«Ich gang Marmelade fürs Früestück go iichaufe» – geht's denn noch?

16.1.2019 - 09:00, Markus Daniel Gessner

Wenn Worte alles sagen ...
Bild: Keystone

Unser Schwiizertüütsch wurde schon immer gegeisselt – und Schweizer ecken in Deutschland zuweilen auch an. Bestellen Sie einmal in einem Berliner Café eine «Schale», stöhnt der Sprachpfleger.

Keiner weiss, ob aus dem EU-Rahmenabkommen noch etwas wird. Sicher ist: Der Einfluss der hierher zugewanderten Deutschen sowie der Medien lässt die hiesige Mundart ab und zu aus dem Rahmen fallen. Schon lange hört man: «Ich gang Marmelade fürs Früestück go iichaufe.» Und die Schüler(innen) müssen «lerne» statt «leere», und schliesslich verbreitet sich auch das US-deutsche «Omeingott!».

«Verderbter Bauerndialekt»

Unser Schwiizertüütsch wurde schon immer gegeisselt: zum Beispiel im 16. Jahrhundert durch das konkurrenzierende luthersche Deutsch. Dazu kam, dass die französisch parlierenden Patrizier für den «verderbten Bauerndialekt» nichts übrighatten. Doch der Dreschflegel schwang zurück. Zu stark wünschten sich die Eidgenossen ein identitätsstiftendes Vehikel, nicht nur, um sich im Zweiten Weltkrieg gegen das Naziregime abzugrenzen. Dreissig Jahre später war die Mundart mit Polo Hofer & Co. endgültig auch in den Massenmedien angekommen.

Aber nun dieser Sprachmischmasch, dieses Deutsch/Mundart-Hybrid? – Na und?, würden unsere deutschen Freunde einwenden, das Schweizerdeutsche ist ohnehin ein Sammelsurium von Dialekten, ein Kauderwelsch. Touché! Doch dieses enthält Elemente, die wesentlich älter sind als das heute gesprochene Hochdeutsch, das erstaunlicherweise noch nicht viel länger als 200 Jahre offizielle Landessprache der Deutschen ist. Wir dürfen also selbstbewusst präzisieren: «D Confi für de Zmorge go poschte!»

«Eine Schale womit?»

Schweizer ecken in Deutschland zuweilen auch an: In einem Berliner Café hörte ich, wie ein Landsmann eine «Schale» bestellte. – «Eine Schale womit?», antwortete die Kellnerin leicht schnodderig. Wer hätte gedacht, dass man sich in der deutschen Metropole darunter nichts Trinkbares vorstellen kann?

Auch die Fernsehwerbung zeitigt Hybrides: «Nämed Si jetz teil, und Si erhaltet vilicht scho bald ...» – Autsch! «Mached Si mit» und «Si chömed über» wäre korrekt. Da hilft nur Wegzappen. Wegzappen! Anglizismus-Alarm! – Von wegen. Who cares? Unsere Mundart ist längst durchsetzt mit diversen Sprachen. Ist es nicht ein Kompliment, dass ausländische Mitbewohner unser Schwiizertüütsch auf ihre Art gebrauchen? Es lebe die multinationale Hybridisierung der Mundart – wenn’s auch manchmal schmerzt.

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