Putschversuch von 2016

Hunderte sollen in der Türkei lebenslang in Haft

AP/toko

26.11.2020 - 21:06

Riot police officers stand at the entrance of a courthouse before the trial of 475 defendants, including generals and fighter jet pilots, in Sincan, Ankara, Turkey, Thursday, Nov. 26, 2020. A Turkish court sentenced several military and civilian personnel at an air base to life prison sentences on Thursday, proclaiming them guilty of involvement in a failed coup attempt in 2016, the state-run news agency reported. (AP Photo)
In der Türkei gibt es für Hunderte Menschen lebenslange Haftstrafen.
Keystone/Uncredited/AP/dpa (Archivbild)

Hunderte sollen nach dem Willen des Gerichts den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen. Angehörige von Pilotenschülern sagen, diese seien zu Unrecht verurteilt worden.

Ein türkisches Gericht hat Hunderte militärische und zivile Beschäftigte eines Luftwaffenstützpunkts der Beteiligung am Putschversuch von 2016 schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Drei Jahre lang hatten insgesamt 475 Angeklagte des Akinci-Stützpunktes vor Gericht gestanden, darunter Generäle und Kampfjetpiloten. Sie wurden beschuldigt, den Putschversuch geleitet und wichtige Staatsgebäude wie das Parlament bombardiert zu haben.

Vier Zivilisten und 15 Offiziere, darunter Generäle, wurden am Donnerstag zu jeweils 79 Mal lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer Strafaussetzung verurteilt. Weitere 318 Angeklagte erhielten ebenfalls lebenslange Gefängnisstrafen. 70 Angeklagte sprach das Gericht frei. Andere Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen von sechs bis 16 Jahren.

Laut Staatsanwaltschaft wurde der Luftwaffenstützpunkt in der Nähe Ankaras von den Planern des Staatsstreichs als Hauptquartier genutzt. In der Nacht des Putschversuchs wurde der damalige Militärchef und heutige Verteidigungsminister Hulusi Akar über mehrere Stunden hinweg auf Akinci festgehalten. Die Vorwürfe gegen die Angeklagten lauteten unter anderem Mord, Führung einer terroristischen Vereinigung, versuchte Tötung des Präsidenten sowie Verbrechen gegen den Staat und Verstösse gegen die verfassungsgemässe Ordnung.



Das im August 2017 begonnene Verfahren war einer von zwei grossen Prozessen gegen mutmassliche Mitglieder eines Netzwerks des Geistlichen Fethullah Gülen, den Ankara beschuldigt hat, Drahtzieher des Putsches gewesen zu sein. Nach dem Putsch gingen die türkischen Behörden hart gegen Verdächtige vor; Zehntausende wurden inhaftiert und ungefähr 130'000 Menschen verloren ihre Arbeit beim Staat.

Es wurde erwartet, dass die Angeklagten die Urteile anfechten würden. Mitglieder der Regierungspartei AKP begrüssten die Schuldsprüche.

Angehörige von Verurteilten kritisierten sie hingegen. Busra Taskiran beharrte darauf, dass ihr Verlobter Yunus Kilicaslan, der zum Zeitpunkt des Putschs ein Pilotenschüler war, fälschlicherweise beschuldigt worden sei. Er sei zu lebenslanger Haft verurteilt worden, obwohl er sich an dem Putschversuch nicht beteiligt habe und sich in dieser Nacht in seinem Zimmer eingeschlossen habe, sagte sie. Der Vater eines anderen Pilotenschülers, Alper Kalin, sagte, das Gericht habe Hinweise für die Unschuld mancher Pilotenschüler ignoriert.

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