Vergiftetes gesellschaftliches Klima bereitet Salathé Sorgen

sda/tgab

31.7.2021 - 02:38

Mehr Sorgen als die gesundheitlichen Auswirkungen des Coronavirus bereiten dem Epidemiologen Marcel Salathé die gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie.

sda/tgab

31.7.2021 - 02:38

Die Leute trauten sich kaum mehr, über die Impfung gegen Coronaviren zu diskutieren und Gespräche auszuhalten, bei denen nicht beide gleicher Meinung seien, sagte Salathé in einem Interview mit den Zeitungen der Tamedia-Gruppe (Samstagausgabe).

Freundschaften gingen in die Brüche, Familien stritten sich und politisch werde das Klima zunehmend giftiger. Diese Entwicklung halte er für extrem gefährlich, da solche Tendenzen nicht einfach wieder verschwinden würden. In den USA habe er erlebt, was es heisse, wenn sich eine Gesellschaft polarisiere.



Derzeit scheine es viel schwieriger, nach einer Diskussion einfach tief durchzuatmen und sich wieder zu vertragen. Das liege wohl auch daran, dass viele Gespräche virtuell stattfänden. Von Angesicht zu Angesicht lösten sich solche Konflikte viel eher in Wohlgefallen auf.

Couchepin appelliert an den Gemeinsinn

Der ehemalige FDP-Bundesrat Pascal Couchepin appelliert seinerseits in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» zum 1. August daran, dass die Schweiz sich auf ihre Stärken besinnen und die Gemeinsamkeit wieder ins Zentrum rücken sollte.



Es gelte, kontradiktorische Meinungen äussern zu können, ohne den anderen als Verräter oder weniger guten Patrioten zu verleumden. Nach dem Zeiten Weltkrieg hätten die Schweizerinnen und Schweizer kontroverse Debatten geführt, ohne sich als Feinde zu betrachten.

Den Grund für diesen Wandel sieht Couchepin darin, dass die Probleme in der heutigen Welt komplexer geworden sind. Es sei schwieriger Zusammenhänge zu verstehen. In solchen Situationen neige man dazu, die eigene Meinung als Wahrheit zu betrachten.

sda/tgab