Im alten Nazi-Bunker wurde scharf geschossen

uri

28.9.2018 - 10:17

Ein Loch im Erdreich auf einer unscheinbaren Industriebrache im Ruhrgebiet führt in ein komplexes Bunkersystem mit einer bewegten Geschichte: Im Dritten Reich sollten die unterirdischen Gänge ursrünglich als Spital genutzt werden, im Kalten Krieg feuerte Krupp hier auf Panzerstahl.

Tief unter einer Schlackenhalde eingegraben liegt das Bunkersystem aus dem Dritten Reich versteckt. Durch ein Loch im Boden steigen die beiden britischen Abenteurer Warren Tepper und sein Freund David in die rätselhafte Anlage und erleben dort eine riesige Überraschung. Nachdem sie durch überflutete Gänge gewatet und teils evrschüttete Tunnel gekrabbelt sind, entdecken sie Zentimeter dicke Stahlplatten, die durch schweren Beschuss durchlöchert wurden.

Die «Urban Explorers» sind dabei allerdings nicht, wie sie in ihrem YouTube-Video vermuten, in eine geheime Waffentestanlage der Nationalsozialisten geraten, die erst in blutigem Kampf erst durch die Alliierten erobert werden musste. Die Geschichte dieses vergessenen Ortes ist deshalb allerdings nicht weniger faszinierend.

Ursprünglich als Spitalbunker geplant

Insgesamt aus drei Teilen besteht die bei den sogenannten «Urbexern» bekannte Anlage im Untergrund Duisburgs. Ein Bereich ist verschüttet, der zweite steht grossteils unter Wasser. Nur der dritte ist komplett trockenen Fusses zu betreten.

Gemeinhin wird angenommen, dass das umfangreiche Bunkersystem ursprünglich als bombensicherer Schutzraum während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg für Patienten aus den Spitälern der Stadt dienen sollte. Allerdings wurde der Bau aufgrund des sich für Deutschland rapide verschlechternden Kriegsverlaufs niemals fertig gestellt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass etliche Einwohner während Bombardements hier trotzdem Unterschlupf fanden.

Nach dem Krieg machten Teile der Bunkeranlage noch einmal eine erstaunliche Karriere: Die Schächte wurden modernisiert und vom Stahlgiganten Krupp ab den 1960er jahren als Beschussanlage genutzt, um die Wiederstandsfähigkeit von Panzerstahl zu testen.

Deutliche Spuren von Beschuss auf den Stahlplatten

Noch heute zeugen grosse Löcher in Stahlplatten, die am Ende einer langen Halle verschraubt sind, dass es im Untergrund mit grösseren und kleineren Kalibern ordentlich zur Sache ging. Und nicht nur das Testmaterial, auch die Verkleidung an den Wänden, zeigt deutliche Spuren durch Querschläger.

Direkt hinter der Abschusskammer markiert ein Schild an einer Tür den Zugang zum früheren Munitionsdepot. Nicht klar ist allerdings, welche Munitionsmaterial hier Verwendung fand. Die Tafel vermerkt lediglich, dass nicht mehr als 1360 Kilogramm Munition gelagert werden dürfen.

Heute ist es aufgrund der Einsturzgefahr der Anlage nicht gestattet, sich in die unterirdischen Tunnel aufzumachen. «Urbexer», die trotzdem hinunter steigen, handeln illegal. Die auch «Schleicher» genannten Abenteurer verraten den Zugang zu den verlassenen Orten für gewöhnlich nicht. Das nicht zuletzt, um sie vor Vandalismus zu schützen. 

Die geheimen Atombunker der US-Regierung
Bilder des Tages
Zurück zur Startseite