Medienecho zur Bundesratswahl

«Triumph der ländlichen Schweiz» – «Regierung ist aus dem Gleichgewicht»

Red./SDA

7.12.2022

Zürich fällt aus Bundesrat: «Andere Kantone hatten auch ganz lange keinen»

Zürich fällt aus Bundesrat: «Andere Kantone hatten auch ganz lange keinen»

Seit dem 7. Dezember 2022 steht fest, dass im neuen Bundesrat keine Zürcherin und kein Zürcher vertreten sein wird. Was sagen die Leute in der Limmatstadt dazu? Die Umfrage zeigt, dass vor Ort die Reaktion gelassen ausfällt.

07.12.2022

«Sensation», «Armutszeugnis», «kein guter Tag»: Dass die grossen Städte künftig keinen Vertreter mehr im Bundesrat haben und die Deutschschweiz nur noch schwach vertreten ist, beschäftigt die Schweizer Medien.

Red./SDA

7.12.2022

«Tages-Anzeiger»

«Die Landesregierung ist aus dem Gleichgewicht. Im neu gewählten Bundesrat mit Elisabeth Baume-Schneider und Albert Rösti ist die urbane Deutschschweiz nicht mehr vertreten. Das Parlament muss diesen Zustand 2023 korrigieren. ... Sowohl Rösti als auch Baume-Schneider sind qualifizierte Persönlichkeiten. Trotzdem war dieser Mittwoch kein guter Tag für die Schweiz. Im neuen Bundesrat werden nun drei Romands und ein Tessiner sitzen; Albert Rösti und Viola Amherd wiederum vertreten die zweisprachigen Kantone Bern und Wallis. Verbleibt als einsame St. Gallerin die Freisinnige Karin Keller-Sutter. Nie in der Geschichte war die Deutschschweiz, in der 70 Prozent der Bevölkerung leben, derart untervertreten im Bundesrat wie jetzt nach dieser Wahl. ... Die grossen Städte wie Zürich und Basel hingegen, die eigentlichen Fortschrittsmotoren des Landes: Sie sind im Bundesrat überhaupt nicht mehr vertreten. ... Die Wahl von Baume-Schneider und Rösti ändert die Ausgangslage. Berset, seit elf Jahren Innenminister, und der 63-jährige Wirtschaftsminister Parmelin sollten in ihren Departementen verbleiben – und bei der Gesamterneuerungswahl 2023 zurücktreten.»

«Watson»

«Diese Bundesratswahlen sind ein Armutszeugnis für die Schweiz. Das Parlament hatte die Chance, ein ausgewogenes Duo in den Bundesrat zu wählen. Nun sind Städte und finanzstarke Kantone nicht mehr vertreten. Das hat die Schweiz nicht verdient. Lange gingen die Emotionen nach einer Bundesratswahl nicht mehr so hoch her wie heute. Während vor allem die Bauern strahlten, waren die Vertreter urbaner und finanzstarker Kantone frustriert bis stocksauer. Das betraf Basler und Zürcher gleichermassen. Sie hatten auch allen Grund dazu. Dabei ging es weniger um die Wahl von Albert Rösti zum Nachfolger von Ueli Maurer. Sie war absehbar ... Beim SP-Sitz aber hat die Bundesversammlung einen Totalschaden produziert. Nichts gegen die neue Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider als Person. Vielleicht wird sie eine tüchtige Landesmutter (mit Betonung auf vielleicht). ... Der Bundesrat hat neu nicht nur eine Mehrheit aus Westschweizern und Tessinern, er ist geografisch extrem einseitig zusammengesetzt. Die Deutschschweiz östlich von Bern ist nur noch durch Karin Keller-Sutter vertreten.»

«Basler Zeitung»

«Die Wahl von Elisabeth Baume-Schneider zur Bundesrätin ist ein Triumph der ländlichen Schweiz über die Städte. ... Der Tag der Bundesratswahlen ist ein Freudentag für den Kanton Jura und ein trauriger Tag für Basel. Die Niederlage der Baslerin Eva Herzog ist auch eine Niederlage der urbanen Schweiz. Schon der Triumph des Kanderstegers Albert Rösti über den Stadtzürcher Hans-Ueli Vogt im ersten Wahlgang war an diesem Mittwochmorgen ein schlechtes Omen für die Städte. Elisabeth Baume-Schneiders fröhliches Gemüt vermochte die Mitglieder der Vereinigten Bundesversammlung stärker zu vereinnahmen als die nüchterne, besonnene Art der Basler Standesvertreterin. Schade.»

«Neue Zürcher Zeitung»

«Die Aussenseiterkandidatin aus dem Jura hat alle überrascht. Nun muss Elisabeth Baume-Schneider zeigen, dass sie mehr ist als nur nett und bodenständig. ... Als sie ihr Interesse am Amt anmeldete, galt sie ausserhalb der Westschweiz nur wenigen als valable Wahl. Doch einige Wochen genügten, um aus einer nahezu unbekannten Jurassierin eine Bundesrätin zu machen. Als ehemalige Regierungsrätin und amtierende Ständerätin erfüllt Elisabeth Baume-Schneider zwar das Anforderungsprofil, ihren Siegeszug durch die Fraktionen der nationalen Parteien hat sie aber vor allem ihrem gewinnenden Wesen zu verdanken. Wo Eva Herzog ernst bis sehr ernst in die Kamera schaute, lachte die Jurassierin. Wo Herzog jedes Wort in Watte packt, bevor sie es auf die Goldwaage legte, plauderte Baume-Schneider munter darauf los. ... Dass am Mittwoch die Aussenseiterin Baume-Schneider gewählt worden ist, hat mehrere Gründe: Einige Genossen wollten den natürlichen Berset-Nachfolger, Pierre-Yves Maillard, als nächsten SP-Bundesrat verhindern. Einigen Bürgerlichen war Herzog zu stark und zu europafreundlich. Andere hofften, dass eine zugängliche Kandidatin auch eine beeinflussbare Bundesrätin ist. Doch es ist nicht das erste Mal, dass in einer Bundesratswahl die Gmögigere gewählt wurde.»

Die neu gewählten Elisabeth Baume-Schneider und Albert Rösti freuen sich über ihren Einzug in den Bundesrat. 
Die neu gewählten Elisabeth Baume-Schneider und Albert Rösti freuen sich über ihren Einzug in den Bundesrat. 
Bild: Keystone

«Nebelspalter»

«Diese Wahl ist eine Sensation. Es ist ein Sieg des Charismas einer Frau, die noch vor wenigen Wochen kaum jemandem in der Deutschschweiz bekannt gewesen war, die dann die Herzen der Bürgerlichen im Sturm eroberte, insbesondere der Bauern, die im Bauch spürten, einmal Bauerntochter, immer Bauerntochter, selbst Marxistinnen bleiben der Gülle treu. Es waren aber wohl nicht nur die Bürgerlichen. Es war eine Charisma-Wahl. ... Wer noch Zweifel hatte, warum Elisabeth Baume-Schneider diese Wahl gegen Eva Herzog gewonnen hat, wusste das spätestens dann, als die Jurassierin ans Rednerpult trat, um ihre Wahl anzunehmen. Aufgeregt, etwas verhühnert wie eine lustige, aber interessante Landwirtschaftslehrerin, immer sympathisch, frisch: Baume-Schneider kam, sah, lachte herzlich. Es schien, als wäre im Nationalratssaal die Sonne aufgegangen.»

«Cash online»

«Die wirtschaftlich aufstrebendste Region der Schweiz ist auch 50 Jahre nach dem letzten Bundesrat nicht in der Landesregierung vertreten. Das zeugt von wenig Weitsicht. (...) Die pointiert links politisierende Elisabeth Baume-Schneider aus dem Kanton Jura wurde der politisch pragmatischen Baslerin vorgezogen. Dies notabene von einer bürgerlichen und deutschsprachigen Mehrheit der Bundesversammlung, welche der lateinischen Schweiz nun ein Übergewicht in der Landesregierung ermöglicht. Zusammen mit der Zuwahl von Albert Rösti als Ersatz von Ueli Maurer muss man aber auch festhalten: Die Bundesratsersatzwahl ist ein Sieg der ländlich-landwirtschaftlichen Schweiz über die wirtschaftlich prosperierendste Region des Landes der letzten 20 Jahre.»