Als die Sprayer Zürich eroberten

tsch

24.4.2018

Mit der Kamera bewaffnet zogen Beamte des Kriminalkommissariat III ab 1976 aus, Zürcher Graffiti-Künstler zu verfolgen. Das Buch «Schmieren / Kleben» zeigt nun die bemerkenswertesten Aufnahmen der Bildersammlung.

Über Graffiti lässt sich bis heute nach Herzenslust streiten. Die einen nennen sie Kunst, die anderen Schmierereien. Die Beamten des Kriminalkommissariat III, der Staatsschutz-Abteilung der Zürcher Stadtpolizei, nannten sie Sachbeschädigung.

1976 begannen die Polizisten, in einer Kartei all die Sprüche, Parolen und Zeichnungen zu sammeln, die Sprayer auf Zürcher Mauern, Bänken oder gar Autos hinterlassen hatten. «Schmieren / Kleben» hiess jene Kartei - und so lautet nun der Titel des Buchs, in dem Autor Philipp Anz, Fotograf Jules Spinatsch und Grafikerin Viola Zimmermann 700 der Schwarz-Weiss-Fotografien veröffentlichen.

Nahm die Zahl der Graffitis überhand?

2000 Bilder umfasste die Kartei, die die Beamten binnen fünf Jahren zusammenstellten, ab 1981 wurden die Vergehen der Sprayer nur noch mit Karteikarten dokumentiert. «Es lässt sich nicht mehr genau zurückverfolgen, warum es zum Stopp kam», zitiert «20 Minuten» den Autor. «Mir wurde auch gesagt, dass es recht aufwendig gewesen wäre – damals gab es halt noch keine Handys.» Zudem wird vermutet, dass die Zahl der Graffiti schlicht überhand nahmen.

Was Anz bei der Auswahl der Bilder auffiel: Früher war die thematische Bandbreite der Graffitis grösser, die Parolen deutlich witziger. Auch darum habe die Sammlung aus der Edition Patrick Frey etwas Nostalgisches: «Sie zeigt, wie sich die Stadt in den letzten Jahren verändert hat, und lässt einen in Erinnerungen schwelgen.»

Bilder aus der Schweiz
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