Corinne Suter: «Mit dieser Einstellung bekommst du immer wieder eins aufs Dach»

lbe

4.12.2020 - 12:33

Blickt auf einen langen Leidensweg zurück: Corinne Suter.
Blickt auf einen langen Leidensweg zurück: Corinne Suter.
Bild: Getty

Die Schweizer Skifahrerin brauchte Zeit, um im Skizirkus durchzustarten. Inzwischen ist sie die konstanteste Speed-Athletin und hat bereits viele Erfolge feiern können. So begründet sie ihren steinigen Weg.

Schon als 17-Jährige fährt Corinne Suter ihre ersten Weltcup-Rennen, die Leidenszeit bis zum Durchbruch auf der höchsten Stufe ist für die Schwyzerin allerdings lang. «Man sagt, es brauche im Skisport Zeit, bis man die Strecken kennenlernt. Da war ich schon sehr ungeduldig», blickt sie im Interview mit der NZZ zurück. «Als ich zum ersten Mal hörte, dass es in der Abfahrt ohne Erfahrung nicht gehe, dachte ich: Jaja, redet ihr nur. Ich war wohl auch naiv.»

Lange will Suter den eigenen Erfolg erzwingen. «Ich fuhr quasi auf Biegen und Brechen. Mit dieser Einstellung bekommst du immer wieder eins aufs Dach, und irgendwann fängst du an zu zweifeln», erinnert sich die 26-Jährige an ihre schwierigste Phase. «Früher ging es so gut auf, dann geht es plötzlich nicht mehr vorwärts, du musst kämpfen. Ich habe mich damals schon gefragt, ob ich im Skisport am richtigen Ort sei.»

Das ist sie definitiv, nur benötigt Corinne Suter in ihren Anfängen mehr Anlauf- und Anpassungszeit als andere. «Ich brauche etwas länger, bis ich mich wohlfühle in einem Team und den richtigen Kontakt zu den Trainern finde», erklärt sie. Das bedeute aber nicht, dass für ihr Wohlbefinden ständig totale Harmonie herrschen müsse: «So bin ich dann schon nicht, es reicht, wenn ich ein, zwei vertraute Personen am Berg habe.» 

Suter: «In meinem Wohnzimmer hat es noch Platz für weitere Kristallkugeln»

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Der lange Kampf zahlt sich aus

Rückblickend habe sie aus dieser Zeit sehr viel lernen und mitnehmen können. «Man hört immer, dass man in jeder Situation etwas lernen kann. In harten Momenten glaubt man das vielleicht nicht, aber nachher stellt man fest: Es ist wirklich so. Im Rückblick ist es positiv, dass ich auch einmal kämpfen musste», sagt Suter. Gelohnt hat es sich allemal. 

Bei der WM 2019 fährt die Zentralschweizerin unerwartet zu Silber und Bronze – es ist der langersehnte Befreiungsschlag. Von da an geht es steil aufwärts. Im vergangenen Winter kürt sie sich mit dem Gewinn der beiden Kristallkugeln in Abfahrt und Super-G zur unbestrittenen Speed-Queen – auch wenn sie sich das ganz anders vorgestellt hat. «Ich hatte immer das Bild vor Augen, wie ich die Kristallkugeln bekomme, und dann ist das alles wegen Corona völlig in den Hintergrund geraten. Ich glaube, es war für alle der Horror.» 



Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Saison 2019/20 von einer Sekunde auf die andere abgebrochen, ihre Kristallkugeln kriegt Suter gar erst zu einem späteren Zeitpunkt – im Zuge eines Besuchs im «Sportpanorama». Suter erzählt: «Wir waren in Schweden, bereiteten uns auf ein Rennen vor – und dann war von einer Minute auf die andere einfach fertig. Im ersten Moment verstand ich gar nicht, was da passierte. Es ging bloss darum, möglichst schnell nach Hause zu kommen.» 

Neue Herausforderungen in einer neuen Rolle

Der Aufstieg zur besten Speed-Fahrerin macht sich für Suter vor allem auch neben der Piste bemerkbar. «Ich habe noch Mühe mit dieser Rolle. Kürzlich wollte ein Mädchen ein Autogramm von mir auf eine nigelnagelneue Jacke. Da habe ich gesagt: Das mache ich nicht, auf eine schöne Jacke meinen Namen schreiben.» Als sie dem Mädchen daraufhin die Enttäuschung ansieht, ändert sie schleunigst ihre Meinung.   

Schneesportlerin ‘20 #thankyouall

Gepostet von Corinne Suter am Sonntag, 29. November 2020

Das breite Interesse an ihrer Person in der Schweiz freut Suter grundsätzlich. «Es ist schön, dass sich so viele Leute dafür interessieren. Aber es ist auch nicht einfach, wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe.» So mache sie heutzutage alles bewusster und gehe nur dann in ein Geschäft, wenn sie auch wirklich etwas brauche. «Weil ich weiss, dass die Leute etwas von mir wollen, wenn sie mich in einem Geschäft oder auf der Strasse sehen», erklärt Suter.

Auf der Piste hat sich für Suter dagegen wenig verändert. Auch nach den hervorragenden Resultaten ist ihr Erfolgshunger längst nicht gestillt. «Das ist bei mir etwas komisch. Ich bin schon zufrieden, aber ich habe im Sommer fast noch mehr trainiert, um noch besser zu werden. Es gibt kein Zurücklehnen, ich schaue immer nach vorne.»

Ein zusätzlicher Antrieb sei zudem auch die starke teaminterne Konkurrenz, sagt Suter. «Man spürt bei jeder Fahrerin, was sie will, und man sieht auch bei jeder fast täglich Fortschritte. Genau das braucht es, damit du selbst nicht stillstehst. Nicht mehr weiterzukommen – das ist das Schlimmste, was dir passieren kann.» Einer Speed-Spezialistin glaubt man das aufs Wort.

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