Äthiopien

Armee greift offenbar Hauptstadt von Tigray an

sda/dpa/toko

28.11.2020 - 16:11

Laut Medienberichten greifen Äthiopiens Streitkräfte derzeit Mekelle an.
Laut Medienberichten greifen Äthiopiens Streitkräfte derzeit Mekelle an.
Maxar Technologies/AP/Keystone

Im Äthiopienkonflikt haben die Streitkräfte des Landes laut eines regionalen Medienberichts die Hauptstadt der Region Tigray angegriffen. Mekelle «wird mit schwerer Artillerie bombardiert», teilte der mit der Regionalregierung verbundenen Fernsehsender Tigray TV am Samstag mit.

Das für die Tigray-Krise von der Zentralregierung geschaffene Büro sagte derweil, die TPLF habe stets Vorwürfe fabriziert, dass die Zentralregierung Städte, Orte und Standorte von Zivilisten aus der Luft angreifen würden. Die Streitkräfte würden nur auf militärische Ziele und Waffendepots der TPLF zielen; sie würden keine Zivileinrichtungen wie Schulen oder Wohngebiete angreifen und hätten Explosionen in dicht besiedelten Gebieten vermieden.

Am Freitag hatte ein führendes Mitglied des Militärs, Hassen Ibrahim, dem staatlichen Sender Fana gesagt, dass die Armee mehrere strategisch wichtige Ortschaften ausserhalb Mekelles eingenommen habe.



Äthiopiens Regierung hatte vor mehr als drei Wochen eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die in der nördlichen Region Tigray an der Macht ist. Über die Lage vor Ort ist wenig bekannt, da Internet, Telefonverbindungen und Strom weitgehend gekappt sind. Bislang sind laut UNHCR mehr als 43'000 Menschen in das Nachbarland Sudan geflohen und Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe in Tigray. Etliche Stimmen der internationalen Gemeinschaft haben zu einer Waffenruhe ausgerufen, darunter auch jüngst das EU-Parlament.

Hintergrund des Konflikts sind immer grössere Spannungen zwischen Tigray und der Zentralregierung. Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, bis Abiy 2018 an die Macht kam und die TPLF hinausdrängte. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche ethnische Spannungen, die unter Abiy gestiegen sind.

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sda/dpa/toko