Netflix kann Polnisch und Dänisch – ich bald auch

Von Michelle de Oliveira

5.7.2021

Die Kolumnistin schaut TV-Serien immer in der Originalfassung mit englischen Untertiteln – hier eine Szene aus der Netflix-Erfolgsproduktion «Sky Rojo».
Bild: Netflix

Die Kolumnistin ist ein Serienjunkie. Und hat eine neue Droge: Serien in unbekannten Sprachen. Denn so lernt sie nebenbei einige Wörter und kann Fernsehen jetzt als Weiterbildung deklarieren.

Von Michelle de Oliveira

5.7.2021

Ich schaue gern fern. Beziehungsweise Serien. Nach einem langen Tag den Fernseher anmachen und mich mit den vertrauten Charakteren einer Serie treffen, in ihr Leben eintauchen und meines für eine Weile in den Hintergrund treten lassen, entspannt mich sehr.

Auf einmal aber zu sehr. Mir wurde langweilig dabei. Oft ähnelten sich die Serien in Inhalt, Machart, und Dramaturgie. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schienen alle derselben Familie zu entstammen.

Man könnte mir eine schlechte Auswahl unterstellen, allerdings verliess ich mich dabei oft auf die Empfehlung ausgewiesener Serien-Kenner. Ich war ratlos und fürchtete schon, dass ich den Fernseher für immer ausmachen und mir ein neues Hobby suchen müsste.

Unterschiedliche Muttersprachen

Doch dann kam «La Casa de Papel» (Haus des Geldes). Jene spanische Netflix-Serie, die die Geschichte eines Überfalls auf die Banknotendruckerei und die darauffolgende Geiselnahme erzählt.

Endlich bekam ich etwas anderes auf die Ohren und Augen. Ich schaue TV-Serien immer in der Originalfassung mit englischen Untertiteln. Das hat sich bei uns zu Hause so etabliert, weil mein Mann und ich unterschiedliche Muttersprachen haben und es uns so am fairsten erschien.

Zur Autorin: Michelle de Oliveira
Bild: zVg

Michelle de Oliveira ist Journalistin, Yogalehrerin und Mutter und immer auf der Suche nach Balance – nicht nur auf der Yogamatte. Ausserdem hat sie ein Faible für alles Spirituelle und Esoterische. In ihrer Kolumne berichtet sie über ihre Erfahrungen mit dem Unfassbaren. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.

Mittlerweile ertrage ich synchronisierte Produktionen kaum noch, so sehr habe ich mich an die Originalfassung gewöhnt. Aber eben vor allem an englische Originalfassungen. Ans US-amerikanische Englisch.

Dänisch! Was für eine tolle Sprache

Was für eine wunderbare Abwechslung, bei «La Casa de Papel» nichts als Spanisch zu hören. Ich verstand nur etwa zwölf Worte, aber ich liebe den Klang und das etwas Raue der Sprache ungemein und sie macht die ohnehin grandiosen Schauspieler noch sympathischer. Und ich lernte sogar einige Worte dazu. Joder, zum Beispiel. (Okay, nicht das höflichste aller Wörter, aber das ist nicht mein Fehler, es wurde nun mal wahnsinnig oft wiederholt!)

Dann lief uns «Rita» über den Weg, beziehungsweise flimmerte über den Bildschirm. Die dänische Netflix-Serie handelt von einer unkonventionellen Lehrerin, die zu viel raucht und trinkt, und ihren Schülern mit einem riesigen Herz auf den richtigen Weg hilft, während sie in ihrem eigenen Leben immer etwas neben der Spur fährt. Dänisch! Was für eine tolle Sprache.

Während der ersten paar Episoden mussten wir noch schmunzeln, wenn Rita «Vi ses» sagte, was klingt wie «We see us» und tatsächlich auch «Wir sehen uns» bedeutet. Aber mit der Zeit fühlte sich die Sprache so geläufig an, so selbstverständlich. Und auch hier verstanden wir mit der Zeit einige Brocken. Jeg elsker dig. (Schon freundlicher als beim Spanischen. Es heisst «Ich liebe dich».)

Ich möchte meine Portugiesisch-Kenntnisse ausbauen

Schliesslich stand Polnisch auf dem Lehrplan. Ja, Polnisch! Ich muss gestehen, dass ich bis dahin die Sprache nicht hätte identifizieren können. Bisher war ich schlicht nie mit ihr in Berührung gekommen. «Sexify» zeigt den Alltag der Studentin Natalia, die für einen Wettbewerb eine App entwickeln will, die Frauen helfen soll, einen Orgasmus zu erleben.



Natalia ist sexuell gänzlich unerfahren und holt sich darum Hilfe zweier Kommilitoninnen. Die Serie erinnert etwas an die sehr erfolgreiche Netflix-Produktion «Sex Education». «Sexify» kommt meiner Meinung nach nicht an sie heran, eine zweite Staffel würde ich mir wohl nicht mehr ansehen. Dennoch ist es aber eine herzige, sympathische Produktion. Was ganz bestimmt mit der Sprache und dem damit verbundenen Eintauchen in eine unbekannte Welt zusammenhing.

Neulich hörte ich im Bus jemanden auf Polnisch telefonieren und habe mich unglaublich gefreut, dass ich die Sprache erkannt habe. Ich habe sogar ein Wort verstanden: «Niet».

«Niet», sage ich übrigens auch, wenn Sie jetzt denken, ich würde zu viel fernsehen. Denn ich nenne es fortan Weiterbildung. Apropos: Ich möchte meine Portugiesisch-Kenntnisse ausbauen. Falls Sie eine Serien-Empfehlung für mich haben, freue ich mich sehr.

Obrigada.


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In der Rubrik «Die Kolumne» schreiben Redaktorinnen und Redaktoren von «blue News» regelmässig über Themen, die sie bewegen. Leserinnen und Leser, die Inputs haben oder Themenvorschläge einreichen möchten, schreiben bitte eine E-Mail an: redaktion.news@blue.ch.

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