Autonom und elektrisch: Wann heben die ersten Flugtaxis ab?

tsha

21.11.2018

Mit dem Flugtaxi über New York – schon bald ein alltäglicher Anblick?
Bild: Volocopter

Immer mehr Hersteller arbeiten an Flugtaxis. Doch bis die futuristischen Transportmitteln wirklich abheben, müssen noch viele Probleme gelöst werden.

Bis vor wenigen Jahren gab es sie nur in Science-Fiction-Filmen: Flugtaxis, die autonom durch unsere Städte düsen. In wenigen Jahren, so versprechen es Entwickler, könnte diese kühne Vision aber Realität werden. Und auch die Politik glaubt an die Lufttaxis: «Das ist keine Illusion oder etwas Lächerliches, sondern schon jetzt Chance und Realität», behauptet etwa der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er will das Bundesland zum weltweiten Vorreiter für die Technologie machen. Tatsächlich kommen die derzeit vielversprechendsten Konzepte für Flugtaxis aus Deutschland. 

Zuletzt machte vor allem der Lilium Jet Schlagzeilen. Das liegt nicht nur an der schicken Aussendarstellung des Unternehmens aus Wessling bei München, sondern auch an einem prominenen Investor: Frank Thelen,  bekannt aus der Gründershow «Die Höhle der Löwen». 

«Es ist heute noch schwer zu begreifen, aber die Batterie-Technologie geht so schnell voran, wir können es einfach machen», gibt sich der Unternehmer optimistisch – und spricht damit ein Problem an, vor dem viele Entwickler heute stehen. Denn wie  bei Elektroautos, sind auch bei Flugtaxis leistungsstarke und gleichzeitig leichte und kompakte Akkus enscheidend, um die Gefährte in die Luft zu bringen.

Der Lilium Jet soll 2025 abheben.
Bild: Lilium

Start-up-Power aus Deutschland

Der Lilium Jet ist laut Herstellerangaben das weltweit erste elektrische Flugzeug, das vertikal abheben und landen kann. Angetrieben wird es von 36 Elektromotoren, die Reichweite soll bei 300 Kilometern liegen, die Geschwindigkeit bei 300 km/h. «Fliegen Sie von London nach Paris in einer Stunde», werben die Hersteller vollmundig. Im kommenden Jahr soll der erste bemannte Flug abheben, schon 2025 will Lilium den kommerziellen Betrieb aufnehmen.

Auch die Macher des Volocopter behaupten, ihr Flugtaxi sei «der erste bemannte, voll-elektrische und sichere Senkrechtstarter der Welt». Das Luftgefährt, das wie eine Mischung aus Helikopter und Drohne aussieht, wird ebenfalls in Deutschland entwickelt. Der in Karlsruhe gebaute Volocopter 2X ist laut Hersteller «weltweit der erste Multicopter mit einer Zulassung für bemannte Flüge». Er wird von 18 Rotoren angetrieben und per Joystick gesteuert; die Geschwindigkeite soll bei rund 100 km/h liegen, die Reichweite bei einer Stunde. Bereits vor zweieinhalb Jahren hob Geschäftsführer Alexander Zosel erstmals mit dem Volocopter 2X ab; demnächst soll das Flugtaxi in Dubai erste Passagiere transportieren. Ein genaues Startdatum ist allerdings nicht bekannt.

Sieht aus wie ein Helikopter, ist aber ein Flugtaxi: der Volocopter 2X.
Bild: Volocopter

Auch die grossen Player mischen mit

Neben den kleinen Start-ups Volocopter und Lilium mischen auch die grossen Luftfahrtkonzerte am vermeintlichen Zukunftsmarkt mit. Der Mobiliätsanbieter Uber arbeitet derzeit zusammen mit der NASA an einem Flugtaxi, das Passagiere per App buchen können. Mitte des Jahres wurde das ungewöhnliche Fluggerät erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt; 2020 sollen erste Testflüge starten.

Zusammen mit der NASA arbeitet Uber an diesem futuristischen Vehikel.
Bild: Uber

Weiter ist man in Europa: Anfang des Jahres hob das Airbus-Projekt Vahana erstmals ab und blieb dabei 35 Sekunden in der Luft. Acht Elektromotoren beschleunigen das Lufttaxi auf 180 km/h; eine Akkuladung soll für eine Reichweite von 100 Kilometern reichen.

Mit dem Vahana von Airbus sollen die Passagiere 100 Kilometer weit fliegen können.
Bild: Vahana

Zusammen mit Siemens arbeitet Airbus ausserdem am viersitzigen CityAirbus. Für Ende 2018 ist der Erstflug geplant. Der CityAirbus «wird zunächst mit einem Piloten an Bord fliegen, doch es ist auch ein autonom fliegendes Luftfahrzeug in Planung», erklärt Martin Nüsseler, Projektleiter von Airbus. Das Luftaxi soll auf Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h beschleunigen können und 2025 in Betrieb gehen – «das hängt von den Fortschritten bei der öffentlichen Akzeptanz, der Infrastruktur und den für einen solchen städtischen Luftverkehr festgelegten Regelungen ab», so Marius Bebesel, Leiter des CityAirbus Programms bei Airbus Helicopters.

Made in Germany: der CityAirbus von Siemens und Airbus.
Bild: Siemens

Ungelöste Probleme

Viele rechtliche Probleme sind noch lange nicht geklärt. Wie bei autonomen Autos stellt sich auch bei Flugtaxis die Frage: Wer haftet, wenn es zu einem Unfall mit Verletzten kommt oder es sogar Tote gibt? Der Hersteller des Flugtaxis? Der Betreiber? Oder sogar der Passagier?

Bis diese Fragen geklärt sind, dürften noch einige Jahre vergehen. Auch fragt sich, ob sich tatsächlich Wagemutige finden, die sich von einem Fluggerät, das nicht von einem Piloten gesteuert wird, durch die Lüfte transportieren lassen wollen. Eine Umfrage der Grossbank UBS aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass sich nur eine Minderheit der Befragen in die automomen Lufttaxis wagen würde.

Auch das Versprechen der Anbieter, die Lufttaxis würden emissionsfrei über unsere Köpfe schweben, hält dem Realitätscheck nicht stand. Denn es steht nicht ausreichend grüner Strom zur Verfügung, um die Flieger umweltfreundlich mit Saft zu versorgen. So stammt in der Schweiz zwar ein Grossteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft; rund ein Drittel aber wird in Kernkraftwerken erzeugt, die nuklearen Abfall zurücklassen. 

Weltweit sieht es noch schlechter aus. Laut Daten aus dem Jahr 2016 wird für rund 80 Prozent der weltweiten Stromproduktion Kohle, Gas oder Öl verbrannt. Umweltfreundliche Mobilität ist somit momentan kaum mehr als ein Zukunftstraum.

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