UN-Klimakonferenz muss länger tagen

von Frank Jordans und Monika Scislowska, AP

14.12.2018

Eine Einigung auf das Kleingedruckte des Klimaabkommens von Paris rückt näher. Doch bevor es soweit ist, setzt das grosse Feilschen ein.

Die Weltklimakonferenz in Kattowitz wird um zwei Tage verlängert. Angesichts des Verhandlungsbedarfs über den Entwurf einer umfassenden Vereinbarung solle das Treffen bis Sonntag dauern, entschieden die Organisatoren am Freitag. Unterhändler von fast 200 teilnehmenden Staaten wollten im Lauf des Tages über den Entwurf beraten, um dann in einer Plenarsitzung verbleibende Differenzen zu erörtern.

Die zweiwöchige Konferenz sollte eigentlich am Freitag enden. Neben dem Regelbuch für das Pariser Klimaabkommen von 2015 stehen im Zentrum der Verhandlungen die finanzielle Unterstützung armer Länder zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung daran.

Stau in Brüssel: Die zweiwöchige Klimakonferenz im polnischen Kattowitz wird eventuell bis Samstag verlängert.
Francisco Seco/AP/dpa

Wissenschaftler fordern drastische Reduzierung

Wissenschaftler des Weltklimarates haben gefordert, die Emission von Treibhausgasen wie Kohlendioxid bis 2030 drastisch zu kürzen und bis 2050 auf beinahe Null zu reduzieren. Nur so sei es möglich, einen Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu verhindern.

Die USA, Russland, Saudi-Arabien und Kuwait haben sich gegen die Annahme des Weltklimaratsberichtes gestellt. Am Donnerstagabend präsentierte der Konferenzvorsitzende, Polens Vizeumweltminister Michal Kurtyka, einen Textentwurf, in dem der Klimaratsbericht nicht mehr ausdrücklich begrüsst wird.

Die deutsche Bundesumweltministern Svenja Schulze sagte, es gebe zwar noch Unzufriedenheiten, doch insgesamt sehe es gut aus. Die Vorsitzende der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Jennifer Morgan, warnte dagegen, Kompromisstexte könnten Menschenleben kosten.

Ein Streitpunkt bei den Verhandlung ist die Zählung von Treibhausgasemissionen. Während aufstrebende Länder wie Brasilien darauf bestehen, dies weiter nach dem vor 21 Jahren in Kyoto beschlossenen System zu bewerkstelligen, halten Industrieländer diese Zählweise für unbrauchbar. Sie fordern eine Reform.

Arme Staaten fordern bessere Unterstützung

Ein weiteres Problem ist die finanzielle Unterstützung für arme Länder, die auch vom Handel mit Verschmutzungsrechten finanziert werden könnte. Arme Staaten fordern jedoch nicht nur Unterstützung zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel. Sie verlangen auch einen Ausgleich für Schäden, die durch die globale Erwärmung bereits entstanden sind. Es geht auch darum, welche Botschaft über das künftige Engagement im Kampf gegen den Klimawandel gesendet wird.

Der frühere maledivische Präsident Mohamed Nasheed sagte, es sei dringend notwendig, die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad Celsius in diesem Jahrhundert steigen zu lassen. Wenn das nicht geschehe, werde die Existenz des Inselstaats Malediven im Indischen Ozean gefährdet sein.

US-Präsident Donald Trump hat einen Rückzug seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt, weil die USA «Billionen Dollar, Billionen Dollar» zahlten und nichts bekämen. Schulze warnte dagegen, falls der Klimawandel nicht gestoppt werde, sei mit weit höheren Kosten zu rechnen. Der Schutz des Klimas werde sich dagegen auch als wirtschaftlicher Vorteil erweisen.

US-Vertreter haben die Möglichkeit in Aussicht gestellt, dass ihr Land den Rückzug aus dem Pariser Abkommen rückgängig machen könnte, falls es vorteilhaftere Konditionen erhält. China stemmte sich dagegen: «Wir werden Verhandlungen zu Themen, zu denen wir bereits eine Einigung gefunden haben, nicht wieder eröffnen», sagte der chinesische Chefunterhändler Xie Zhenhua.

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