Nationalteam Dan Ndoye wirbelt, aber trifft nicht

sda

20.6.2024 - 08:53

Stellt seine Gegner mit seiner Schnelligkeit immer wieder vor Probleme: Dan Ndoye.
Stellt seine Gegner mit seiner Schnelligkeit immer wieder vor Probleme: Dan Ndoye.
Keystone

In der Qualifikation stand er nur einmal in der Startelf, in diesem Jahr ist er eine feste Grösse in der Schweizer Nationalmannschaft: Dan Ndoye hat eine rasante Entwicklung hinter sich.

20.6.2024 - 08:53

Nach einer halben Stunde im Spiel gegen Schottland schien Dan Ndoye endlich für seinen grossen Einsatz belohnt zu werden: Nachdem er kurz zuvor noch am Torwart gescheitert war, landete sein Schuss diesmal im Netz. Doch der Jubel wurde im Keim erstickt – Offside. Das Video zeigt: Es war knapp. Nur wenige Zentimeter verhinderten Ndoyes erstes Tor als Nationalspieler. Doch es dürfte nicht mehr lange dauern, bis der 23-Jährige das Versäumte nachholt.

Sechs Spiele hat das Nationalteam in diesem Jahr bestritten, sechs Mal stand Ndoye in der Startelf. Dass der bei Lausanne-Sport ausgebildete Flügelspieler eine so wichtige Rolle einnehmen würde, war in der Qualifikation noch nicht abzusehen. Dort stand er zunächst gar nicht, dann nur als Joker im Kader. Er kam zu fünf Teileinsätzen, die sich alle um die 20 Minuten bewegten. Erst im letzten Spiel, als die EM-Teilnahme bereits feststand, debütierte er in der Startformation.

In der im Vergleich zum EM-Auftaktspiel nochmals «gealterten» Schweizer Startelf (Durchschnittsalter gegen Schottland: 29,72 Jahre) war Ndoye der klar Jüngste. Nationaltrainer Murat Yakin schätzt Ndoyes Spielfreude und vor allem das Tempo, das er ins Spiel bringt. «Er ist fit, hat ein grosses Selbstvertrauen und ist deshalb sehr wertvoll für die Mannschaft.»

Position gewechselt

Interessanterweise hat sich Ndoyes Rolle im Vergleich zum Jahresbeginn erneut verändert. In den Testspielen kam der Sohn einer Schweizerin und eines Senegalesen viermal auf der gleichen Position zum Einsatz: auf der linken Seite im Vierer-Mittelfeld. Was als Experiment begann, schien sich zu bewähren. Ndoye überzeugte als Tempomacher, der auch Defensivarbeit leistete. Diese war nicht immer fehlerfrei, doch darüber sah man bei dem jungen Spieler grosszügig hinweg.

Dann kam die EM und für alle Ausstehenden war klar, dass Ndoye auch gegen Ungarn im linken Mittelfeld auflaufen würde. Doch dort stand plötzlich Michel Aebischer. Ndoye fand sich eine Position weiter vorne und auf der anderen Seite wieder.

Yakin begründete die Rochade mit taktischen Überlegungen, die den Gegner überraschen sollten. Im Testspiel gegen Österreich habe man Ndoye auf der linken Seite doppelt bewacht und so aus dem Spiel genommen. «Ausserdem spielt Dan im Klub fast immer auf dem rechten Flügel, dort fühlt er sich wohl», ergänzte Yakin. Die Massnahme hatte Erfolg: Die Ungarn hatten nicht mit dem Seitenwechsel gerechnet und wurden in der ersten Halbzeit überrumpelt.

Die Krönung fehlt

Auch gegen Schottland setzte Yakin auf der rechten Seite auf Ndoye. Dieser überzeugte beide Male mit schnellen Läufen, liess seine Gegenspieler mehrfach hinter sich und brachte den Ball in die gefährliche Zone. Sein grosses Manko: die letzten Pässe – und zuletzt auch die Abschlüsse. Gegen Ungarn landeten viele Pässe im Nichts, gegen Schottland hätte Ndoye mindestens einen Treffer erzielen müssen. Einmal kam er frei vor dem Goalie zum Abschluss, schob den Ball aber am Tor vorbei.

Hätte Ndoye seine bisherigen Leistungen mit einem Assist oder einem Tor gekrönt, wäre Bologna schon längst mit Angeboten überhäuft worden. Doch auch so dürften viele Top-Klubs auf den Aussenläufer aufmerksam geworden sein, der in der abgelaufenen Saison 32 Meisterschaftsspiele für den kommenden Champions-League-Teilnehmer bestritten hat. Dabei musste er sich allerdings mit der gleichen Ausbeute begnügen, für die er zu Saisonbeginn beim FC Basel nur zwei Spiele gebraucht hatte: ein Tor und zwei Vorlagen.

Es ist offensichtlich: Ndoye ist noch nicht ganz ausgereift, aber seine Entwicklung ist bemerkenswert. Basel hatte ihn für eine Ablösesumme von acht bis zehn Millionen Euro nach Bologna ziehen lassen, wo er als Teamkollege von Michel Aebischer und Remo Freuler einen Vertrag bis 2027 besitzt. Seither ist sein Marktwert nochmals deutlich gestiegen. Die Europameisterschaft, bei der die Schweiz nach vier Punkten aus zwei Spielen die Gruppenphase überstehen dürfte, wird dieser Entwicklung einen weiteren Schub verleihen. Nur die Krönung fehlt noch.

sda