Schweizer haben sehr viel Geld auf die Seite gelegt

tafu

11.1.2021 - 17:49

[Stockbild] Piggy Bank. Sparschwein. Money. Geld. Coins. Muenzen. Cash. Bargeld. Banknote. Geldschein. Zehnernote. Zehner. Einwurf. Schlitz. 9. September 2002. (KEYSTONE/Gaetan Bally) : DIA, Mittelformat]
Das Jahr 2020 bot weniger Möglichkeiten, Geld auszugeben.
Bild: Keystone

Kaum Reisen, geschlossene Restaurants: 2020 waren die Gelegenheiten zum Geldausgeben eingeschränkt. Das hat zwar zu mehr Sparguthaben auf Schweizer Privatkonten geführt, birgt aber auch Gefahren.

Der Kampf gegen die Pandemie bedeutete im vergangenen Jahr auch Einschränkungen im Konsum. Weder hatte man Ausgaben für Konzerte, noch für den Restaurantbesuch, an Fernreisen war kaum zu denken. Die Folge: Viele Schweizer Haushalte sparten, wenn auch unfreiwillig, eine Menge Geld.

Wie die «NZZ» berichtet, ist im vergangenen Jahr ein rekordhoher Anteil des verfügbaren Einkommens nicht ausgegeben worden. So rechnet die Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) für 2020 mit einer Sparquote von 26,6 Prozent. Das entspricht einer Summe von 130 Milliarden Franken – 30 Milliarden mehr als in einem normalen Jahr.

Entsparen nach dem Lockdown

Eine ähnliche Entwicklung zeige sich auch im Euro-Raum, laut dem Versicherer Allianz seien hier etwa 500 Milliarden Euro auf den Konten der Privathaushalte liegen geblieben. Allerdings werden diese Gelder wohl kaum dauerhaft gespart werden, so die Vermutung.

Sobald der Impfstoff Wirkung zeige und sich die Lage entspanne, rechnen Ökonomen mit einem Nachholeffekt. Das sogenannte «Entsparen» zeigte sich bereits nach dem Shutdown im Frühjahr 2020, erklärt der Leiter der Konjunkturanalyse bei der Credit Suisse (CS), Claude Maurer. Im dritten Quartal 2020 seien mehr als 80 Prozent des aufgestauten Konsums wieder an die Wirtschaft zurückgeflossen.

Dabei fand aufgrund der teilweise noch geltenden Reisebeschränkungen allerdings ein Grossteil des Konsums im Inland statt. Dies wird sich nun aber wohl ändern, rechnet man doch mit Verbreitung des Impfstoffs auch mit einer Wiederöffnung vieler Grenzen für Touristen.



Reisen werden zunehmen – und teurer

Schweizer wird es wieder in die Ferne ziehen. Allerdings wohl zu höheren Preisen: Wegen der Pandemie mussten beispielsweise zahlreiche Hotels schliessen, was zu einem geringeren Angebot führt. Diese Entwicklung bestätigt auch Marc Brütsch, Chefökonom von Swiss Life. «Diejenigen Unternehmen, die können, werden die Preise erhöhen», erklärt er.

Das sehe man auch am Beispiel des Reiseveranstalters TUI, der für den Sommer 2021 einen Preisanstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr ankündigte. Mit einer stark steigenden Inflation rechnet Brütsch für 2021 allerdings nicht. «Im günstigsten Fall werden wir irgendwann im Lauf dieses Jahres zu einer normalen Geschäftstätigkeit mit einer moderaten Inflationsrate zurückkehren.»

Der Berner Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti spricht sogar von einer konjunkturellen Überhitzung. «Es ist nicht mehr auszuschliessen, dass die Stimmung im Sommer mit der Eindämmung der Pandemie abrupt ins Positive kehrt und ein eigentlicher Konsum- und Investitionsboom losbricht.»

Wohin mit dem gesparten Geld?

Für die einzelnen Privathaushalte bietet die Rekord-Sparquote aber auch besondere Chancen, indem sie mit einem Teil des gesparten Geldes nicht nur konsumieren, sondern es für längerfristige Zwecke einsetzen. So sei es sinnvoll, sich ein Liquiditätspolster von sechs bis zwölf Monaten anzulegen, erklärt der Geschäftsleiter Nordwest- und Westschweiz beim VZ Vermögenszentrum, Karl Flubacher.

Besonders im Hinblick auf coronabedingte Unsicherheiten bezüglich der eigenen Arbeitsstelle sei dies empfehlenswert. Auch eine Einzahlung in die dritte Säule sei denkbar und ist bis zu einer bestimmten Summe steuerfrei.



Um das gesparte Geld gewinnbringend anzulegen, gibt es aktuell nur wenige Möglichkeiten. Dazu zählen börsengehandelte Aktienfonds (ETF) ebenso wie der Kauf einer Immobilie. Wobei auch das eher eine Alternative für sehr vermögende Haushalte sei, betont Flubacher. Aufgrund des tiefen Zinsniveaus seien die Preise auf dem Immobilienmarkt enorm gestiegen und die Risiken damit entsprechend gross.

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