Weihnachtsmann oder Christkind – wer bringt nun die Geschenke?

Von Sulamith Ehrensperger

24.12.2020

Weihnachtsmann besucht zwei als Engel verkleidete Mädchen
Bei manchen Familien ist es der Weihnachtsmann, der die Geschenke überbringt, bei anderen ist es das Christkind. Warum ist das so?
Bild: Getty Images

Wenn es darum geht, wer uns an Weihnachten beschert, scheiden sich die Geister. Ist es nun das Christkind oder der Weihnachtsmann? Warum je länger, je mehr der alte Mann dem Engelchen den Rang abläuft.

Die Bescherung an Heiligabend ist in Griffnähe. Die Geschenke bringt natürlich auch dieses Jahr das Christkind. Zumindest ist das in der Deutschschweiz und dem Grossteil des deutschsprachigen Raums die Tradition.

Aber: Je länger, je mehr läuft der Weihnachtsmann dem Christkind den Rang ab. Bereits seit 1931 wirbt Coca-Cola in der Vorweihnachtszeit mit dem gütigen Mann mit dem weissen Bart. In der Werbung, vor Warenhäusern, in Filmen und in Schokoladeregalen lachen uns in der Adventszeit überall bärtige Weihnachtsmänner entgegen. Mit Verlaub, das ist ganz schön verwirrend. 

Eines ist sicher: Der Weihnachtsmann wurde nicht von Coca-Cola erfunden. Ursprünglich war es der Heilige Sankt Nikolaus, der am 6. Dezember mit seinem Knecht Ruprecht in die Häuser kam. Die ersten niederländischen Siedler von Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York, brachten den holländischen Sinterklaas in die Neue Welt. Hier wurde aus ihm mit der Zeit Santa Claus – eine Märchenfigur, die am Nordpol wohnt und im 20. Jahrhundert den Sprung zurück nach Europa schaffte.

Der Weihnachtsmann ist also eine Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens, die besonders in evangelisch geprägten Regionen populär ist. Auch in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz ist es nicht das Christkind, sondern der «Père Noël» beziehungsweise der «Babbo Natale». Ebenso in Teilen Deutschlands, den Niederlanden, Skandinavien, dem Vereinigten Königreich, in Australien, Kanada und – eben – den Vereinigten Staaten ist Santa Claus populär.

Je nach Region und Tradition ist es also unterschiedlich, wer die Geschenke bringt. Generell hat der Weihnachtsmann den Vorteil, dass er heute in vielen gesellschaftlichen Kontexten vorkommt. Christkind-Fans dürften es also schwerer haben als diejenigen, die den Weihnachtsmann mögen.

 Coca-cola in 1997 - Christmas advertising on a vending machine.  (Photo by Francois LE DIASCORN/Gamma-Rapho via Getty Images)
Seit 1931 nutzt Coca‑Cola das Bild des Weihnachtsmanns für Werbekampagnen – wie hier 1997 auf einem Verkaufsautomaten. Viele assoziieren ihn auch mit dem Getränk.
Bild: Gamma-Rapho via Getty Images

Der Weihnachtsmann scheint also weltweit auf der Popularitätsskala vorn zu liegen. Doch auch das Christkind hat so manche Fans auf seiner Seite. Sie monieren, dass der Weihnachtsmann als Werbefigur den Konsum fördere, dabei die ursprünglichen Bräuche des christlichen Weihnachtsfestes verdränge.

Auch das Christkind hat übrigens eine spannende Entstehungsgeschichte: Es ist eine Erfindung Luthers. Bis ins Mittelalter hinein war von einem gabenbringenden Christkind keine Rede. Das änderte sich dann im 16. Jahrhundert, als Martin Luther im Zuge der Reformation die Heiligenverehrung beseitigen wollte. So ersetzte er den Nikolaus kurzerhand durch den «Heiligen Christ», also Jesus als Säugling in der Krippe.

Daraus entstand das Christkind, das vor allem in protestantischen Regionen zum gabenbringenden engelhaften Wesen mit Goldlöckchen wurde. Mit der ursprünglichen Vorstellung vom Jesuskind in der Krippe hat es meist nicht mehr viel gemeinsam. Klar, das Christkind als Engelchen wirkt meist kitschig. Doch Hand aufs Herz: Was wäre die Weihnachtszeit ohne Kitsch?



Wer hat also nun die Nase vorn? Ob Christkind oder Weihnachtsmann, Kitsch oder Kommerz: Letztlich zählt wahrscheinlich nur, dass die Kinder die gabenbringende Figur mögen. Schliesslich erfüllt sie die lang ersehnten Wünsche.

Was aber macht es mit den Kindern, wenn der Weihnachtsmann dieses Jahr zu Hause bleiben muss? Schliesslich gehört er mit seinem hohen Alter eindeutig zur Risikogruppe. Zu Corona-Zeiten hat es das mädchenhafte Christkind deutlich leichter. Vielleicht läuft es nun dem alten Mann mit einem Flügelschlag den Rang ab.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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