Nix mit Reformen Bistum Basel: «Papst zieht weiteres Ringen wohl unreifem Entscheid vor»

dpa

12.2.2020

Papst Franziskus geniesst an seiner wöchentlichen Audienz im Vatikan ein Bad in der Menge.
Papst Franziskus geniesst an seiner wöchentlichen Audienz im Vatikan ein Bad in der Menge.
Bild: Keystone

Der Papst ändert weder den Zölibat noch lässt er verheiratete Priester oder Frauen zu. Recht so, findet man beim Bistum Chur. Kritischere Töne kommen aus Basel.

Es war weit über die Katholiken hinaus mit Spannung erwartet worden: das heutige Schreiben von Papst Franziskus. Ist heute das historische Datum, in dem er den Zölibat ändert? Dürfen verheiratete Männer Priester werden? Stösst Franziskus gar die Diskussion um Frauenpriesterinnen neu an?

Soweit die Mutmassungen im Vorfeld. Nun ist klar: Papst Franziskus stellt keine Öffnung der katholischen Kirche in Aussicht. In seinem Lehrschreiben zur Amazonas-Bischofssynode vermeidet der Pontifex eine klare Aussage über die Zulassung von verheirateten Männern zur Weihe in der Amazonas-Region. Auch beim Thema Frauen zeigt Franziskus keine Schritte in Richtung Weihe zu Diakoninnen auf. 

Enttäuschung also bei allen, die auf eine Öffnung der katholischen Kirche hoffen.

Bistum Chur ist auf Papst-Linie

Und wie kommt des Papstes Schreiben hierzulande an? Alles richtig so, findet man in der Bündner Kantonshauptstadt: «Das Bistum Chur dankt Papst Franziskus für sein Schreiben und ist damit ganz auf der gleichen Linie», schreibt deren Sprecher Giuseppe Gracia auf Anfrage von «Bluewin».

Und weiter: «Auch Bischof Peter Bürcher, genau wie der Heilige Vater, geht von der Unersetzbarkeit des sakramentalen Priestertums aus, dem innerlich verbunden weiterhin der Zölibat zugehört.» Dazu muss man wissen: Was Chur sagt, strahlt auf die ganze Schweiz aus, gehört zu jenem Bistum doch auch Zürich als Kanton mit der grössten katholischen Bevölkerung. Chur gilt allerdings auch nach der Ära Huonder nach wie vor als konservativ. Administrator Bürcher gilt als Übergangslösung.

«Lieber Ringen als unreifer Entscheid»

Zurückhaltender und kritischer ist man beim Bistum Basel. «Uns ist wichtig, dass die Entwicklung offen bleibt. Das ist ja immer noch gewährleistet», sagt Sprecher Hansruedi Huber auf Anfrage von «Bluewin». Vermutlich habe der Papst die Weihe-Fragen offengelassen, weil diesbezüglich die Meinungen der verschiedenen kirchlichen Lager noch zu weit auseinander klafften. «Und er das weitere Ringen» einem unreifen Entscheid vorzieht», so Huber.

Streit zwischen Konservativen und Modernisierern

Über den Zölibat war ein Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt. Sogar der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. appellierte an seinen Nachfolger Franziskus, das Eheverbot für Priester nicht zu lockern. Das eigentliche Thema der Synode – die Umweltzerstörung im Amazonasgebiet – geriet dabei in den Hintergrund.



Das Dokument «Querida Amazonia» (Geliebtes Amazonien) wurde am Mittwoch im Vatikan vorgestellt. Es folgt auf das Bischofstreffen im Oktober im Vatikan. Damals hatte sich die Mehrheit der Teilnehmer für die Weihe von verheirateten Männern in Ausnahmefällen in der Regenwaldregion ausgesprochen, um dort den akuten Priestermangel zu bekämpfen.

Franziskus nimmt auf die Debatte um den Zölibat keinen Bezug und erwähnt nicht einmal den Begriff. In der abgelegenen Amazonasregion kann manchmal sogar nur ein Mal im Jahr die Heilige Messe gefeiert werden, weil es keine Priester gibt.

Mehr Laien einbinden

Franziskus betonte, dass ein Weg gefunden werden muss, «um diesen priesterlichen Dienst zu gewährleisten». Er plädiert dafür, Laien mehr einzubinden. Laien könnten «das Wort verkünden, unterrichten, ihre Gemeinschaften organisieren, einige Sakramente feiern» – aber sie können nicht die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. Das sei nur dem Priester vorbehalten.



Lateinamerikanische Bischöfe sollten mehr Menschen ermutigen, Priester zu werden, und sie dazu bewegen, ins Amazonasgebiet zu gehen – statt in Länder wie die USA abzuwandern.

«Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben»

Keine Weihe für Frauen

Der aus Argentinien stammende Papst ruft zwar zu mehr Frauen in Führungspositionen auf, eine Weihe für geistliche Ämter kommt für ihn aber nicht infrage. Der Blick «auf funktionale Strukturen» wäre ein «Reduktionismus» und «würde uns zu der Annahme veranlassen, dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine grössere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden».



Dies würde zu einer «Klerikalisierung der Frauen» führen. «Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben.»

Frauen sollten «eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen». Ein Bischof müsse sie zu solch einem Dienst beauftragen. «Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben.»

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