Zweiter Anlauf Andri Ragettli hat die Goldmedaille im Visier

sda

6.2.2022 - 19:00

Mit dem Schweizer Freeskier Andri Ragettli ist auch an den Winterspielen in Peking zu rechnen
Mit dem Schweizer Freeskier Andri Ragettli ist auch an den Winterspielen in Peking zu rechnen
Keystone

Andri Ragettli nimmt zum zweiten Mal Anlauf zu Olympiagold. Trotz schwerer Knieverletzung vor elf Monaten ist der 23-Jährige der Topfavorit, wenn auch erst im Slopestyle und noch nicht im Big Air.

6.2.2022 - 19:00

Andri Ragettli und Olympische Spiele – es ist bislang eine Liaison ohne Happy End. Bereits mit 15 Jahren war der Bündner 2014 auf dem Niveau, um in Sotschi dabei zu sein, er verpasste die Qualifikation aber knapp. 2018 in Pyeongchang gehörte er zu den grossen Favoriten, doch sein Gold-Plan platzte an jenem Trick, der ihn hätte von der Konkurrenz abheben sollen. Es resultierte der 7. Platz.



Ragettlis Reaktion offenbarte das Ausmass seiner Enttäuschung. Der Überflieger, der mit seinen kreativen Videos im Internet regelmässig viral geht, schlug hart auf. Er vergoss bittere Tränen und verschwand durch die Hintertür aus Südkorea.

Es war sein mit Abstand empfindlichster Rückschlag der Karriere, aber vier Jahre später hat sich Ragettli längst berappelt. «Eigentlich habe ich es damals gut gemacht», sagt er inzwischen. In seinem Drang nach Optimierung legte er noch einmal eine Schippe drauf. «Disziplin ist der zentrale Schlüssel zum Erfolg», lautet sein oberstes Credo. Seine grösste Schwäche von damals, die Rails, hat er ausgemerzt.

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Ragettli und die sozialen Medien

Obwohl Ragettli finanziell dank seinen Social-Media-Aktivitäten auch ohne den Leistungssport sehr gut leben könnte, treibt ihn seine Vision an. Noch bevor er an die Tür zur Weltklasse klopfte, sagte er: «Ich will meinen Sport irgendwann dominieren.» Jetzt ist er vier Jahre erfahrener als bei seinem Olympia-Debüt, vier Jahre fitter und abgehärteter – auch für die Kälte, mit der es die Athleten in den kargen Bergen Chinas zu tun bekommen.

Auf den sozialen Kanälen und in seinem eigenen TV-Format «Ragettli on Tour» zeigte sich der Flimser wiederholt bei Extrem-Challenges. Im Sommer rannte er zu Fuss 100 km weit, im Winter nahm er Eisbäder und joggte er barfuss im Schnee. Aus einem kurzen Eisbad wurde in acht Tagen ein 30-minütiges, aus anvisierten 5 km zu Fuss im Schnee wurden 10 km. «Ich fordere mich gerne selber heraus», sagt er.

Wettlauf gegen die Zeit

In Peking soll der Traum vom Olympiasieg wahr werden. Wohl noch nicht im Big Air, wo die Qualifikation am Montag ansteht. In dieser Disziplin macht sich sein Trainingsrückstand stärker bemerkbar. Eher in seiner Paradedisziplin Slopestyle eine Woche später.

2018 setzte es den empfindlichsten Rückschlag ab, auf 2022 meisterte er seine «grösste Herausforderung». Aufgrund einer schweren Knieverletzung war die Vorbereitung zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Vor elf Monaten verletzte er sich – nach WM-Gold im Slopestyle – bei einem Sturz schwer an Kreuzband, Innenband und Meniskus. Erst im Januar meldete er sich im Wettkampf-Geschehen zurück.

Die Zweifel sind verflogen

Vor sechs, sieben Wochen sei er noch ziemlich frustriert gewesen. Innerhalb der Familie äusserte er Bedenken, ob er es an die Olympischen Spiele schaffen würde, sagt Ragettli. Ein «Bone Bruise», ein Knochenmark-Ödem, das häufig nach Verletzungen aufgrund von Überlastung auftritt, bereitete ihm Probleme.

Mittlerweile sind die Zweifel verflogen. Mit dem Weltcupsieg in Font Romeu und Gold an den X-Games gelang das Comeback mit durchschlagendem Erfolg. Jetzt ist er bereit. «Seit einem Monat bin ich bei 100 Prozent», betont er. Seine Paradedisziplin Slopestyle steht Anfang nächster Woche auf dem Programm.

sda