Grosse Sympathie, kleines Auto – als der Mini seinen Siegeszug antrat

Philipp Dahm

18.8.2019 - 00:00

Baujahr 1959: der allererste Mini.
Bild: WikiCommons/DeFacto

Am 18. August vor 60 Jahren kam der Mini auf den Markt. Einst fuhren die Hersteller mit jedem verkauften Wagen ein Minus ein – heute ist der kompakte Kleinwagen Kult.

Die Austin Motor Company, 1905 in Birmingham gegründet, gehört zu den traditonsreichen britischen Autoschmieden, als ausgerechnet ihr grösster Konkurrent die Marke 1952 schluckt: Es ist die acht Jahre jüngere Morris Motor Company, zusammen bilden sie fortan als British Motor Company (BMC).

Die Entwicklung ihres Modells Mini ist von politischem Säbelrasseln beeinflusst: Die Suezkrise von 1956 versetzt der westlichen Welt erstmals eine Art Ölschock, weshalb der leitende Ingenieur auf das Motto «klein und kompakt» setzt.

Der Mann von Morris hat 1948 den Morris Minor modernisiert und mit seinem Minor MM in der Branche für Aufsehen gesorgt. 1,6 Millionen Exemplare jenes Typs werden schliesslich gebaut.

Alec Issigonis posiert in Longbridge mit dem ersten Austin Mini und einem Morris Mini Minor Deluxe von 1965.
Bild.: WikiCommons/Pigsonthewing

Mit dem Mini wird dieser Mann in die Automobil-Annalen eingehen – dabei ist auch seine eigene Geschichte eine bewegte. Alec Issigonis wird 1906 In Izmir, damals Smyrnan, als Sohn eines Griechen und eine Bayerin geboren. Er ist erst 16 Jahre alt, als die Griechen den Krieg gegen die Türken verlieren.

Talentierter Ingenieur wird Vater des Mini 

Seine Familie Issigonis flieht auf einem britischen Schiff nach London, doch Alecs Vater überlebt die Reise nicht. Der talentierte Ingenieur wird es weit bringen, 1969 gar in den Adelsstand erhoben und nennt sich fortan Sir. Zehn Jahre vorher, im April 1959, präsentiert er der Welt seinen Mini, am 18. August rollen die ersten Exemplare aus dem Werk in Birmingham zu den Händlern.

Platz da! Ein Mini Clubman von 1978.
Bild: WikiCommons/Abrimaal

Das Modell wird zum Mega-Erfolg: Es wird 41 Jahre lang produziert werden – knapp 5,4 Millionen Mal. Wobei es mit dem Namen des kleinen Sympathieträgers so eine Sache ist. Der Grund: BMC setzte darauf, bei den einzelnen Marken des Konzerns baugleiche Modelle einzuführen, die sich im Wesentlichen meist nur im Namen unterscheiden.

Morris Mini im Film «The Italian Job» von 2003.
Bild: PR

Streng genommen beginnen vor 60 Jahren die Verkäufe des Austin Seven und des Morris Mini Minor. In einer Zeit, in der Benzin plötzlich limitiert wird, saust der kleine Hingucker mit veränderter Motoranordnung dank seiner Wirtschaftlichkeit auf die Überholspur. Doch in den 60er Jahren bremsen auch Probleme im Konzern den Mini-Erfolg aus.

Verkaufsschlager fährt Miese ein

Ausgerechnet das moderne Austin-Werk in Longbridge bei Birmingham hat die Kosten immer weniger im Griff, so dass selbst beim erfolgreichen Mini pro verkauftem Exemplar 30 Pfund Minus anfallen. Der Zusammenschluss der beiden Firmen verläuft so stotternd, dass sich ihre BMC bereits 1968 einen weiteren Partner ins Boot holen muss und die British Leyland Motor Corporation alias Rover Group entsteht.

«Live And Let Die»: James Bond fährt 1973 Mini Moke.
Bild: United Artists

Ab 1969 firmiert Mini als eigenständige Marke, die auch diverse Varianten wie den 1964 von Issigonis entworfenen Mini Moke oder die vom Haus-Tuner John Cooper bearbeiteten Mini Cooper hervorbringt. Im Jahr 2000 rollt der letzte Mini vom Band, seit 2001 gehört Mini zu BMW.

Die Ente wird 70:

Doch in welchem Konzern die Marke auch immer landet: Der Mini bleibt unvergessen – auch dank zahlreicher Kino-Auftritte wie dem des Moke in James-Bond-Filmen oder des Mini in «The Italian Job», «Mr. Bean» oder «The Bourne Identity». 

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