Paketbomben in den USA Wer denunziert und lügt, darf sich nicht wundern, wenn die Post abgeht

Philipp Dahm

26.10.2018

Die Polizei hat einen Mann verhaftet, der Trump-Gegnern Paketbomben geschickt haben soll. Die von Donald Trump angeheizte Mediendiskussion befeuert nun Late-Night-Star Seth Meyer.

Ein Mann aus Florida ist im Zusammenhang mit den Paketbomben verhaftet worden, die an mehrere Trump-Kritiker geschickt worden sind, berichtet die «New York Post»: Bombenentschärfer und eine Hundestaffel hatten zuvor ein Postverteilzentrum in Opa-Locka durchsucht, weiss der «Miami Herald».

Der oder die Täter haben bisher mindestens zehn Pakete an acht Personen wie Ex-Präsident Barack Obama, Ex-Aussenministerin Hillary Clinton, Ex-Vizepräsident Joe Biden, Ex-Justizminister Eric Holder oder Schauspieler Robert De Niro geschickt. Die einen gepolsterten Umschläge wurden per Post, die anderen persönlich zugestellt. Die Adressen wurden nicht von Hand geschrieben, sondern ausgedruckt. Das FBI wurde eingeschaltet.

Donald Trump, der Mann links, sieht genau, was Medienmänner wie Seth Meyers machen. 
Donald Trump, der Mann links, sieht genau, was Medienmänner wie Seth Meyers machen. 
Screenshot YouTube

Der Vorfall vor dem Midterm-Wahlen in den USA wirft kein gutes Licht auf die politische Diskussionskultur. Wer daran schuld ist, steht für Donald Trump jetzt schon fest. «Die Medien tragen ebenfalls Verantwortung für einen zivilisierten Ton», sagte der US-Präsident am Mittwoch bei einer Wahlkampfverstaltung in Mosinee, Wisconsin.



Schuld sind immer die Medien (und der Iran)

Weiter fordert der Republikaner: «Die endlosen Feindseligkeiten und die konstanten, oft falschen Attacken und Storys müssen aufhören. Niemand sollte politische Gegner leichtfertig mit historischen Bösewichten vergleichen, was oft, was die ganze Zeit gemacht wird. Wir sollten Leute nicht öffentlich fertigmachen oder öffentliches Gut beschädigen.»

Mit Blick auf den Fall Khashoggi bleibt dieser Satz haften: «Keine Nation kann bestehen, die Gewalt oder auch nur deren Androhung als Methode der politischen Einschüchterung, Bindung oder Kontrolle toleriert.» Aber zurück zur explosiven Stimmung im Wahlkampf und in Briefverteilungszentren: Wer könnte besser darauf antworten als ein Held des Late-Night-TV?

Wer? Iiiiiich??? Ja, Sethy Meyers hat den besten Konter auf Donald Trumps Rundumschlag auf Lager.
Wer? Iiiiiich??? Ja, Sethy Meyers hat den besten Konter auf Donald Trumps Rundumschlag auf Lager.
Screenshot YouTube

Seth Meyers ist aufgefallen, dass der US-Präsident Kreide gefressen hat, seit die Sache mit den Paketbomben bekannt ist: Am 24. Oktober lobt er sich im Wahlkampf selbst dafür, wie anständig er mit den Demokraten umgehe. In der jüngsten Sendung rät der Moderator: «Wenn jemand beim ersten Date sagt, ‹Siehst du, wie lieb ich bin›, dann drück das Pfefferspray bis es leer ist!»

Meyers: «Wie ein Kannibale, der gelobt werden will»

Es geht um die Rücknahme von «Obamacare», die die Republikaner planen. Trump erklärt Tammy Baldwin deshalb kurzerhand zur «radikalen Linksaussen», weil die Demokratin «sozialistische Übernahme des Gesundheitssektors» plane. Trump schliesst mit: «Ich versuche, nett zu sein.»

Seth Meyers Kommentar: «Du bist wie ein Kannibale, der gelobt werden will, weil er den Leuten bloss das Gersicht ableckt: Ist es nicht toll, dass ich nicht zugebissen habe? Es überrascht mich, dass er sich am Ende der Rede nicht zu [Vize-Präsident] Mike Pence umdreht und sagt: ‹So, jetzt war ich nett, kann ich jetzt mein Glacé haben?›» 

Zwischen Minute 2.50 und 6.48 zeigt die Show, wie der Republikaner den Wählern weismachen will, seine Partei plane nun eine Steuererleichterung für den kleinen Mann, nachdem bisher bloss Konzerne und Reiche von niedrigeren Abgaben profitiert haben. Und zwar Anfang November – also noch vor den Wahlen.

Das Problem: Der Kongress, der dafür  seine Zustimmung geben muss, hat bis dann gar keine Sitzung mehr. Entsprechende Hinweise von Journalisten ignoriert Trump und behauptet ungeniert weiter, er werde den Mittelstand entlasten.

Trumps «Obamacare»-Amputation

Der Präsident biegt sich die Wahrheit zurecht, kritisiert Meyers. Das gelte auch für seine Reform von «Obamacare»: Die benachteiligt niemanden, der Vorerkrankungen hat, wenn man Donald Trump glaubt. Und das tun eben viele Menschen in den USA.

Trump mag gar nicht mehr hingucken «Late Night with Seth Meyers».
Trump mag gar nicht mehr hingucken «Late Night with Seth Meyers».
Screenshot YouTube

Doch wenn diese Wähler durch eklatante Lügen hinters Licht geführt werden, laufen einige Gefahr, sich zu radikalisieren, wenn sie hören, dass es genau andersherum sein soll. Tatsächlich sind Vorerkrankungen bisher gedeckt, erst die Reform könnte die Kostenübernahme zum Problem machen.

Wie gespalten das Land sei, zeige sich – last but not least – in Florida, wo der farbige Demokrat Andrew Gillum gegen den besonders weissen Ron Desantis antreten muss: Der Republikaner, der gern am rechten Rand fischt, hat Barack Obama einst einen «muslimischen Nigger» genannt. «Sogar Rassisten finden ihn rassistisch», ärgert sich Gillum.

«Die Demokraten laden Millionen Flüchtlinge ein»

Bereits am Vortag hatte Meyers beleuchtet, wie tief der Graben ist, den Trump in die Gesellschaft gegraben hat. Hier lohnt nochmal der Blick zu Trumps Reaktion auf den Zug von Migranten, die auf die US-Grenze zuwandern (ab Minute 4): IS-Mitglieder und «Nahöstler» hätten sich unter die Armen gemischt, um das Land zu infiltrieren, schürt Trump beim Wähler Ängste. 

Für einmal hat die Redaktion der Show für ihre Argumentation einen sehr passenden Clip übersehen: Hier macht der Präsident, unter dem übrigens mehr Menschen versuchen, illegal die Grenze zu überqueren, die Demokraten für den Treck verantwortlich. Er geht sogar so weit zu sagen: «Die Demokraten laden Millionen Flüchtlinge zu uns ein.»

Biden ruft zu Mässigung auf

Angesichts der jüngsten Ereignisse mahnte Ex-Vizepräsident Joe Biden zu mehr Sachlichkeit in der politischen Debatte und warnte vor einer zunehmenden Spaltung. «Ich hoffe und bete, dass all unsere Führungspersönlichkeiten daran arbeiten, unseren öffentlichen Dialog weniger hitzig zu führen», sagte er

Trumps Namen erwähnte Biden bei dem bei einem Vortrag an der State University von New York in Buffalo nicht, stellte sich aber inhaltlich gegen dessen Aussagen. «Meine Damen und Herren, die Presse ist nicht der Feind des Volkes», sagte Biden laut «NBC» unter Applaus. 

Zurück zur Startseite