«Hier bin ich»

Stehaufmännchen Nadal greift bei den Australian Open nach dem 21. Grand-Slam-Titel

DPA

28.1.2022

Spain's Rafael Nadal celebrates after victory against Italy's Matteo Berrettini during their men's singles semi-final match on day twelve of the Australian Open tennis tournament in Melbourne on January 28, 2022. - -- IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE -- (Photo by William WEST / AFP) / -- IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE -- (Photo by WILLIAM WEST/AFP via Getty Images)
Rafael Nadal darf von einem weiteren Pokal träumen.
Bild: Getty

Monatelang fehlte Rafael Nadal wegen seiner Fussverletzung auf der Tennis-Tour. Er zweifelte, ob er die Australian Open überhaupt spielen kann. Nun kann der spanische Tennisstar am Sonntag im Finale triumphieren und Geschichte schreiben.

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28.1.2022

Auf die Frage nach dem möglichen 21. Grand-Slam-Titel zuckte Rafael Nadal bloss mit den Schultern. Die Zuschauer in der Rod-Laver-Arena tobten angesichts der Chance auf einen historischen Tennis-Meilenstein, der Spanier antwortete nach seinem Einzug ins Endspiel von Melbourne: «Für mich geht es um die Australian Open – mehr als um alles andere. Ich fühle mich sehr glücklich, dass ich einmal gewonnen habe. Ich hätte nie an eine weitere Chance 2022 gedacht.»

Doch dank eines imposanten Comebacks nach seiner komplizierten Fussverletzung greift Nadal bei den Australian Open tatsächlich nach dem nächsten Triumph. Nur ein Sieg fehlt noch. Mit 6:3, 6:2, 3:6, 6:3 entschied er das Halbfinale gegen den italienischen Wimbledon-Finalisten Matteo Berrettini für sich.



Nadal bleibt bescheiden

Zwei Wochen nach der erzwungenen Ausreise des serbischen Weltranglistenersten Novak Djokovic aus Australien hat der 35-Jährige am Sonntag die Chance, sich zum Grand-Slam-Rekordchampion zu küren.

Im Finale tritt die Nummer fünf der Welt gegen den russischen US-Open-Champion Daniil Medwedew an, der sich gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas durchsetzte. Gewinnt er, lässt er seine in Melbourne nicht anwesenden Rivalen Djokovic und Roger Federer im faszinierenden Grand-Slam-Rennen hinter sich. Momentan steht Nadal wie Djokovic und der verletzt pausierende Federer bei 20 Trophäen bei den vier wichtigsten Turnieren.

Doch Nadal nimmt diese von vielen als bedeutsamste angesehene Statistik nicht so wichtig. «Vor eineinhalb Monaten wusste ich nicht, ob ich es schaffe, wieder auf die Tour zurückzukommen, weil wir das Problem nicht lösen konnten», sagte er, als er in einem T-Shirt mit Koala- und Tennisschläger-Aufdruck zur Pressekonferenz erschien: «Hier bin ich, und bin dankbar dafür. Das ist alles. Es ist ein Geschenk, einfach hier zu sein und Tennis zu spielen. Ich nehme die Sachen nun ein bisschen anders. Am Ende des Tages, ich bin ehrlich, ist es für mich wichtiger, wieder die Chance zu haben, Tennis zu spielen als den 21. zu gewinnen.» Das mache ihn glücklicher.

Weitere Rekorde liegen parat

Zuvor war ihm ein Halbfinal-Erfolg gelungen, bei dem er anfangs bemerkenswert dominant spielte und im vierten Satz kämpfen musste. Kurz vor Spielbeginn hatte es in Melbourne angefangen zu schütten, die Temperatur sank binnen Stunden von 32 auf 22 Grad. Dass es in der Rod-Laver-Arena deutlich kühler als an den Tagen zuvor war, dürfte Nadal entgegengekommen sein. Unterm geschlossenen Dach begann die Partie so, wie er es sich gewünscht haben dürfte.

Zwei Sätze lang spielte die Nummer fünf der Welt gegen den Weltranglisten-Siebten Berrettini grandios. Er drängte den ersten Italiener im Herren-Halbfinale der Australian Open in seine schwächere Rückhand-Ecke oder scheuchte ihn von links nach rechts und dominierte mit seiner Power von der Grundlinie. Bei eigenem Aufschlag geriet er nicht in Gefahr. «Ich habe das Match grossartig angefangen. Die ersten beiden Sätze waren die besten seit einer langen Zeit», erklärte der Melbourne-Sieger von 2009 später.

Von seinem erzitterten Fünf-Satz-Erfolg am Dienstag im Viertelfinale gegen den Kanadier Denis Shapovalov bei Hitze und mit Magenproblemen zeigte er sich gut erholt. Im dritten Satz gegen Berrettini wurde Nadal jedoch müde. Zum 3:5 musste der Linkshänder aus Manacor erstmals seinen Aufschlag abgeben. Der dritte Satz ging an den zehn Jahre jüngeren Italiener, der besser wurde.

Doch bevor das Match zu kompliziert wurde, packte Nadal zu. Die Entscheidung fiel im achten Spiel des vierten Satzes, als Berrettini mit drei Vorhand-Fehlern das letztlich entscheidende Break Nadals begünstigte. Der Spanier liess sich die Chance nicht nehmen und verwandelte nach 2:55 Stunden seinen ersten Matchball. «Wir müssen leiden, wir müssen kämpfen», sagte Nadal: «Es bedeutet mir viel, im Finale zu sein.»

13 Jahre nach seinem bisher einzigen Australian-Open-Sieg sind Nadals Aussichten nun glänzend, sofern die Fitness für ein weiteres Match ausreicht. Und die Zahlen sind beeindruckend: Der Routinier feierte gegen Berrettini seinen 500. Hartplatz-Sieg. Er erreichte sein sechstes Australian-Open-Finale und sein insgesamt 29. Grand-Slam-Finale. Am Sonntag kann es Nadal als vierter Spieler bei den Herren schaffen, dass er jedes der vier Grand-Slam-Turniere mindestens zweimal gewonnen hat.