Albrecht: «Ich wusste nicht einmal mehr, dass ich Skirennfahrer war»

Martin Abgottspon

15.3.2018

Trotz seines Horror-Sturzes liess sich Daniel Albrecht nie unterkriegen.
Bild: Keystone

Seit dem Horror-Sturz von Daniel Albrecht sind mittlerweile über neun Jahre vergangen. An den schrecklichen Tag hat er bis heute keine Erinnerungen. Im Rahmen von «Mobiliar Akzente» blickt der Walliser nun noch einmal auf das Ereignis, das sein Leben im Grundsatz veränderte zurück und schildert seinen eindrücklichen Kampf in ein neues Leben.

Schaut man sich die Bilder des Sturzes von Daniel Albrecht am 22. Januar 2009 auf der Streif an, stockt einem noch heute der Atem. Auch dem Publikum bei «Mobiliar Akzente» geht es bei den Einspielern nicht anders. Ein Raunen geht bei den dramatischen Bildern durch den Raum.

Einer bleibt allerdings ganz ruhig: Daniel Albrecht selbst. Es wirkt schon fast irritierend, wie er heute auf den Tag zurückblickt, der sein Leben für immer veränderte. «Ich habe von damals eigentlich nur positive Erinnerungen», beginnt der 34-Jährige. «Ich strotzte damals vor Selbstvertrauen, ich wusste, dass ich mit den Schnellsten mithalten konnte.» Es war ein Steigerungslauf, der für Albrecht mit Gold und Silber bei der Ski-WM 2007 begonnen hatte und in keiner Weise aufzuhören drohte. Bis zu diesem Sturz.

Weg, einfach alles weg

Bis heute weiss der Walliser nicht, wie es dazu kam. Er hat schlicht keine Erinnerungen. Erst sechs Wochen später im Spital konnte er sich wieder an erste Bruchstücke erinnern, nicht vom Unfall, sondern an ganz allgemeine Dingen. «Du machst dir in dem Moment auch gar nicht viele Gedanken. Als ich an die Spitaldecke schaute, war ich schon froh, als sich ein Arzt nach meinem  Befinden erkundigte. Als er dann wissen wollte, wie ich heisse und ich die Antwort nicht wusste, war der Spass aber auch schon wieder vorbei.»

Vieles schien einfach wie ausradiert. Albrecht war verwirrt. Er verwechselte auch seine Physiotherapeutin mit seiner Frau und hatte keine Ahnung, wer er eigentlich selber war. «Ich wusste nicht einmal mehr, dass ich Skirennfahrer war. Das glaubte ich erst, als ich Videoaufnahmen von mir gesehen hatte.»

Albrecht arbeitete fortan Tag für Tag hart daran, sich dieses Leben, von dem er nicht mehr viel wusste, wieder aufzubauen. Gar kein einfaches Unterfangen, wie er heute zusammenfasst: «Ich wusste, ich war Profisportler, also begann ich Liegestützen zu machen. Ich schaffte zu Beginn aber nicht eine einzige.»

Episoden, die heute noch dramatisch klingen. Albrecht erzählt sie aber mit einem Lächeln, weil er trotz allem zu wissen schien, wo er hinwollte.

Das märchenhafte Comeback und der brutale Rückschlag

Der Durchhaltewille zahlte sich 22 Monate später aus. Bei seinem Comeback-Rennen im Riesenslalom von Beaver Creek fuhr er mit einem 21. Platz gleich wieder in die Weltcup-Punkte. Von seinen Trainern und Kollegen haben das wohl nur die wenigsten für möglich gehalten. Denn als Albrecht Monate zuvor erstmals wieder entgegen dem Ratschlag seiner Ärzte auf den Skiern stand, wusste er nicht so recht, was er da überhaupt tat: «Zum Glück war die Strecke relativ flach und die Pisten breit. Leider nicht breit genug, denn als ich erstmals eine Kurve machen sollte, ging das nicht so einfach wie ich dachte.»

Für mehr reichte es im Weltcup aber nicht mehr. Es folgten Resultate jenseits der Top 30, bevor sich Albrecht erneut verletzte. Dieses Mal zog er sich eine Kniescheibenluxation und einen Riss des Innenbandes im linken Knie zu. Es war gleichzeitig das endgültige Karrierenende, zumindest als Profi-Rennfahrer. Ansonsten hatte Albrecht nämlich schon den Kopf voller neuer Ideen, welche er Schritt für Schritt in Tat umsetzte.

Er sammelte seine Erfahrungen als Modedesigner, bildete sich zum Mentaltrainer aus und referiert heute bei verschiedenen Veranstaltungen. Immer getreu seinem Motto: «Gib niemals auf». Wenn einer diesem Leitsatz folgt, dann mit Sicherheit Daniel Albrecht.

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