Ukraine-Spiel abgesagt

Fringer: «Über einen Forfaitsieg könnte sich kein Schweizer freuen»

Jan Arnet

17.11.2020

Rolf Fringer hofft auf eine sportliche Lösung.
Bild: Keystone

Wegen mehrerer Corona-Fälle innerhalb der gegnerischen Nationalmannschaft wird das wichtige Spiel in der Nations League zwischen der Schweiz und der Ukraine abgesagt. Für Ex-Nati-Trainer Rolf Fringer wäre ein Forfaitsieg aber nicht richtig.

Der Luzern Kantonsarzt hat am Dienstag nach weiteren positiven Coronatests bei den Ukrainern entschieden, den Schweizer Gruppengegner der Nations League in Quarantäne zu schicken. Das wichtige Spiel um den Klassenerhalt in der Nations League A wird definitiv nicht über die Bühne gehen. Ob die Schweiz die Partie nun Forfait gewinnen wird, ist noch offen. Der Ball liegt nun bei der UEFA.



Wie geht es jetzt weiter? Und was wäre die beste Lösung? «blue Sport» hat mit dem ehemaligen Nati-Trainer Rolf Fringer gesprochen. 

Wie beurteilen Sie den Entscheid, die ukrainische Mannschaft in Quarantäne zu schicken?

Rolf Fringer: Es ist schwierig, das aus der Distanz zu bewerten. Aber es sind Fachleute, die das entschieden haben und so muss man den Entscheid auch respektieren. Auch wenn man diesen «Final» als Fussballfan natürlich gerne gesehen hätte.

Wie dürfte die UEFA jetzt entscheiden?

Die UEFA wird bestimmt den gleichen Entscheid fällen wie beim Spiel zwischen Norwegen gegen Rumänien, das am Sonntag ebenfalls abgesagt werden musste, weil die Norweger einen positiven Coronafall hatten und vom eigenen Gesundheitsminister in Quarantäne geschickt wurden.

Man geht davon aus, dass die Rumänen nun die drei Punkte zugesprochen bekommen. Wäre ein Forfaitsieg für die Schweiz nun der richtige Entscheid?

Alles, was nicht auf dem Fussballplatz entschieden wird, ist schlecht. Man muss unbedingt versuchen, einen Entscheid am Grünen Tisch zu verhindern. 

Im ohnehin schon prall gefüllten Terminplan dürfte es aber schwierig werden, das Spiel auf einen Tag in den nächsten Wochen zu verschieben.

Die nächste Nations-League-Saison ist ja erst 2022. Und weder die Schweiz noch die Ukraine können sich fürs Finalturnier im nächsten Sommer qualifizieren. Zeit für eine Neuansetzung gibt es also schon. Man könnte die Partie zum Beispiel im Frühling anstelle eines Vorbereitungsspiels für die EM nachholen. Wichtig ist, dass auf sportlichem Weg entschieden wird, wer in der Nations League A bleibt und wer absteigt.

Am Montagabend hatten die Ukrainer noch in der Swissporarena in Luzern trainiert.
Bild: Keystone

Ein Forfaitsieg wäre für die Schweizer Nati der erste «Dreier» im Jahr 2020. Könnte man sich überhaupt über diesen Sieg beziehungsweise den Klassenerhalt freuen?

Ich würde sofort in den Keller rennen und eine Flasche Champagner holen (lacht). Spass beiseite: Das wäre die mit Abstand schlechteste Lösung. Die Schweiz gewinnt in diesem Jahr kein Spiel auf dem Platz und steigt dann wegen eines Entscheids am Grünen Tisch nicht ab? Das wäre peinlich. Darüber könnte sich keiner freuen.

War es falsch, in dieser Zeit Länderspiele anzusetzen und auszutragen?

Nicht unbedingt. Am Ende gab es ja nur bei wenigen Spielen Probleme. Wenn es kurz vor dem Spiel noch positive Fälle gibt, ist das halt auch Pech.

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Nati-Direktor Pierluigi Tami bedauert, dass das Spiel gegen die Ukraine nicht stattfinden wird. Es sei sehr schade, dass die Entscheidung über den Verbleib in der Liga A nun nicht auf sportlichem Weg entschieden werde.

17.11.2020

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