Chefinnen sind immer noch die Ausnahme

tafi

29.12.2020

Magdalena Martullo-Blocher, Vizepraesidentin und Delegierte des Verwaltungsrates, bei ihren Ausfuehrungen, aufgenommen am Freitag, 10. Juli 2020, bei der Halbjahres Bilanz Medienkonferenz fuer Januar 2020 bis Juni 2020 der EMS-Chemie Holding AG im Buendnerischen Domat-Ems. Die EMS-Gruppe erzielte im 1. Halbjahr 2020 einen Nettoumsatz von 849 Millionen Franken und ein Betriebsergebnis von 229 Millionen Franken. Die Nettoliquiditaet stieg von 696 Millionen Franken auf 864 Millionen Franken. (KEYSTONE/Eddy Risch)
Magdalena Martullo-Blocher führt die Ems-Chemie. In ihrer Position ist sie eine Ausnahme. 
Bild: Keystone

In den Chefetagen der grossen Schweizer Unternehmen haben zu selten Frauen das Sagen. Das soll sich ab 2021 von Gesetzes wegen ändern. Doch einige Branchen tun sich sehr schwer.

Frauen sind in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen der grössten börsenkotierten Unternehmen klar in der Minderheit. Doch die Schweiz will auf diesem Feld Fortschritte machen. Ab 1. Januar 2021 gelten für die grossen Unternehmen Geschlechterrichtwerte: In den Verwaltungsräten sollen Frauen zu mindestens 30 Prozent vertreten sein, in den Geschäftsleitungen zu mindestens 20 Prozent.

Stand jetzt seien allenfalls Dienstleistungsunternehmen, etwa Banken und Versicherungen, auf einem guten Weg, den Frauenanteil in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung zu erreichen. Die meisten Branchen hinken deutlich hinterher, vor allem die Industrie, wie SRF berichtet.

Nur sieben Prozent der Chefposten seien hier mit Frauen besetzt. Ein Grund: Es gibt «zu wenig Berufsbilder, die Frauen entgegenkommen. Wir haben auch zu wenig sogenannte Mint-Berufe», erklärt Personalberater Guido Schilling bei SRF. Zu den Mint-Berufen zählen Berufe, die eine Ausbildung oder ein Studium in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technologie erfordern.



Schilling, der seit 15 Jahren die Frauenanteile der grössten börsenkotierten Unternehmen auswertet, beobachtet auch im Detailhandel eine eklatante Unterrepräsentanz von Frauen in der Geschäftsleitung. Zwar bestehe die Belegschaft zur Hälfte aus weiblichen Mitarbeitenden, Chefinnen gibt es aber nur wenige: «Es gelingt einfach nicht, Arbeitsbedingungen zu entwickeln, welche den Frauen im Topmanagement entgegenkommen.»

Ziele könnten in wenigen Jahren erreicht werden

Schilling ist dennoch optimistisch, dass die meisten Unternehmen bereits in zwei Jahren die neuen gesetzlichen Vorgaben in den Verwaltungsräten erfüllen. Längerfristig werde auch das Ziel erreicht, dass in den Geschäftsleitungen 20 Prozent Chefinnen das Sagen haben.

Geht es nach Margit Osterloh, emeritierter Professorin für Betriebswirtschaft der Universität Zürich, sind die Geschlechterrichtwerte nur ein Zwischenschritt zu einer echten Gleichberechtigung: «Auf lange Sicht gesehen wünsche ich mir eine 50:50-Beteiligung, dass Frauen auch in wichtigen und führenden Positionen in gleicher Weise beteiligt sind, wie es ihrem Ausbildungsstand entspricht.»

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