ATP Cincinnati Kyrgios flucht, wütet und demoliert Rackets – jetzt droht eine Sperre

Luca Betschart

15.8.2019

Wutausbruch statt WC-Pause: Kyrgios tickt aus

Wutausbruch statt WC-Pause: Kyrgios tickt aus

15.08.2019

Er kann es nicht lassen: Nick Kyrgios macht seinem zweifelhaften Ruf auch in Cincinnati alle Ehre und sorgt für einen weiteren Eklat. Diesmal hat es der Australier auf den Schiedsrichter abgesehen.

Lange läuft alles wie geschmiert für Nick Kyrgios. Nach einem frühen Break-Rückstand gegen Karen Khachanov und einem abgewehrten Satzball holt er sich den ersten Umgang im Tiebreak und bleibt im zweiten Satz bei eigenem Aufschlag über weite Strecken unantastbar – bis zum Stand von 4:4. Dann allerdings wird er vom Russen gehörig unter Druck gesetzt, muss neun Minuten lang um sein Aufschlagspiel kämpfen und scheint den Faden mit jedem Ballwechsel mehr zu verlieren.

Nach einem einfachen Vorhandfehler ärgert er sich zunächst kurz über sich selbst, bevor er mit Stuhlschiedsrichter Fergus Murphy zu diskutieren beginnt. «Bro, du startest die Shotclock bevor der Ballwechsel überhaupt zu Ende ist. Ich hab's gesehen», wettert Kyrgios. Die «Shotclock» wird vom Unparteiischen nach jedem Ballwechsel gestartet – dann bleibt dem Aufschläger jeweils 25 Sekunden bis zum nächsten Service. Der Australier denkt offenbar, dass die Uhr bei ihm früher gestartet wird als bei seiner Konkurrenz.

Kyrgios: «Wenn Rafa so schnell spielt, trete ich zurück»

Kyrgios: «Wenn Rafa so schnell spielt, trete ich zurück»

15.08.2019

Beim Seitenwechsel kurz darauf legt er nach: «Du willst mir sagen, dass Rafael Nadal jedesmal so schnell spielt? Das ist komisch.» Kyrgios sieht das offensichtlich ein bisschen anders. «Wenn Rafa so schnell spielt, dann trete ich zurück», sagt er und fordert von Murphy: «Bring mir Aufnahmen von einem Game von Rafa, in dem er so schnell spielt. Wenn du eines findest, werde ich ruhig sein und nie wieder sprechen. Aber ich garantiere, dass du keine einzige solche Aufnahme findest.»

«Der schlechteste Schiedsrichter»

Kyrgios kriegt sich nicht mehr ein, verliert den zweiten Satz im Tiebreak und lässt in der Pause noch einmal ordentlich Dampf ab. «Der schlechteste Schiedsrichter überhaupt», hallt es durchs Stadion. «Jedes Mal wenn ich spiele, macht er einen Scheiss. Jedes Mal.» Für die schlecht gewählten Worte holt er sich seine zweite Verwarnung und kassiert damit einen Punktabzug.

Das besänftigt das erhitzte Gemüt der Weltnummer 27 keineswegs. Obwohl die Satzpause schon fast vorbei ist, will Kyrgios plötzlich auf die Toilette. Mit zwei Rackets in der Hand und dem Handtuch im Mund steht er auf und schlendert in Richtung der Katakomben. Statt die Toilette aufzusuchen, bleibt er dort aber plötzlich stehen und zertrümmert seine beiden Schläger. Weil er sich wohl nicht noch eine Strafe einhandeln will, vollzieht er dies nicht auf dem Court. Der Plan geht auf. Zwar bemerkt Schiedsrichter Murphy die zwei kaputten Arbeitsgeräte, weil er aber nicht sah, was passierte, bleibt eine Sanktion aus.

Genützt hat es nichts. Kyrgios findet nicht mehr zurück ins Spiel, verliert den Entscheidungssatz nach einem Doppelfehler bei Matchball 2:6. Den Schuldigen hat er bei der Gratulation am Netz schnell gefunden: Stuhlschiedsrichter Murphy. Mit nicht jugendfreien Worten beleidigt er den Iren erneut und verweigert den Handschlag. Zudem spuckt er auf den Center Court von Cincinnati.

Kyrgios beleidigt den Schiedsrichter aufs Übelste

Kyrgios beleidigt den Schiedsrichter aufs Übelste

15.08.2019

An den US Open gesperrt?

Kyrgios und Murphy haben eine Vorgeschichte: Erst letzte Woche in Montreal schleuderte der Australier eine Wasserflasche gegen den Schiedsrichterstuhl Murphys, den er in Vergangenheit schon mehrfach kritisierte. «Die Flasche sei ihm ausgerutscht», sagte er damals.

Der jüngste Ausraster könnte für Kyrgios drastische Folgen haben. Denn die ATP untersucht den Vorfall und weil Kyrgios Wiederholungstäter ist, droht ihm eine Sperre auf der ATP-Tour – und das zwei Wochen vor den US Open in New York.

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