Militärprozess

Patrouille-Suisse-Pilot kann sich Absturz «nicht erklären»

ga, sda

19.12.2022 - 19:07

Im Training für eine Flugshow in den Niederlanden kam es im Juni 2016 zu einer Kollision zwischen zwei Kampfjets der Patrouille Suisse. Der Pilot der abgestürzten Maschine muss sich seit Montag vor dem Militärgericht in Aarau verantworten. 
Im Training für eine Flugshow in den Niederlanden kam es im Juni 2016 zu einer Kollision zwischen zwei Kampfjets der Patrouille Suisse. Der Pilot der abgestürzten Maschine muss sich seit Montag vor dem Militärgericht in Aarau verantworten. 
Symbolbild: Keystone

Ein 37-jähriger Pilot der Schweizer Kunstflugstaffel Patrouille Suisse muss sich wegen des Absturzes seiner Maschine in Leeuwarden (NL) vor dem Militärgericht in Aarau verantworten. Der Unfall geschah 2016. Er könne sich den Vorfall noch immer nicht erklären, sagte der Pilot.

ga, sda

19.12.2022 - 19:07

Beim Trainingsflug in einer Vierer-Formation habe es sich um ein standardmässiges Manöver gehandelt – bis zur Kollision, sagte der Militärberufspilot am Montag zu Beginn der Verhandlung. «Wir wissen, dass wir einen gefährlichen Job haben.» Und er sagte mehrfach vor dem Militärgericht 2: «Ich kann es mir noch immer nicht erklären.»

Während eines Trainingsflugs für die «Netherland Air Force Open Days» waren am Nachmittag des 9. Juni 2016 zwei Kampfflugzeuge vom Typ «Northrop F-5 E Tiger II» der Patrouille Suisse in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Leeuwarden kollidiert.

Der Pilot, der seit 2015 Mitglied der Patrouille Suisse ist, verlor infolge der Kollision die Kontrolle über sein Flugzeug. Er betätigte den Schleudersitz. Beim Abschuss des Schleudersitzes und der nachfolgenden Landung in einem Treibhaus erlitt er leichte Verletzungen.

Neustes Mitglied bei der Flugkunst-Staffel

Der Ostschweizer flog zum Zeitpunkt des Unfalls erst die zweite Saison bei der Patrouille Suisse. Er war das neuste Mitglied der Gruppe – und er flog den Kampfjet Tiger erst seit zwei Jahren.

«Ich fühlte mich nicht unter Druck», sagte er. Es gehe im Team um das Vertrauen. «Man wächst zusammen», sagte er. Der Pilot arbeitet derzeit im Grad eines Hauptmanns zu 60 Prozent bei der Luftwaffe und zu 40 Prozent bei der Patrouille Suisse.

Der Auditor (Ankläger) wirft dem Piloten fahrlässigen Missbrauch und Verschleuderung von Material vor. Angeklagt ist der Mann auch wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs sowie wegen mehrfacher fahrlässiges Nichtbefolgung von Dienstvorschriften. Die Verhandlung vor den Militärgericht dauert mehrere Tage.

Kampfflugzeug schrottreif

Das F5-Tiger-Kampfflugzeug zerschellte in unmittelbarer Nähe des an einem Weiher gelegenen Treibhaus. Das Flugzeug wurde vollständig zerstört.

Bei der Kollision wurde das zweite Kampfflugzeug des gleichen Typs beschädigt. Es blieb jedoch manövrierfähig. Der Pilot konnte die Maschine sicher landen.

Der beim Absturz zerstöre Kampfjet wies gemäss Anklageschrift einen geschätzten Verkehrswert von 800'100 Franken auf. Der Schaden am zweiten Kampfjet belief sich auf 146'282 Franken und 80 Rappen.

Die Sicherung der Wracks und dessen Bergung, die Reparatur des Treibhauses sowie die Sanierung des Weihers verursachten Kosten von 1,25 Millionen Euro. Die Schweiz übernahm knapp 400'000 Franken dieser Ausgaben.

Es handelte sich um ersten schweren Unfall der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse in ihrem damaligen Bestehen seit 52 Jahren. Der Auftritt in Leeuwarden wurde als Konsequenz des Flugunfalls abgesagt.

Maschine aus den Augen verloren

Laut Auditor soll der Pilot der abgestürzten Maschine bei dem von ihm geflogenen Annäherungsmanöver seine Sorgfaltspflichten verletzt und auf diese Weise die Kollision verursacht zu haben.

Der Pilot verlor gemäss Untersuchungsbericht das zweite am Unfall beteiligte Flugzeug aus den Augen. Dieser habe es jedoch unterlassen, dies über Funk mit dem Wort «blind» zu melden.

Am ersten Verhandlungstag, an dem sich der Auditor und der Verteidiger mehrfach in die Haare gerieten, wurde auch das bereits bekannt: Keines der Fachgutachten kann offenbar genau sagen, weshalb es zur Kollision gekommen war. Seit dem Unfall vor mehr als sechs Jahren fliegt die Patrouille Suisse die Formation nicht mehr.

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