Flughafen Berlin ist eröffnet

dpa/toko

31.10.2020

Lange gab es Zweifel, ob es dazu jemals kommen würde: Der neue Flughafen geht tatsächlich ans Netz. Die ersten Maschinen docken an. Doch von grossem Andrang kann vorerst keine Rede sein.

Mit neun Jahren Verspätung ist am Samstag der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet worden. Flugzeuge von Easyjet und Lufthansa brachten die ersten Fluggäste zum neuen Terminal.

Aus Sicherheitsgründen landeten die Flugzeuge nicht wie geplant parallel auf beiden Start- und Landebahnen, sondern mit einem Abstand von gut vier Minuten auf der Nordbahn. Leider habe das Wetter nicht mitgespielt, sagte Patrick Muller, am BER verantwortlich für die Abläufe. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wird der Luftverkehr Berlins und Brandenburgs am Standort des früheren DDR-Flughafens Schönefeld konzentriert. Der Innenstadtflughafen Tegel schliesst. Dort soll am 8. November die letzte Maschine abheben.

Der Eröffnungstag ist aus Sicht des Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup «kein historischer Tag». «Aber es ist für uns, für Berlin und Brandenburg, für Ostdeutschland ein ganz wichtiger Tag», sagte er am Samstag. «Endlich können wir unseren Flughafen in Betrieb nehmen. Endlich.»



Der Bau des BER war geprägt von Planungsfehlern, technischen Problemen und Baumängeln. Sechs Mal wurde die Eröffnung verschoben. Die Kosten für den Bau und den Schallschutz der Anwohner verdreifachten sich auf Rund sechs Milliarden Euro.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) rief am Samstag dazu auf, nach vorn zu blicken. «Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt zu Ende sein», forderte er. Er sicherte zu, alles dafür zu tun, dass der Flughafen ein internationales Drehkreuz werde.

Begleitet wurde die Eröffnung von verschiedenen Protesten. Als Pinguine verkleidet etwa demonstrierten Dutzende Klimaaktivisten am Samstagvormittag. Die Mitglieder der Gruppe «Am Boden bleiben», die sich für weniger Flugverkehr engagiert, zogen vom Willy-Brandt-Platz bis zum Eingang des neuen Terminal 1. Es gehe darum, ein Zeichen gegen die Luftfahrtindustrie zu setzen, erklärte ein Mitglied der Gruppe. Insgesamt seien an den Aktionen rund 250 Menschen beteiligt gewesen, sagte eine Sprecherin der Gruppe. Auch andere Gruppen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion protestierten. Taxifahrer aus Berlin machten mit einem Hupkonzert auf sich aufmerksam, sie fordern eine Änderung der bisherigen Taxi-Regelungen an dem neuen Airport.

Der Hauptstadtflughafen BER geht in Betrieb.
Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Eröffnung fällt in die schwerste Krise der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg, wie es in der Branche heisst. Nur wenige Tausende Passagiere pro Tag werden in den nächsten Wochen in Schönefeld erwartet. Die Sondermaschinen von Easyjet und Lufthansa brachten geladene Gäste zum neuen Terminal. An diesem Sonntag sollen dort die ersten Fluggäste einchecken.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: «Dieser Flughafen ist auch ein Stück weit Wiedervereinigung und Nachwendegeschichte.» Müller erinnerte an die die zahllosen Probleme in der 14-jährigen Baugeschichte des Terminals. «Es gab in den vergangenen Jahren Tage, die waren zum Verzweifeln.»

Aus Sicht des brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) sind am BER mehr Interkontinentalverbindungen notwendig. «Wir brauchen die Augenhöhe mit den Flughäfen Frankfurt am Main und München», sagte Woidke bei der Eröffnung. Der Start sei ein Zeichen des Optimismus in der Corona-Krise.

Für die Lufthansa soll der neue Berliner Hauptstadtflughafen BER allerdings kein internationales Drehkreuz wie Frankfurt und München werden. «Es gibt historische Gründe, warum in Deutschland der Langstreckenverkehr nicht von den beiden grössten Städten aus stattfindet, sondern von den beiden Drehkreuzen München und Frankfurt», sagte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr am Samstag. «Und ich glaube, daran wird auch der BER in der Tat nichts ändern.»

Berlin, Brandenburg und der Bund hatten sich 1996 entschieden, den Flughafen am Rande der Hauptstadt auszubauen. Die Wahl des Standorts löste im dicht besiedelten Umland Proteste und jahrelangen Streit um die Flugrouten aus.

Die Schliessung Tegels soll Hunderttausende von Fluglärm entlasten und Platz schaffen für einen Forschungs- und Gewerbestandort. Zur Sicherheit bleibt der Flughafen im Westen der Stadt aber noch ein halbes Jahr betriebsbereit. Der Traditionsflughafen Tempelhof ist schon seit 2008 geschlossen. Das Gelände ist als Park für die Bürger geöffnet.

Das Terminal des früheren Zentralflughafens der DDR in Schönefeld bleibt vorerst als Teil des BER erhalten. Vom alten Flughafen übernimmt der BER auch eine Start- und Landebahn. Die neue zweite Bahn geht am 4. November in Betrieb, dann gilt an dem Standort erstmals ein Nachtflugverbot.

Der Bau des neuen Terminals war durch den Verzicht auf einen Generalunternehmer und zahlreiche Umplanungen ausser Kontrolle geraten. 2012 wurde die Eröffnung wenige Wochen vor dem Termin abgesagt. Auch international löste das Staunen und Hohn aus. Die folgenden Arbeiten kamen einer Sanierung des Neubaus gleich. Jahrelang wurde umgebaut, vor allem beim Brandschutz.

Bereits seit vergangener Woche ist das Regierungsterminal auf dem BER-Gelände in Betrieb. Ein weiteres Fluggastterminal ist fertig, soll wegen des coronabedingten Einbruchs der Passagierzahlen aber erst nächstes Jahr in Betrieb gehen. Zusammen fassen die drei BER-Terminals nach Betreiberangaben bis zu 41 Millionen Fluggäste im Jahr. Der Wirtschaftsplan geht für nächstes Jahr von etwa 18 Millionen aus, halb so viele wie 2019.

© dpa-infocom, dpa:201031-99-153620/11

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