Sex ohne Zustimmung soll als Vergewaltigung anerkannt werden

SDA/jka

24.11.2020 - 23:33

A woman holding a placard demonstrates around of a circle shoes and candles, during a rally against violence towards women on occasion of the International Day for the Elimination of Violence against Women, in Geneva, Switzerland, Monday, November 25, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)
Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. 
Bild: Keystone

Jede fünfte Frau in der Schweiz hat bereits unerwünschte sexuelle Angriffe erlebt, jede zehnte hatte Sex gegen ihren Willen. Aktivistinnen fordern deshalb eine Revision des Strafgesetzbuches. 

679 Frauen wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr vergewaltigt. Diese Zahl nimmt seit fünf Jahren zu, wie ein Blick in die Schweizer Kriminalstatistik zeigt. Weil viele Frauen aus Scham auf eine Anzeige verzichten, wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. 

Viel grösser ist deshalb die Zahl von Frauen, die gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr hatten, wie aus einer 2019 durchgeführten Studie von Amnesty International und GFS Bern hervorgeht. Demnach erlebte bereits jede zehnte Frau Sex gegen ihren Willen. 22 Prozent der Frauen haben im Verlauf ihres Lebens unerwünschte sexuelle Angriffe erlitten.

Pünktlich zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen machen  die feministischen- und Frauen*streik-Kollektive der Schweiz auf diese Tatsache aufmerksam – und fordern eine Revision des Strafgesetzbuches.  Neu soll der Grundbegriff der Zustimmung angewendet werden.

Stand heute müsse ein Zwang nachgewiesen werden, damit eine Vergewaltigung von der Justiz anerkannt werde. Diese Tatsache missachte die «fassungslose Erstarrung», von der viele vergewaltigte Personen erzählen würden.

Ebenso wenig respektiere diese Regelung die Istanbuler Konvention, die unter anderem vorsehe, dass das Fehlen der Zustimmung bei der juristischen Definition der Vergewaltigung und anderer sexueller Gewalt ausschlaggebend sein soll. Die Konvention wurde 2011 vom Europarat ausgearbeitet und soll einen europaweiten Rechtsrahmen schaffen, um Frauen vor Gewalt zu schützen.

Der feministische Streik und der Frauen*streik fordern zudem angemessene Finanzierung von Präventions- und Erziehungsmassnahmen gegen sexistische und sexuelle Gewalt und Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Strukturen, die im Kampf gegen sexistische und sexuelle Gewalt aktiv sind.

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