Für viele Beizen geht es jetzt ums Überleben

toko

26.11.2021

Wer ab Montag im Restaurant oder der Beiz drinnen sitzen möchte, muss ein Coronazertifikat vorweisen. (Symbolbild)
Viele Gastrobetriebe bangen um ihre ohnehin schon geringeren Umsätze in der Adventszeit.
KEYSTONE/ENNIO LEANZA (Symbolbild)

Die Gastronomie hat unter der Corona-Pandemie wirtschaftlich ohnehin schwer zu leiden. Vor Weihnachten herrscht in der Branche jedoch erneut Alarmstimmung.

toko

26.11.2021

Die Schweizer Gastro-Branche wurde von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen, nicht nur wegen dem Beizen-Lockdown im vergangenen Winter.

Davon ist zu Beginn des zweiten Corona-Winters zwar keine Rede mehr. In der Branche jedoch herrscht erneut Alarmstimmung. Die wirtschaftliche Lage spitzt sich weiter zu.

Umsatzrückgang wegen Zertifikatspflicht

Viele Wirt*innen verweisen vor allem auf die Einführung der Zertifikatspflicht. Schon im Oktober führte GastroSuisse eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durch. Demnach haben die Betriebe nach der Einführung im Durchschnitt 27,6 Prozent weniger Umsatz erzielt.

Insgesamt haben 80 Prozent der Mitglieder wegen der Ausweitung der Zertifikatspflicht Umsatzeinbussen erlitten, so GastroSuisse.

So verwundert es kaum, dass der Branchenverband am Mittwoch den Verzicht des Bundesrates auf weitere Massnahmen begrüsste.

GastroSuisse fordert Rückkehr zu Gratis-Tests

Die finanzielle Lage der Betriebe sei jedoch weiterhin angespannt, heisst es vom Verband. Auch deshalb fordert GastroSuisse vom Bund neben weiteren Hilfszahlungen vehement, die Kosten der Covid-19-Tests wieder zu übernehmen.

Bei manchen Betrieben liegen die Nerven ohnehin blank. Es ist die Rede von zermürbenden Diskussionen mit Gästen, das Konfliktpotenzial steige. 

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DER BUNDESRAT DIE RESTAURANTS BIS ENDE FEBRUAR SCHWEIZWEIT SCHLIESSEN WILL, AM MITTWOCH, 6. JANUAR 2020 - Das Cafe Mill`Feuille am Muehlenplatz in der Stadt Luzern wird vom Personal zusammengeraeumt, nachdem die Corona Massnahmen des Bundes die Schliessung aller Restaurants und Cafes fordert, waehrend der Corona-Pandemie am Dienstag, 22. Dezember 2020 in der Luzerner Altstadt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Nach der Schliessung der Beizen im vergangenen Winter und der Einführung der Zertifikatspfllicht stehen viele Betriebe finanziell unter Druck — die Reserven sind aufgebraucht.
KEYSTONE/Urs Flueeler (Archivbild)

Absagewelle bei Weihnachtsessen 

Dass bei den Betrieben nun erneut grosse Sorge herrscht, hat aktuell wenig mit Schutzmassnahmen, aber viel mit dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen zu tun. Die schrecken potentielle Gäste ab, zudem hagelt es Stornierungen im Vorfeld der umsatzstarken Weihnachtszeit. So berichtet etwa der Zürcher Gastronom Michel Péclard von einem Einbruch der Reservierungen nach Verkündung der Infektionszahlen von Mittwoch. 

«Als die Corona-Zahlen bekannt waren, war nach einer Stunde gut die Hälfte unserer Weihnachtsessen storniert», sagte Péclard dem «Tages-Anzeiger» (kostenpflichtiger Inhalt). Der Branchenkenner und Unternehmensberater Peter Herzog wird mit den Worten zitiert: «Nach dem letzten Winter ist das ein Déjà-vu, allerdings mit dem Unterschied, dass viele Betriebe ihre Reserven nun endgültig aufgebraucht haben.»

Auch bei GastroSuisse heisst es: «Immer mehr Weihnachtsessen werden abgesagt, die Stornierungswelle nimmt weiter zu.»

Mit dabei sind auch grosse Schweizer Firmen: So habe der Pharma-Riese Roche laut SRF seine Mitarbeiter*innen darüber informiert, dass sämtliche Mitarbeiteranlässe nur noch virtuell durchgeführt werden dürfen.

Diese Vorsichtsmassnahmen bekämen die Wirt*innen nun zu spüren, sagt Maurus Ebneter, Präsident des städtischen Wirteverbandes aus Basel.

Mit Material von sda.