Doping-Experte hat einen Verdacht: «Nadal hat Auffälligkeiten gezeigt»

17.1.2020 - 17:40, jar

Der deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel hegt den Verdacht, Rafael Nadal habe gedopt.
Bild: Getty

Nur selten wird Doping im Tennis zu einem Thema. Nachdem zu Beginn der Woche aber zwei Tennis-Profis gesperrt wurden, kommt die Frage auf, ob noch mehr Spieler betrügen. Ein deutscher Doping-Experte verdächtigt sogar die Weltnummer 1.

Immer wieder wird der Tennissport von Spielmanipulationen und Wettskandalen überschattet. Erst im Dezember schaffte es ein ukrainischer Wettforum-Betreiber, bei einem ITF-Turnier in Katar anzutreten und keinen einzigen Punkt zu gewinnen – was ihm und seinen Kumpels, die auf eine klare Niederlage gesetzt hatten, eine Stange Geld einbrachte. 

Von dopenden Sportlern war in Vergangenheit im Tennis aber kaum die Rede – bis jetzt. Nachdem der Chilene Nicolas Jarry (ATP 78) und der Kolumbianer Robert Farah, welcher die Doppel-Weltrangliste anführt, wegen Dopings vorläufig gesperrt wurden, kommt die Frage auf, ob sich noch mehr Spieler auf der Tour mit unerlaubten Substanzen verstärken. 

«Sport 1» hat bei einem Doping-Experten nachgefragt – und erhielt überraschende Antworten. Professor Fritz Sörgel vom Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg hält Tennis gar für eine Sportart, die sehr anfällig für Dopingpraktiken ist. Dass die beiden Spieler nun überführt wurden, überrasche ihn nicht, sagt Sörgel: «Ich beobachte das Geschehen seit Jahrzehnten und habe mir ein Bild gemacht. Tennis ist in den Top vier, wenn es um Doping geht.»

Doping-Sportarten: Tennis auf Rang 4?

Der Professor reiht Tennis in seiner Liste direkt hinter den für Doping bekannten Sportarten Langlauf, Leichtathletik und Radsport ein. Sein Grund: Die hohe Belastung, welcher Tennisspieler während eines ganzen Jahres ausgesetzt sind. «Es gibt den Verdacht, dass es anabole Substanzen in größerem Ausmass im Tennis gibt. Und der Verdacht ist durchaus berechtigt. Der Grund ist die Intensität des Sports. Das ist nicht nur reine Spekulation, sondern die Betrachtung aller Zusammenhänge innerhalb und ausserhalb der Turniere», sagt Sörgel.

Robert Farah wurde positiv auf Boldenon getestet und gab an, er habe die Substanz versehentlich durch Fleischkonsum in Kolumbien zu sich genommen. Sörgel glaubt ihm nicht: «Das sind alles Ausreden, ein Déjà-Vu im Tennis. Es versehentlich zu sich genommen zu haben, ist die Standard-Ausrede.» Der Doping-Experte erinnert etwa an den Fall von Martina Hingis, die in jungen Jahren posisitv auf Kokain getestet wurde und angab, die Droge sei ihr in den Orangensaft gemischt worden.

Der Fall von Maria Sharapova aus dem Jahr 2016 zeige, dass er sich nicht irre, meint Sörgel. Die Russin wurde damals wegen der Einnahme von Meldonium für 15 Monate gesperrt. 

«Dauerverdacht bei Nadal»

Und der Professor hat weitere Top-Spieler unter Verdacht: Zuoberst auf seiner Liste steht ausgerechnet die Weltnummer 1, Rafael Nadal. Sörgel: «Nadal hat einige Auffälligkeiten gezeigt. Da habe ich einen Dauerverdacht. Bezüglich Regeneration und seiner gesamten Athletik.» Trotz vieler Verletzungen konnte der «Stier aus Manacor» immer wieder sein Top-Niveau erreichen. «Hinzu kommt, dass Nadal auch noch aus Spanien kommt, einem Land, das nicht gerade dafür bekannt ist, seine Helden besonders genau zu verfolgen», so Sörgel.

Was der Doping-Experte damit meint: «Einflussreiche Sportler haben um sich herum ein 'professionelles Umfeld', wie man sagt, das sich um eine optimale Versorgung der Spitzenathleten von der Ernährung und Einnahme von zunächst Erlaubtem bis hin zu ausgefeilten Physiotherapieformen kümmert, das genau weiss, wie der Körper ihres Schützlings funktioniert und wann Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht sind, die mit legalen Mitteln nicht überschritten werden können. Es gibt genug Techniken, um dann verabreichtes Doping zu verschleiern.»

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