«Tatort»-Finale in Göttingen Woran scheiterte diese Frauenbeziehung?

tsch

11.2.2024

Die Kommissarinnen Lindholm und Schmitz sind nach fünf gemeinsamen Fällen «Tatort»-Geschichte. In ihrem letzten Einsatz ging es – mal wieder – um die Paketboten-Branche, um häusliche Gewalt und das Abwickeln frustrierender Göttinger Beziehungen.

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11.2.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ihr letzter gemeinsamer Einsatz konfrontierte die Kommissarinnen Lindholm (Maria Furtwängler) und Schmitz (Florence Kasumba) mit einem schweren Unfall - oder war es eine Amokfahrt?
  • Nach nur fünf Fällen trennen sich nach dem «Tatort: Geisterfahrt» die Wege der Ermittlerinnen. Von Abschiedsschmerz ist dennoch nur wenig zu spüren.
  • Während Lindholm solo weiterermittelt, ist Schmitz ein wohl abschliessender Crossover-«Tatort» mit Wotan Wilke Möhrings Figur Falke vergönnt.

2019 versuchte der NDR etwas Bahnbrechendes: Mit Marvel-Star Florence Kasumba («Black Panther») installierte man nicht nur die erste schwarze «Tatort»-Kommissarin in der Geschichte des Formats. Nein, man paarte sie auch noch mit der grossen Solo-Ermittlerin Charlotte Lindholm, gespielt von Maria Furtwängler.

Dies ist deshalb bemerkenswert, weil Lindholm wegen «mangelnder Teamfähigkeit» aus Hannover strafversetzt – und nun in der hügeligen Provinz zum Gemeinschaftsdienst mit einer anderen Einzelgängerin verdammt wurde.

Nach fünf Jahren mit fünf gemeinsamen Fällen darf man feststellen: Manchmal wirken TV-Rollen offenbar stark auf die Realität. Oder ist es umgekehrt? Furtwängler und Kasumbas Figuren fanden nie zu einer guten Chemie, weshalb der «Tatort: Geisterfahrt» nun das Ende des Göttinger Teams markierte. Doch was lief schief und wie geht es nun mit den Figuren weiter?

Worum ging es?

Kurz nachdem auf dem Göttinger Polizeipräsidium der 60. Geburtstag von Chef Gerd Liebig (Luc Feit) gefeiert wurde, kam es zu einem schweren Unfall in der Innenstadt – oder war es eine Amokfahrt? Paketbote Ilie Balan (Adrian Djokic) raste ungebremst in eine Menschenmenge. Lindholm und Schmitz mussten untersuchen, ob mit Absicht oder nicht. Dabei sollte auch Mediziner und Anais' Ehemann Nick Schmitz (Daniel Donskoy) helfen, der das Blut des Fahrers untersuchte.

Der Rumäne hatte als «freiberuflicher» Subunternehmer für Mischa Reichelt (Christoph Letkowski) gearbeitet. Gleichzeitig freundete sich Charlotte mit Tereza (Bibiana Beglau) an, die mit Liebig seit ein paar Jahren verheiratet ist. Der Polizeichef wurde nicht müde zu betonen, wie sehr er seine Frau liebt. Und doch es schien grosse Probleme in der Beziehung zu geben ...

Worum ging es wirklich?

Irgendwie schien es, als würde man im «Tatort: Geisterfahrt» drei Filme in einem sehen. Es ging mal wieder – nach dem starken Kölner Weihnachtsfall «Des anderen Last» – um die schlimmen Arbeitsbedingungen der Paketboten-Branche. Dazu um häusliche Gewalt und um die Abwicklung der Göttinger Beziehungen rund ums Ende des dortigen «Tatort»-Teams.

Auch wenn jeder einzelne Erzählstrang grundsätzlich okay war: Wegen der Plot-Fäden-Fülle, die in nur 90 Minuten entwirrt werden musste, wirkte das Ganze doch ein wenig konstruiert. Weniger wäre im Göttinger Goodbye-«Tatort» mit Furtwängler und Kasumba (Drehbuch, Regie: Christine Hartmann, Buch: Stefan Dähnert) wohl mehr gewesen.

Welcher Göttinger Fall war der erfolgreichste?

Die von 2002 bis ins letzte Solo-Jahr 2017 ausgestrahlten «Tatorte» mit Maria Furtwängler bedeuteten in der Regel Quoten-Highlights fürs Erste: Charlotte Lindholm, die an Weihnachten 2021 mit dem Udo Lindenberg-Fall «Alles kommt zurück» zwischendurch noch einmal alleine unterwegs war, gehört seit langem zu den beliebtesten Ermittlerinnen des Formats.

Doch wie liefen die fünf Filme mit Kasumba? Starke 9,77 Millionen schalteten 2019 den Auftaktfall «Das verschwundene Kind» ein. Es blieb der erfolgreichste des Duos. Danach sendete das Erste in dieser Reihenfolge: «Krieg im Kopf» (9,51 Millionen), «National feminin» (9,5 Millionen) und «Die Rache an der Welt» (8,7 Millionen).

Doch selbst, wenn eine leichte Abwärts-Tendenz der Furtwängler-Kasumba-Fälle festzustellen ist: Schlecht waren die Quoten des weiblichen Power Couples keineswegs. Beim «Tatort» sind die Quoten im Durchschnitt rückläufig: Im Schnitt schalteten über das Jahr 2023 hinweg 8,5 Millionen ein. Den konnte das Göttinger Team also klar toppen!

Wie sieht Maria Furtwänger das Ende des Krimis?

Es ist bezeichnend, dass es im letzte Göttinger «Tatort» zu einem sexuellen (Fast)-Intermezzo zwischen Anaïs Schmitz' Ehemann Nick (Daniel Donskoy) und Charlotte Lindholm kommt. Nicht nur, weil die erotische Spannung zwischen den beiden ab Film eins spürbar, sondern auch, weil die Beziehung der Eheleute Schmitz stets angespannt war – wie auch die Berufsehe zwischen den Kommissarinnen Lindholm und Schmitz: Hier fanden zwei – auf dem Papier – starke Frauenfiguren nie zueinander.

Wer Maria Furtwängler und Florence Kasumba schon zu Interviews getroffen hat, weiss, dass beide Schauspielerinnen auch abseits der Rolle sehr selbstbewusst sind. Zu selbstbewusst für ein starkes Duett? Offiziell bedauert Maria Furtwängler das Göttinger Ende: «Der Abschied von Göttingen ist nicht einfach, die Zusammenarbeit mit Florence Kasumba und dem Team hat mir sehr viel bedeutet», wird sie in einer NDR-Mitteilung zitiert.

Ist Florence Kasumba wirklich ausgestiegen?

Noch etwas dürrer waren die Abschiedsworte von Florence Kasumba, die sich vom NDR so zitieren lässt: «Meine Rolle als Anaïs Schmitz war für mich eine interessante Herausforderung und ich mochte es sehr, die Figur zu entwickeln und zu spielen.» Einige Medien machten den Ausstieg Kasumbas für das Ende des Teams Göttingen verantwortlich.

Dennoch fällt auf, dass eine klare Zuschreibung dafür, wer oder was für das Ende des Formats verantwortlich ist, nicht genau ausgeführt wird. Misserfolg (in Sachen Quote) war es sicher nicht, vielleicht bestand aber eine künstlerische Unzufriedenheit – was durchaus nachvollziehbar ist. Manche Figuren passen einfach nicht zueinander.

Geht es für die Kommissarinnen getrennt weiter?

Der NDR verkündete bereits Ende 2023: Maria Furtwängler wird wieder Solo-Ermittlerin, was ihrer Figur wohl auch besser steht. Und Kasumba? Die hatte allein schon im Marvel-Universum («Black Panther») weltweit genug zu tun – und kann ihre besondere Aura dort wohl auch besser ausspielen als auf einer deutschen Amtsstube in der niedersächsischen Provinz.

Dennoch wird die 47-jährige Schauspielerin mit ugandischen Wurzeln, die in Essen aufgewachsen ist, ihre Figur Anaïs Schmitz noch nicht zu den Akten legen. Ein gemeinsamer Fall mit Wotan Wilke Möhrings «Tatort»-Figur Falke ist für dieses Jahr angekündigt. Im «Tatort: Die kälteste Maschine» soll Künstliche Intelligenz bei der Aufklärung eines Verbrechens helfen.

Das Ermittler-«Crossover» Göttingen/Hamburg soll jedoch nur einmal stattfinden, danach ist für die Figur Anaïs Schmitz wohl Schluss. Wann der nächste Lindholm-Fall in Hannover zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Sehr wahrscheinlich wird das erst im Jahr 2025 sein.

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