«The Adam Project»

Nun dreht also auch Ryan Reynolds am Rad der Zeit

Von Fabian Tschamper

15.3.2022

Im Zeitreise-Film «The Adam Project» will Ryan Reynolds die Vergangenheit verändern – mithilfe seines 12-jährigen Ichs. Der rasante Actionfilm steht aktuell auf Platz eins der Schweizer Netflix-Charts.

Von Fabian Tschamper

15.3.2022

Die Idee der Zeitreise fasziniert die Menschen seit Jahrzehnten, Hollywood versucht sich auch immer wieder an solchen Geschichten. Logisch und wissenschaftlich erklären lassen sich Zeitreisen zwar nicht, doch das hält Filmemacher nicht vom Stoff ab.

Wie kann ich zurück in die Vergangenheit reisen und mich selbst da besuchen?

Nicht zu lange darüber nachdenken, sonst brennen die Synapsen durch.

Die Erde in einen Höllenschlund verwandelt

«The Adam Project» mit Ryan Reynolds, Jennifer Garner, Mark Ruffalo und dem jungen Walker Scobell tischt uns seit Freitag auf Netflix ein weiteres Zeitreise-Abenteuer auf. Darin besucht Adam Reed (Reynolds) aus dem Jahr 2050 sein 12-jähriges Selbst (Scobell) im Jahr 2022.

Seine Mutter (Garner) und er leben da schon vier Jahre ohne Ehemann und Vater Louis (Ruffalo), der 2018 für die Technologie verantwortlich war, die Zeitreise überhaupt möglich machte. Adam reist also mit seinem 12-jährigen Ich in jenes Jahr zurück, um die Vergangenheit – und somit die Zukunft – zu ändern.

Die Geschäftspartnerin des Vaters missbrauchte die Technologie damals, um «die Erde in einen Höllenschlund zu verwandeln». Sehen tun wir dies nie, doch wir müssen dem erwachsenen Adam einfach glauben.

Schnell und ungeklärt

Es ist schon bald klar, dass die Schreiber*innen hinter «The Adam Project» ebenfalls keine durchgebrannten Synapsen in Kauf nehmen wollten. Darum wird nie wirklich transparent, wie diese Zeitreise denn nun funktioniert. Aber das ist egal, der Film lenkt bewusst vom Fachlichen ab –  und zwar mit halsbrecherischem Pacing.

Es geschieht so viel auf dem Bildschirm. In rapider Form.

Hilfreich dabei ist auch Reynolds' übliche Performance als Typ, der wirklich nie etwas ernst nimmt. Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen zu haben, gehört zu seiner Persona – was ihn im echten Leben natürlich unheimlich sympathisch macht.

Im Film kann dies auch funktionieren, doch die Schauspielerei lebt auch von Ernsthaftigkeit und wenn ein Hauptdarsteller diese nicht verkörpert, darf sich der Film entsprechend nicht ernst nehmen.

Reynolds drauf heisst Reynolds drin

«The Adam Project» ist sich deshalb sehr bewusst, Reynolds als Lead zu haben. Seine roboterhafte Aura ist ein perfektes Gegenstück zu Ruffalos gewohnt emotionalem Schauspiel. Die Vaterfigur bringt eine Offenheit mit sich, die Reynolds stets widerstrebt – warum auch immer.

Das Zeitreise-Abenteuer hat viele Ideen, bedient sich hier und da bei anderen Filmen aus dem Genre – etwa «The Tomorrow War» oder «Looper» – und setzt alles um, ohne zweimal nachzufragen. Und ohne die einmaligen Fragen zu beantworten.

Der Film und seine Protagonisten stürzen sich auf jede noch so dünne günstige Gelegenheit, um den nächsten Handlungsstrang einzufädeln.

Wohl deshalb wagen sich nur vereinzelte Schreiber*innen an den Zeitreise-Stoff. Glaubwürdig darüber zu schreiben ist eben doch ziemlich schwierig. Wer den üblichen Ryan Reynolds mag und den Opportunismus vergibt, denen dürfte «The Adam Project» zünftig Spass machen.

«The Adam Project» läuft derzeit auf Netflix.