34 Milliarden für die Cloud 34 Milliarden Dollar: Warum IBM sich mit Red Hat in die Cloud einkauft

SDA

29.10.2018 - 12:11

IBM-Chefin Ginni Rometty gibt dem Unternehmen mit der Übernahme eine neue Richtung.
IBM-Chefin Ginni Rometty gibt dem Unternehmen mit der Übernahme eine neue Richtung.
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Mit dem Kauf von Red Hat könnte IBM auf einen Schlag wichtiger im Cloud-Geschäft werden. Es ist die bis anhin grösste Übernahme des Computer-Urgesteins.

IBM lässt sich den Kauf des Linux-Spezialisten Red Hat insgesamt 34 Milliarden Dollar kosten, wie die Unternehmen am Sonntag mitteilten.

Software von Red Hat kommt unter anderem für den Betrieb von Cloud-Anwendungen zum Einsatz. Aber auch das US-Militär, Geheimdienste, Banken und Börsen zählen zu seinen Kunden, wie derstandard.at berichtet.

IBM-Chefin Ginni Rometty will den IT-Dino zukunftssicher machen, indem sie wenig profitable alte Geschäftsbereiche schrumpft und dafür stärker auf Künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste setzt. Der Umbau liess den Umsatz sechs Jahre lange sinken.

Romettys Sanierungskurs schien Früchte zu tragen, weil IBM drei Quartale in Folge mit Wachstum schaffte. Doch zuletzt gab es wieder ein Vierteljahr mit sinkenden Erlösen, das setzte auch die Aktie unter Druck.

Warum der Kauf von Red Hat?

Mit dem Kauf von Red Hat könnte IBM auf einen Schlag wichtiger im Cloud-Geschäft werden. Wie «TechCrunch» analysiert, ist der Kauf für IBM ein Schritt «zurück zu den Wurzeln», der das Unternehmen retten könnte.

Denn der Vorstoss von IBM, mit dem Computer «Watson» die künstliche Intelligenz zu kommerzialisieren, sei nicht gelungen. 

Der Supercomputer «Watson» brachte IBM nicht den gewünschten finanziellen Erfolg.
Der Supercomputer «Watson» brachte IBM nicht den gewünschten finanziellen Erfolg.
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Die Übernahme habe das Potenzial, die Landschaft im Cloud-Geschäft zu verändern, versicherte Rometty. «IBM wird der weltweite Hybrid-Cloud-Anbieter Nummer eins.» Bei Cloud-Angeboten kommen Software und Dienste direkt aus dem Internet, statt dass sie auf dem Computer jedes Nutzers einzeln installiert werden müssen.

Das Betriebssystem Linux, mit dem zum Beispiel viele Server in Rechenzentren laufen, ist eine sogenannte quelloffene Software. Das heisst, ihr Programmiercode ist öffentlich und kann von allen eingesetzt werden. Auf dieser Basis können Softwareanbieter aber Instrumente zur besseren Nutzung von Linux entwickeln - Red Hat wurde nach der Gründung vor rund 25 Jahren zu einem führenden Spezialisten in diesem Geschäft.

IBM übernimmt sämtliche Mitarbeiter

Alle rund 12'600 Mitarbeiter von Red Hat sollen übernommen werden, sagte Rometty dem «Wall Stree Journal». Im Cloud-Markt gehören unter anderem Microsoft, Google und Amazon zu den Konkurrenten. Microsoft kaufte jüngst die von vielen Linux-Programmierern genutzte Entwicklerplattform GitHub.

Mit 190 Dollar je Aktie bietet IBM einen satten Aufschlag von gut 60 Prozent auf den Schlusskurs von Red Hat von Freitag. Der Preis von 34 Milliarden Dollar schliesst auch Schulden von Red Hat ein, IBM will dafür neben seinen Geldreserven auch auf Kredite zurückgreifen. Mit dem Abschluss des Deals rechnen die Unternehmen im zweiten Halbjahr 2019.

IBM baut mit Grossübernahme sein Cloud-Geschäft aus. (Archivbild)
IBM baut mit Grossübernahme sein Cloud-Geschäft aus. (Archivbild)
Source: Keystone
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