ARCHIV - Israelische Soldaten feuern nahe der Grenze zum Libanon eine mobile Haubitze ab. Die Bilanz des seit sechs Monaten wütenden Gaza-Krieges ist verheerend. Foto: Ilia Yefimovich/dpa
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Die Bilanz des seit sechs Monaten wütenden Gaza-Krieges ist verheerend. Mehr als 33 000 Menschen wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher im Gazastreifen getötet und knapp 76 000 weitere verletzt. Die Behörde unterscheidet dabei nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Nach israelischen Angaben wurden im Gazastreifen rund 12 000 Terroristen getötet, das wären mehr als ein Drittel der Toten. Die Angaben beider Konfliktparteien lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Keystone-SDA
07.04.2024, 12:23
SDA
Das Grauen begann mit schlimmstem Massaker seit dem Holocaust
Auslöser des Krieges war der Terrorangriff der islamistischen Hamas auf das israelische Grenzgebiet am 7. Oktober vergangenen Jahres, bei dem mehr als 1200 Menschen getötet wurden. Es war das schlimmste Massaker in der Geschichte des Landes; einschliesslich Leichenschändungen und Vergewaltigungen. Ausserdem verschleppten Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Organisationen mehr als 250 Menschen in den Gazastreifen. Bis heute werden dort nach israelischen Informationen noch 133 Menschen festgehalten, davon sollen aber höchstens noch knapp hundert am Leben sein.
Auf der israelischen Seite wurden seit dem 7. Oktober insgesamt mehr als 1500 Menschen getötet, darunter 600 Soldaten. Mehr als 15 000 erlitten Verletzungen.
Verheerende Reaktion Israels im Gazastreifen
Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer zerstörerischen Bodenoffensive im Gazastreifen. Rund 300 000 israelische Reservisten wurden zu Beginn des Krieges einberufen.
Mehr als 1,7 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen Einwohner des Küstenstreifens wurden nach UN-Angaben seitdem zu Binnenvertriebenen. Das Gebiet am Mittelmeer, das flächenmässig etwa so gross ist wie München, liegt weitgehend in Schutt und Asche. Unter den mehr als 33 000 Toten sind auch Sanitäter, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.
Alle Gaza-Einwohner sind nach UN-Angaben von «hoher, akuter Ernährungsunsicherheit», die Hälfte von ihnen sogar von «katastrophaler Ernährungsunsicherheit» betroffen. Hilfsorganisationen warfen Israel vor, die Hilfslieferungen zu behindern. Israel wies dies zurück und sagte, das Problem liege vielmehr im Gazastreifen, weil die Akteure dort offenbar nicht in der Lage seien, mehr Hilfsgüter zu verteilen.
Nach Angaben der israelischen Cogat-Behörde wurden seit Beginn des Krieges mehr als 388 850 Tonnen humanitärer Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert, in mehr als 20 700 Lastwagen.
Krieg verursachte Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe
Der Gaza-Krieg hat einer Schätzung der Weltbank und der Vereinten Nationen zufolge einen Sachschaden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht. Die Institutionen bezifferten den Schaden an der kritischen Infrastruktur im Gazastreifen mit rund 18,5 Milliarden US-Dollar (rund 17,2 Milliarden Euro). Dies entspricht den Angaben zufolge 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Gazastreifen und Westjordanland im Jahr 2022. Dem Bericht zufolge machten Schäden an Wohngebäuden 72 Prozent des Gesamtschadens aus. Auch im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen sowie zum Libanon hat der Krieg schwere Verwüstungen angerichtet.
Dauergefechte an der Grenze zum Libanon
Seit Kriegsbeginn hat die sogenannte «Achse des Widerstands» – Iran und seine nicht staatlichen Verbündeten im Libanon, Irak und Jemen sowie in Syrien – Israel in Kämpfe an mehreren Fronten verwickelt. Der Iran hat nach einem mutmasslich israelischen Luftangriff auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus mit mehreren Toten Vergeltung angekündigt.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es bereits täglich zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und militanten libanesischen Gruppierungen wie etwa der Hisbollah. Bei Angriffen auf den Norden Israels wurden bislang 18 Menschen getötet – zehn Soldaten und acht Zivilisten. Im Libanon wurden nach Medienberichten 279 Kämpfer getötet, die grosse Mehrheit davon aus den Reihen der Schiitenmiliz Hisbollah. Ausserdem seien 68 Zivilisten bei Angriffen ums Leben gekommen.
43 israelische Wohnorte an der Grenze zum Libanon wurden evakuiert. Mehr als 60 000 Israelis und mehr als 90 000 Libanesen mussten angesichts der fortwährenden Gefechte das jeweilige Grenzgebiet verlassen. Nach israelischen Angaben wurden mehr als 3100 Raketen von Syrien und Libanon aus auf den israelischen Norden geschossen.
Attacken auch aus dem Jemen
Die aus dem Jemen agierenden Huthi-Miliz hat nach Informationen des israelischen Instituts für Nationale Sicherheit (INSS)seit Beginn des Gaza-Kriegs 63 Angriffe auf Israel verübt. 159 Mal habe sie zudem Schiffe im Roten Meer attackiert. Die Miliz will so ein Ende der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen erzwingen.
Gewaltanstieg auch im Westjordanland
Während des Gaza-Kriegs hat sich die Sicherheitslage auch in dem von Israel besetzten Westjordanland noch massiv verschlechtert. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah wurden in dem Zeitraum 438 Palästinenser getötet – bei Militäreinsätzen Israels, Konfrontationen oder ihren eigenen Anschlägen. 19 Israelis wurden bei Anschlägen im Westjordanland oder Jerusalem getötet. Rund 3700 Palästinenser wurden im Westjordanland festgenommen, 1600 davon mutmassliche Hamas-Mitglieder.
Kriegsziele sind weiter unerreicht
Erklärte Ziele des Gaza-Kriegs sind laut Israel die Zerstörung der Führung sowie der militärischen Fähigkeiten der Hamas sowie die Freilassung der Geiseln. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versprach mehrfach den «totalen Sieg» über die Hamas. Diese Ziele sind allerdings auch nach sechs Monaten verheerenden Krieges nicht erfüllt.
Trotz massiver internationaler Warnungen plant Israel einen militärischen Einsatz in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten, wo sich mehr als eine Million Flüchtlinge drängen. Israel will dort die letzten Bataillone der Hamas zerschlagen, um ein Wiedererstarken der Terrororganisation nach dem Krieg zu verhindern.
Auch die Raketenangriffe auf israelische Grenzorte zum Gazastreifen konnten bislang nicht vollends unterbunden werden. Insgesamt sind seit dem 7. Oktober nach Militärangaben mehr als 14 000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Mehr als 9000 davon seien auf israelischem Gebiet abgefangen worden oder eingeschlagen.
Die Hamas kämpft unter anderem aus einem Hunderte Kilometer langen, weitverzweigten Tunnelsystem unter dem Gazastreifen gegen die israelische Armee. Auch nach sechs Monaten ist es nicht gelungen, die Hamas-Führung – an der Spitze Jihia al-Sinwar – zu fassen, die in Tunneln im Süden des Gazastreifens vermutet wird. Die Annahme ist, dass Sinwar sich zu seinem eigenen Schutz mit Geiseln umgeben hat und ein Einsatz gegen ihn daher extrem riskant wäre.
«Israel hat militärischen Druck zu verschiedenen Zeitpunkten Verhandlungen vorgezogen, unter der Prämisse, dass je mehr die Hamas in die Ecke gedrängt wird, desto flexibler ihre Verhandlungspositionen werden», schrieb ein Kommentator der Zeitung «Israel Hajom» am Sonntag. «Die harte Linie der Hamas in den vergangenen Monaten zeigt jedoch, dass dieser Ansatz gescheitert ist.»
Johann Wadephul: UN muss Verantwortung im Iran-Krieg übernehmen
Berlin, 27.04.2026: Krisendiplomatie in New York: Aussenminister Johann Wadephul fordert mehr Einsatz vom UN-Sicherheitsrat im Iran-Konflikt.
O-Ton Johann Wadephul, Aussenminister
«Die UN müssen jetzt ihrer Verantwortung gerecht werden, insbesondere der Sicherheitsrat. Kriege und Konflikte schwelen, und wir sehen zum Teil die Unfähigkeit von Staaten, effektive Konfliktlösungsmechanismen in Kraft zu setzen. Insbesondere der Konflikt um den Iran und die blockierte Strasse von Hummus wird ein Thema sein, zu dem ich auch das Wort ergreifen werde im Sicherheitsrat.»
Wadephul fordert, der UN-Sicherheitsrat müsse handlungsfähiger werden: Blockaden, auch durch China und Russland, dürften Lösungen nicht länger verhindern.
Deutschland hofft zudem auf ein UN-Mandat für eine mögliche Mission in der Strasse von Hormus, einer wichtigen Route für die weltweite Energieversorgung.
In New York plant Wadephul Gespräche mit UN-Generalsekretär António Guterres sowie weiteren ranghohen UN-Vertretern und Amtskollegen. Dabei soll es auch um die Zukunft der Vereinten Nationen gehen.
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Einsatz im Mittelmeer: Minenjagdboot wird bald wegen Iran-Krieg verlegt
Das deutsche Minenjagdboot «Fulda» soll schon bald aufbrechen – Verteidigungsminister Boris Pistorius will, dass es schnell geht, sollte demnächst ein Einsatz zur Sicherung der Strasse von Hormus anstehen. Pistorius betont, Voraussetzung für einen Einsatz sei zuallererst ein Ende der Kampfhandlungen im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnert er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei.
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Pete Hegseths «Pulp Fiction»-Gebet
Verteidigungsminister Pete Hegseth zitiert am 16. April auf einer Pressekonferenz in Washington ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei.
«Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos. Hegseth zitiert ein abgewandeltes Gebet, das bei der Rettung der US-Piloten im Iran gesprochen worden sei. «Sie nennen es CSAR [Combat Search and Rescue] 25:17, was meiner Meinung nach Hesekiel 25:17 reflektieren soll», sagt er und betet drauflos.
Im Video siehst du jedoch, dass es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem Kultfilm «Pulp Fiction» von 1994 handelt, das nur an den Bibelvers angelehnt ist.
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