Mehrheit will strengere Regeln für Konzerne und Rüstungsbetriebe

Tobias Bühlmann

13.11.2020 - 06:45

Demonstration gegen die Rohstoffhandelsfirma Glencore vor dem Glencore-Hauptsitz in Baar im Jahr 2018: Wessen Gesetze sollen gelten, wenn Schweizer Firmen im Ausland Schweizer Sozial- und Umweltstandards verletzen? Diese Frage steht im Zentrum der Konzernverantwortungsinitiative. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Die Leserinnen und Leser von «blue News» sind mehrheitlich für die Konzernverantwortungsinitiative. Auch einem Verbot der Finanzierung von Waffenherstellern stimmt knapp mehr als die Hälfte zu.

Ende Monat stehen in der Schweiz zwei grosse Abstimmungen an: Dann entscheiden die Schweizerinnen und Schweizer über die Konzernverantwortungsinitiative und das Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten ab. Beide Vorlagen brächten im Falle ihrer Annahmen grosse Änderungen für die betroffenen Firmen. Gemeinsam mit der Universität Zürich hat «blue News» darum bei den Leserinnen und Lesern nachgefragt, wie sie dazu stehen.

Unter den Teilnehmenden stiessen beide Vorlagen eher auf Zustimmung – die Resultate sind aufgrund der Umfragemethode zwar nicht repräsentativ, doch lassen sie erkennen, wer die Initiative annehmen will und wer sie klar ablehnt. Genaue Angaben zur Methodik finden sich in der Infobox.

Nur 0,8 Prozent sind bei der KoVI unentschieden

Nach der Stimmabsicht gefragt, wollen bei der Konzernverantwortungsinitiative (KoVI) 49,6 Prozent der Teilnehmenden bestimmt und weitere 7,9 Prozent eher Ja sagen. Bestimmt dagegen sind mit 33,6 Prozent lediglich ein guter Drittel, weitere 8,1 Prozent sagen eher Nein. Was auffällt: Nur gerade 0,8 Prozent wissen noch nicht, wie sie stimmen würden.

Die Stimmabsichten der Teilnehmenden zur Konzernverantwortungsinitiative: Dunkelrot bedeutet klar Nein, hellrot eher Nein, grau unentschieden, hellgrün eher Ja und dunkelgrün klar Ja.
Grafik: UZH

Ein weniger klares Bild zeigt sich bei der Initiative zum Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten: Dieser Vorlage stimmen 52,3 Prozent bestimmt oder eher zu, 46,2 Prozent lehnen sie bestimmt oder eher ab. Aber auch hier geben nur gerade 1,8 Prozent der Teilnehmenden an, keine Meinung zu haben. Beide Vorlagen stossen im linken Lager auf grosse Zustimmung und im rechten Lager auf ähnlich grosse Ablehnung.

Die Stimmabsichten der Teilnehmenden zum Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten: Dunkelrot bedeutet klar Nein, hellrot eher Nein, grau unentschieden, hellgrün eher Ja und dunkelgrün klar Ja.
Grafik: UZH

Bei der KoVI haben wir auch nach den Arbeitgebern gefragt. Hier zeigt sich, dass nur Leute, die in Grossunternehmen arbeiten, mehrheitlich gegen die Initiative stimmen wollen. Bei Angestellten von KMU und gemischtwirtschaftlichen Unternehmen ist die Haltung nahezu ausgeglichen, und wer bei der öffentlichen Hand oder gemeinnützigen Unternehmen arbeitet, steht der Idee offen gegenüber.

Wer im Militär war, ist eher rüstungsfreundlich

Umfragemethode

Die Umfrage wurde zwischen dem 26. Oktober und dem 1. November 2020 auf bluewin.ch durchgeführt. Insgesamt nahmen 3'685 Personen teil. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung, wurden aber mit politischen und soziodemografischen Variablen gewichtet. Die Analysen wurden von Prof. Oliver Strijbis und Maxime Walder vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich durchgeführt.

Neben dem Sektor haben wir auch nach der Militärerfahrung der Teilnehmenden gefragt. Zieht man diesen Faktor beim Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten heran, zeigt sich: Wer in der Armee weitergemacht hat, lehnt die Initiative mit grosser Wahrscheinlichkeit ab – mit 68,3 Prozent sagten mehr als zwei Drittel der Befragten klar oder eher Nein. Auch wer es nicht über den Rang eines Soldaten hinausgeschafft hat, lehnt die Vorlage tendenziell ab, wenn auch weniger klar. Grossen Rückhalt hat die Vorlage aber bei jenen, die keinen Militärdienst geleistet haben. Von ihnen wollen mit 66,1 Prozent beinahe zwei Drittel Ja stimmen.

Die Erfahrung mit solchen Vorlagen zeigt, dass selbst ein klarer Vorsprung in Umfragen nicht unbedingt zu einem Ja an der Urne führt. Gut möglich also, dass das Volk trotz klar feststellbarer Sympathien für beide Initiativen letztlich mehrheitlich mit Nein stimmt.

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