachvollziehbar offen: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Arktisbewohner vom Reichtum ihres Landes profitieren?

Schliesslich schielen neben Regierungen wie jene von Supermacht China auch grosse Konzerne auf die vielversprechenden, unberührten Ressourcen im hohen Norden. Der Klimawandel birgt für sie ungeahnte Möglichkeiten, neuen Nachschub an den sonst zur Neige gehenden Grundlagen des kapitalistischen Wirtschaftens zu erhalten. Zudem könnte ein voraussichtlich bis 2050 eisfreier Nordpol neue Seewege ermöglichen, die etwa die Fahrtzeit für Schiffe von Europa nach Asien um zwei Wochen verkürzen.

Die Doku «Nach dem Eis – Was passiert mit der Arktis?» läuft am Dienstag, 4. Dezember, um 22.50 Uhr auf Arte. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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