US-General vergleicht Chinas Raketentest mit Sputnik-Schock

Von Sven Hauberg

28.10.2021

Chinese military vehicles carrying DF-17 ballistic missiles roll during a parade to commemorate the 70th anniversary of the founding of Communist China in Beijing, Tuesday, Oct. 1, 2019. Trucks carrying weapons including a nuclear-armed missile designed to evade U.S. defenses rumbled through Beijing as the Communist Party celebrated its 70th anniversary in power with a parade Tuesday that showcased China's ambition as a rising global force. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
Chinesische DF-17-Raketen bei einer Militärparade 2019. (Archivbild)
Bild: Keystone

Im August soll China erstmals eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete getestet haben. Ein hochrangiger US-General zog nun einen brisanten Vergleich.

Von Sven Hauberg

28.10.2021

Am 4. Oktober 1957 schickte die Sowjetunion «Sputnik 1» in die Erdumlaufbahn, den ersten künstlichen Satelliten überhaupt. Die westliche Welt, die sich mit der Sowjetunion damals im Kalten Krieg befand, reagierte schockiert. Vor allem die USA waren bestürzt, zeigte der Satellitenstart doch, dass auch ein kommunistisches, undemokratisches Land dazu in der Lage war, Amerika und seine Verbündeten vorzuführen.

Im August 2021 hat China, ebenfalls ein undemokratisches, kommunistisches Land, weit mehr als nur einen Satelliten getestet: Medienberichten zufolge schickte Peking erstmals eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete in niedriger Umlaufbahn um den Globus.



«Ich weiss nicht, ob es sich um einen Sputnik-Moment handelt, aber ich denke, es kommt dem schon sehr nahe», sagte nun der hochrangige US-General Mark Milley dem US-Sender Bloomberg TV. «Es hat unsere ganze Aufmerksamkeit.» Mit seinen Aussagen bestätigte Milley erstmals, dass das Pentagon die Berichte über den Test für glaubwürdig hält. Zuvor hatte sich das US-Verteidigungsministerium nicht dazu äussern wollen.

«Wir arbeiten darauf hin, diese Fähigkeit zu entwickeln»

Die «Financial Times» hatte erstmals vor gut zehn Tagen über den chinesischen Test geschrieben. Demnach bestätigten fünf Insider den Raketenstart. «Was wir gesehen haben, war ein sehr bedeutendes Ereignis, der Test eines Hyperschallwaffensystems. Und es ist sehr besorgniserregend», so Milley weiter. Hyperschallwaffen sind besonders schwer abzufangen, da sie mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können.

Laut Bloomberg TV wollte sich das Pentagon nicht zur Stellungnahme des US-Generals äussern. Ein Sprecher sagte allerdings vor Journalisten, das US-amerikanische «Streben nach Hyperschallfähigkeiten ist real, es ist greifbar, und wir arbeiten absolut darauf hin, diese Fähigkeit zu entwickeln.» Wo die USA technologisch genau stünden, wollte der Sprecher allerdings nicht verraten.

Peking spricht von einer wiederverwendbaren Rakete

Peking wies den Bericht der «Financial Times» unterdessen zurück. Man habe keine Hyperschallwaffe getestet, sondern eine wiederverwendbare Rakete. Die USA sollten aufhören, «China als imaginären Feind zu betrachten», sagte der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Wang Wenbin, in der vergangenen Woche. 

Der US-Kongressabgeordnete Mike Gallagher bezeichnete den Bericht über den Raketenstart hingegen als «Aufruf zum Handeln». «Wenn wir an unserem derzeitigen untätigen Kurs festhalten», so der Republikaner Mitte Oktober in einer Stellungnahme, «werden wir den Neuen Kalten Krieg mit dem kommunistischen China innerhalb dieses Jahrzehnts verlieren.»



Die Spannungen zwischen China und den USA haben zuletzt einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Mittelpunkt des Konflikts steht neben der Handelspolitik der Status von Taiwan.

Während China den demokratisch regierten Inselstaat als abtrünnige Provinz betrachtet und immer wieder mit einer gewaltsamen Wiedervereinigung droht, haben die USA zuletzt ihre Unterstützung für Taiwan ungewöhnlich offen ausgedrückt. Sein Land, so US-Präsident Biden vor wenigen Tagen, sei entschlossen, Taiwan bei der Selbstverteidigung zu unterstützen.