USA machen Iran für mutmassliche Angriffe auf Öltanker verantwortlich

SDA

13.6.2019 - 20:58

Schwere Zwischenfälle mit Tankern am Golf von Oman haben die Spannungen in der Region angeheizt. Für die USA ist schon kurz danach klar, wer für die mutmasslichen Angriffe verantwortlich ist.

Im Golf von Oman haben schwere Zwischenfälle die ohnehin gefährliche Lage weiter angeheizt. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker «Front Altair». Das norwegische Unternehmen Frontline meldete eine Explosion und einen Brand an Bord des Schiffes.

Pompeo macht Iran verantwortlich

US-Aussenminister Mike Pompeo wies dem Iran die Verantwortung für die mutmasslichen Angriffe auf die zwei Tanker zu. «Es ist die Einschätzung der USA, dass die Islamische Republik für die Angriffe verantwortlich ist», sagte Pompeo am Donnerstag in Washington in einem Kurzauftritt vor Kameras.

Ein Sprecher der iranischen Flotte erklärte, mehrere Expertenteams seien mit Helikoptern über dem Seegebiet im Einsatz, um die Zwischenfälle zu untersuchen. Die iranische Agentur Irna meldete, Rettungsteams des Landes hätten die Rettung von 44 Seeleuten mit koordiniert.

Mike Pompeo, US-Aussenminister, spricht bei einer Pressekonferenz im Ausenministerium.
Bild: Alex Brandon/AP/dpa

Drei Explosionen

Die norwegische Seefahrtsbehörde meldete, es sei von drei Explosionen auf der «Front Altair» berichtet worden. Die Reederei Frontline wies zugleich Berichte zurück, das Schiff sei gesunken. Sie bestätigte auch nicht die Angaben der norwegischen Seefahrtsbehörde, die von einem Angriff gesprochen hatte.

Die US-Marine erklärte, sie habe zwei Notrufe erhalten. US-Schiffe seien in der Region unterwegs und leisteten Hilfe, teilte die 5. Flotte der US-Marine in Bahrain mit. Es gebe Berichte, dass dort zwei Tanker angegriffen worden seien.

Mutmassliche Position der «Front Altair» (rotes Quadrat) im Golf von Oman.
Grafik: www.vesselfinder.com

Ladung intakt

Nach Angaben der Reederei BSM besteht keine Gefahr, dass die «Kokuka Courageous» sinkt. Die Ladung sei «intakt». Der Schaden sei auf der Steuerbordseite im hinteren Teil des Frachters, sagte der Sprecher. Die 21 Seeleute seien mit einem Rettungsboot auf ein anderes Schiff gebracht worden. Der leicht verletzte Seemann habe dort Erste Hilfe bekommen. Bei den Seeleuten handle es sich ausnahmslos um Philippiner.

Der Zwischenfall ereignete sich diesen Angaben zufolge in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah und etwa 14 Seemeilen entfernt von der iranischen Küste. Weiterer Anrainer der dortigen Meerenge ist das arabische Sultanat Oman. Die BSM gehört zur Hamburger Reederei Schulte Group.

Der 2016 gebaute Öltanker «Front Altair» fährt unter der Flagge der Marschallinseln. Er war nach Angaben des Dienstes «Marine Traffic» auf dem Weg von den VAE nach Taiwan. Frontline gilt als die grösste Tankerflotte der Erde. Sie ist im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen. Die «Kokuka Courageous» ist unter der Flagge Panamas unterwegs und hatte «Marine Traffic» zufolge vor drei Tagen in Saudi-Arabien abgelegt, um nach Singapur zu fahren.

An Bord waren mehrere Explosionen zu hören – die Mitglieder der Crew konnten unbeschadet von Bord gebracht werden.
Bild: Keystone

Ölpreise steigen stark an

Die betroffene Meerenge ist eine der wichtigsten Seestrassen der Welt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strasse von Hormus läuft ein grosser Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Ölpreise stiegen nach den Zwischenfällen stark an. Der Preis für die US-Rohölsorte WTI stieg um bis zu 3,9 Prozent auf 53,11 Dollar je Barrel (159 Liter).

Die EU warnte nach den Vorfällen vor vorschnellen Reaktionen. «Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen», sagte die Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel.

Das norwegische Seefahrtsamt erhöhte seine Sicherheitsstufe für das betroffene Gebiet. «Wegen der Angriffe und der unklaren Umstände» rate man Schiffen unter norwegischer Flagge, sich von iranischen Territorialgewässern fernzuhalten.

Sorgen vor militärischem Konflikt

Die USA waren vor einem Jahr einseitig aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und setzen das seitdem wieder mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck. Das US-Militär verlegte einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in die Region, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen liess.

Bereits vor vier Wochen hatten die VAE Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Nach saudi-arabischen Angaben wurden zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die «fast sicher» der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von «lächerlichen Behauptungen».

Die USA hatten zusammen mit ihren Verbündeten Saudi-Arabien und den VAE in den vergangenen Wochen den Druck auf den Iran massiv erhöht. Die Königshaus in Riad beschuldigt den Iran unter anderem, in Jemens Bürgerkrieg die Huthi-Rebellen zu unterstützen. Diese hatten in den vergangenen Wochen Saudi-Arabien wiederholt mit Drohnen angegriffen.

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