So sagt Florida der Tigermücke den Kampf an

twei

9.5.2021

Eine totes Exemplar einer Asiatischen Tigermuecke, aufgenommen am Dienstag, 23. Juli 2019 in Zuerich. Der Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zuerich bekaempfen die Muecke mit biologischem Wirkstoff in den Dolen, sammeln Holzstaebchen mit Eier ein und fuellen mit Wasser gefuellte Astloecher mit Sand. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Der Stich einer Tigermücke kann gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Bild: Keystone / Ennio Leanza

Die Tigermücke breitet sich im US-Bundesstaat Florida aus. Ein kontrovers diskutiertes Experiment mit genmanipulierten Mücken soll das nun ändern. Doch nicht alle finden das Vorgehen richtig.

twei

9.5.2021

Zika-Fieber, Dengue oder Chikungunya – ein Stich der Tigermücke kann zahlreiche gefährliche Krankheiten übertragen. Doch längst ist das kleine Tier nicht mehr ausschliesslich in seinem einstigen Lebensraum in den Tropen und Subtropen zu Hause. Sogar in der Schweiz hat sich die Tigermücke in Teilen des Landes, etwa im Tessin und im Kanton Zürich angesiedelt.  

Auch in den USA lebt mittlerweile eine beachtliche Anzahl der Wesen, etwa in Florida. Bislang sagte man den Tigermücken vor allem mit dem Einsatz von Pestiziden den Kampf an. Doch mittlerweile haben viele der Tiere eine Immunität entwickelt, wie Andrea Lahal vom Florida Keys Mosquito Control District (FKMCD) jüngst auf einer Medienkonferenz bestätigte: «Unser Werkzeugkasten wird wegen der Resistenzen leider immer kleiner.»



Deswegen greift man im Sunshine State nun zu radikaleren Mitteln, wie «20min» berichtet. Ende April setzte die Biotechfirma Oxitec zehntausende Tigermücken-Eier an den Florida Keys aus. Das Besondere an den «Florida Projects»: Die Moskitos, die im Mai schlüpfen werden, sind gentechnisch verändert. Es sind ausschliesslich Männchen, die nicht stechen können, sondern sich mit wilden Weibchen paaren sollen. 

Gentechnisch veränderte Tiere keine Seltenheit

Glückt die Vergemeinschaftung, übernimmt ein extra entwickeltes Gen die Arbeit. Weibliche Nachkommen der Tiere werden dadurch schon im Larvenstadium ausgelöscht. Männlicher Nachwuchs kann dagegen auch mit dem veränderten Gen leben. Durch dieses Vorgehen soll die Tigermücken-Population in den kommenden Jahren reduziert werden. Insgesamt sollen 20 Millionen Gen-Mücken eingesetzt werden.

So ungewöhnlich das Vorgehen auf den ersten Blick auch scheint – in anderen US-Bundesstaaten ist derlei Vorgehen bereits erprobt. Oxitec setzte etwa in New York genmanipulierte Kohlmotten ein, sowie einen gentechnisch veränderten Roten Baumwollkapselwurm in Arizona. Auch die Gen-Mücken sind nicht erstmals im Einsatz. Sie wurden bereits in Brasilien, Malaysia und Panama getestet.

In this aerial photo provided by the Florida Keys News Bureau, vehicular traffic on the Florida Keys Overseas Highway is extremely light Tuesday, March 24, 2020, in Islamorada, Fla. The subtropical island destination is temporarily closed to visitors until further notice due to the coronavirus crisis, according to local officials. Tourism is the Keys' top industry, employs about half of the region's workforce and generates almost $2 billion annually for the area's economy. (Andy Newman/Florida Keys News Bureau via AP)
In den Florida Keys hat sich die Tigermücke angesiedelt. Nun hat das Biotech-Unternehmen Oxitec einen Feldversuch gestartet, um deren Population zu senken. (Symbolbild)
Bild: Keystone/Andy Newman/Florida Keys News Bureau via AP

Skepsis in der Bevölkerung

Trotz des Erfahrungsschatzes beäugen die Einwohner der Florida Keys den Feldversuch skeptisch. Gründe für Proteste gegen das Projekt ist neben der Sorge vor Stichen auch die Angst davor, dass das Vorgehen negative Konsequenzen für das Ökosystem Floridas in sich bergen könnte. Verschwörungstheorien machten ebenfalls bereits die Runde.

«Ich kann mir vorstellen, dass es sehr beunruhigend ist, wenn man nicht damit einverstanden ist, dass Moskitos in seiner Nachbarschaft freigesetzt werden», sagte die Molekularbiologin Natalie Kofler von der Harvard Medical School, die gegenüber «nature.com» betonte: «Vor allem, wenn eine private Firma dahintersteckt.» Doch die Sorgen würden wissenschaftlich entkräftet werden, erklärte Kofler.