Österreichs Ex-Kanzler Kurz gibt «Abschied aus der Politik» bekannt

uri

2.12.2021

Sebastian Kurz kündigt Rückzug aus der Politik an

Sebastian Kurz kündigt Rückzug aus der Politik an

Österreichs früherer Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz zieht sich aus der Politik zurück. Er werde das Amt des Parteiobmanns der ÖVP sowie des Fraktionschefs abgeben, sagte Kurz am Donnerstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, er empfinde aber keine Schwermut. O-TON SEBASTIAN KURZ, EX-BUNDESKANZLER: «Ich war die letzten zehn Jahre mit hundertprozentiger Begeisterung dabei und ich hatte immer enorme Freude an der politischen Arbeit. Die letzten Monate, die letzten Wochen und die letzten Tage ist diese Begeisterung bei mir ein bisschen weniger geworden. [...] Und darüber hinaus steht man unter ständiger Beobachtung, wird täglich kritisiert und hat fast ein bisschen das Gefühl gejagt zu werden.» Beigetragen zu der Entscheidung hätten auch die Entwicklungen der letzten Monate. Er sei mit der Abwehr von Vorwürfen und Anschuldigungen beschäftigt gewesen, sagte Kurz. Seine Leidenschaft für Politik sei damit ein Stück weit weniger geworden. Kurz sagte weiter, er freue sich auf Zeit mit seinem Kind und seiner Familie. Im kommenden Jahr wolle er sich neuen beruflichen Aufgaben zu widmen. Bereits im Oktober war Kurz als Kanzler zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass gegen ihn wegen Untreue und Betruges ermittelt wird.

02.12.2021

Österreichs ehemaliger Kanzler Sebastian Kurz zieht sich komplett aus der Politik zurück. Das verkündete er heute vor den Medien. Den Schritt begründete er auch mit der Geburt seines Sohnes. 

uri

2.12.2021

Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz wird sich noch heute komplett aus der Politik zurückziehen, wie er vor den Medien bekannt gab. Er verkündete seinen «Abschied aus der Politik» und gibt seine Ämter als Parteichef und Fraktionschef der konservativen ÖVP ab. Es sei ihm eine grosse Ehre gewesen, der Republik zehn Jahre dienen zu dürfen. Die Nachfolge von Kurz als Chef der ÖVP-Chef werde demnach Innenminister Karl Nehammer übernehmen.

Der Entscheid war zuvor bereits durch Medienberichte bekannt geworden. 

In einem persönlichen Statement vor den Medien in Wien begründete Kurz seinen Rücktritt damit, dass seine Leidenschaft für die Politik in den letzten Wochen weniger geworden sei. Auch die Geburt seines Sohnes habe zu dieser Erkenntnis beigetragen. «Manches ist vernachlässigt worden, insbesondere die eigene Familie», so Kurz.

Spitzenpolitik sei ein «Wechselbad der Gefühle». Es sei schön, etwas bewegen zu können. Aber man werde auch täglich kritisiert. Er habe das Gefühl gehabt, gejagt zu werden. Dies sei kraftraubend gewesen, so Kurz.

«Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher», sagte Kurz, er gestand jedoch ein, seinen Ansprüchen nicht immer gerecht geworden zu sein. Auch habe er «selbstverständlich Fehlentscheidungen» getroffen. Die Vorwürfe gegen seine Person seien allerdings «schlicht und ergreifend falsch».

Sebastian Kurz veröffentliche seine Rede auch auf seinem Youtube-Kanal.

Youtube/Sebastian Kurz

Kurz war im Oktober als Regierungschef zurückgetreten, nachdem Korruptionsermittler unter anderem das Kanzleramt und die ÖVP-Zentrale durchsucht hatten. Kurz und einige seiner engen politischen Mitstreiter werden von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, manipulierte Umfragen in Medien in Umlauf gebracht zu haben. Dafür sollen öffentliche Mittel abgezweigt worden sein. Unter anderem steht der Vorwurf der Untreue im Raum.

Kurz, der die Vorwürfe bestreitet, wechselte nach seinem Rücktritt als Fraktionschef ins Parlament. Er blieb auch Vorsitzender der ÖVP. 

ARCHIV – Sebastian Kurz (ÖVP), damals Bundeskanzler von Österreich, kommt, um ein Statement zur Regierungskrise im Bundeskanzleramt abzugeben. Der ehemalige österreichische Kanzler Sebastian Kurz hat seinen Schutz vor Korruptionsermittlungen verloren. Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
Sebastian Kurz will sich laut Medienberichten komplett aus der Politik zurückziehen. (Archiv)
Bild: dpa