Der Telefon-Joker – wie Trump schimpft, beleidigt oder kuscht

tafi

30.6.2020 - 18:00

Biden nennt Trumps Präsidentschaft «Geschenk für Putin»

Biden nennt Trumps Präsidentschaft «Geschenk für Putin»

Anlass der Äusserungen des designierten demokratischen Gegenkandidaten des US-Präsidenten sind Veröffentlichungen vor allem der Zeitung «New York Times».

29.06.2020

Telefonate mit Donald Trump sind für andere Staatsoberhäupter kein Vergnügen. Angela Merkel wird beleidigt, Theresa May eingeschüchtert, Emmanuel Macron beschimpft. Nur Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan freuen sich über einen handzahmen US-Präsidenten.

Unvorbereitet und alles andere als diplomatisch: Wenn Donald Trump telefoniert, haben andere Staatschefs nichts zu lachen – oder ganz viel. Wie CNN berichtet, sei der US-Präsident in Telefongesprächen mit ausländischen Staatsoberhäuptern entweder aufbrausend, unwissend und beleidigend. Oder er kusche und gefährde US-amerikanische Interessen.

Für die Erörterung wichtiger politischer Fragen jedenfalls fehle ihm dass Hintergrundwissen. Dafür soll er die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als «dumm» und die damalige britische Premierministerin Theresa May als «schwach» und «feige» bezeichnet haben.

Wenn Donald Trump zum Hörer greift, können sich seine Gesprächspartner offenbar auf etwas gefasst machen. (Symbolbild/Archiv)
KEYSTONE/AP/ALEX BRANDON

Telefonate mit «sadistischen» Zügen

Vor allem Trumps Telefonate mit Frauen hätten «sadistische» Züge angenommen, schreibt der Investigatvjournalist Carl Bernstein, der einst zusammen mit Bob Woodward den Watergate-Skandal aufgedeckt hat und nun geheime Telefonprotokolle des US-Präsidenten ausgewertet hat.

«Einige der Dinge, die er zu Angela Merkel sagte, sind einfach unglaublich: Er nannte sie ‹dumm› und beschuldigte sie, sich in den Händen der Russen zu befinden ...», wird eine von Bernsteins Quellen zitiert.  Die Gespräche seien «so ungewöhnlich» gewesen, dass man in Berlin besondere Massnahmen ergriffen habe, damit die Inhalte geheim bleibe. Dies habe ein deutscher Regierungsbeamter bestätigt.



Auch die Staatsoberhäupter anderer Verbündeter – darunter der französische Präsident Emmanuel Macron, der kanadische Premierminister Justin Trudeau und der australische Premierminister Scott Morrison – habe Trump am Telefon herablassend behandelt und regelrecht schikaniert.  

Es habe kein Telefonat gegeben, in denen sich Trump nicht über die langjährigen Partner beschwert habe. «Alles war immer persönlich, wobei immer die anderen schreckliche Dinge taten, um die USA abzuzocken – was bedeutete, ‹mich› – Trump – abzuzocken. Er konnte nicht – oder wollte nicht – das Gesamtbild sehen oder sich auf darauf konzentrieren», sagte ein US-Beamter.

Unterwürfig gegenüber Diktatoren

Gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei Trump hingegen unterwürfig aufgetreten. Sehr zur Verblüffung seiner eigenen Mitarbeiter, die über Trumps jovialen Ton fassungslos gewesen sein sollen. Dass dem US-Präsidenten jegliches Fachwissen fehlte, habe er mit einer Selbstbeweihräucherungsorgie überspielt.

Dabei habe er politische Zugeständnisse an Russland und die Türkei gemacht, die seine Berater – darunter seine ehemaligen Aussen- und Verteidigungsminister, zwei nationale Sicherheitsberater und ein Stabschef – zu der Überzeugung gelangen liessen, Trump selbst sei eine Gefahr für die nationale Sicherheit.



In seinen Gesprächen sowohl mit Putin als auch mit Erdogan habe Trump besondere Freude daran gehabt, die ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Barack Obama zu verunglimpfen: «Sie wussten einen Sch...dreck.» Direkte Gespräche mit ihm – Trump – würden weitaus fruchtbarer sein als unter früheren Regierungen.

Gemäss der viermonatigen Recherchen Bernstein habe vor allem Erdogan von Trumps Angebot ausgiebig Gebrauch gemacht und ihn teilweise zwei Mal pro Woche angerufen. Meistens unangekündigt und zu Zeitgen, in denen er sicher sein konnte, Trump recht einfach zu politischen Zugeständnissen und anderen Gefälligkeiten bewegen zu können. Beim Golfspielen etwa.

Was «Trump: An American Dream» über den US-Präsidenten verrät

Was «Trump: An American Dream» über den US-Präsidenten verrät

Die Newsfeeds quellen über mit Schlagzeilen über Donald Trump – braucht es da wirklich noch eine Doku über den US-Präsidenten? Ja! Warum? Die Antwort darauf gibt's im aktuellen Spotlight.

29.06.2020

Zurück zur Startseite