Neuer Bericht

So beurteilt die Covid-Taskforce die aktuelle Lage in der Schweiz

SDA/gbi

24.11.2020 - 16:47

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes geht von einer Halbierung der positiven Coronatests alle zwei Wochen aus. Vorausgesetzt, die Reproduktionsrate kann weiter auf niedrigem Niveau gehalten werden. (Symbolbild)
KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes hat am Dienstag eine neue Beurteilung der aktuellen Lage veröffentlicht. Im Folgenden ein Überblick mit den wichtigsten Aussagen.

Die Analyse der Fallzahlen auf nationaler Ebene zeige einen Rückgang der Infektionen, schreibt die Taskforce. «Die Schätzung der Reproduktionszahl R für die gesamte Schweiz liegt derzeit unter 0,8.» Das bedeutet: Eine infizierte Person steckt im Schnitt weniger als eine weitere Person an.

Könne die Reproduktionsrate auf diesem Wert gehalten werden, halbiere sich die Zahl der Neuinfektionen alle zwei Wochen. «Bis Anfang 2021 würde die Zahl der täglich positiven Corona-Tests unter 500 fallen.»

Regionale Unterschiede

Eine Analyse der Reproduktionsrate auf kantonaler Ebene zeige, dass der R-Wert in der Westschweiz und in Kantonen mit strengeren Corona-Massnahmen am tiefsten sei, so die Taskforce. «In den anderen Gebieten der Schweiz liegt die Reproduktionsrate derzeit vielerorts über 0,8, und einige Regionen weisen derzeit eine Reproduktionsrate von mehr als 1 auf, was ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen bedeutet. Dies weist darauf hin, dass die Situation weiterhin fragil ist.»

Die Spitaleinweisungen und die Belegung der Intensivstationen hätten sich stabilisiert. Die Gesamtzahl der Spitaleinweisungen und Patienten auf den Intensivstationen war in der ersten Corona-Welle höher: «Das hängt unter anderem mit der zunehmenden Erfahrung bei der medizinischen Behandlung zusammen.»



Der rasche Anstieg der Fallzahlen im Oktober könnte durch Wetterwechsel begünstigt worden sein, so die Taskforce. «Tiefe Temperaturen – und damit mehr Zeit in Innenräumen mit höheren Übertragungsraten – bergen das Risiko eines künftigen Anstiegs der Fallzahlen in der Schweiz.»

Übersterblichkeit, Medikamente, Langzeitfolgen

Derzeit zeige sich «eine signifikante Übersterblichkeit». In den Kalenderwochen 43, 44 und 45 (Ende 8. November) meldete das Bundesamt für Statistik (BFS) im Durchschnitt 1138 Todesfälle. Während dieser Zeit wurden 912 bestätigte Covid-19-Todesfälle vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeldet.» Die Mehrzahl dieser Todesfälle ereignete sich in Regionen mit hoher Corona-Inzidenz, wie der Genfersee-Region,  dem Mittelland und der Ostschweiz.

«Eine antivirale Behandlung hat bisher keine Verringerung der Mortalität gezeigt. Das Medikament Remdesivir hat in grossen Studien keinen Nutzen für die Gesamtmortalität gezeigt. Dagegen zeigt das Medikament Dexamethason in Studien einen Überlebensvorteil an.»

Viele Patienten litten nach einer Corona-Erkrankung an Langzeitfolgen, hält die Taskforce weiter fest. «Deshalb ist es wichtig, ausreichende Rehabilitationskapazitäten sicherzustellen.»

Bund soll Kantone beim Contact Tracing unterstützen

Die Taskforce empfiehlt dem Bund, die kantonalen Kontaktverfolgungszentren finanziell und gegebenenfalls personell zu unterstützen. Die TTIQ-Strategie – also Tracing, Testen, Isolation und Quarantäne – sei bezüglich wirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Analyse eine der effektivsten Investitionen zur Eindämmung der Ausbreitung der Pandemie. «Die Erhöhung der öffentlichen Mittel für TTIQ ist daher nicht nur eine gute Massnahme für die öffentliche Gesundheit, sondern auch eine solide wirtschaftspolitische Massnahme.»

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