Wimbledon Zverevs Welt in Trümmern: Ist Lendl Problem oder Teil der Lösung?

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2.7.2019

Alexander Zverev und Ivan Lendl (im Hintergrund) arbeiten seit den US Open 2018 zusammen.
Alexander Zverev und Ivan Lendl (im Hintergrund) arbeiten seit den US Open 2018 zusammen.
Bild: Keystone

Bei Alexander Zverev passt derzeit nichts mehr zusammen. Nach dem frühen Aus in Wimbledon stellt sich die Frage: Wie weiter?

Der inoffizielle Tennis-Weltmeister des letzten Jahres war nach der Niederlage gegen Jiri Vesely ein gebrochener Mann. Unumwunden sprach der Weltranglisten-Fünfte von einem «Selbstbewusstsein unter Null», von Problemen abseits des Tennis-Platzes und – ohne den Namen zu nennen – vom Streit mit seinem Manager Patricio Apey.

«Wir haben einen Vertrag bis 2023» – Zverevs Manager Patricio Apey lässt es auf einen Rechtsstreit mit seinem Schützling herauslaufen.
«Wir haben einen Vertrag bis 2023» – Zverevs Manager Patricio Apey lässt es auf einen Rechtsstreit mit seinem Schützling herauslaufen.
Bild: Keystone

«Ein Mensch, von dem ich dachte, er sei mein Freund, mit dem ich über Jahre zusammengearbeitet habe, tut alles, um mir zu schaden. Sie können sich nicht vorstellen, was gerade passiert. Was da los ist, ist abartig. Ich bin sehr wütend darüber», so Zverev am Montagabend.



Hinter den Kulissen rund um das «Projekt Zverev» soll ein erbitterter Machtkampf um Geld und Einfluss toben. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich der 22-Jährige nicht auf den Sport konzentrieren kann. Wie «tennisnet.com» berichtet, soll zudem auch Zverevs Trainer, Tennis-Legende Ivan Lendl, ein Grund für die Missstimmung innerhalb des Teams sein.

Ohne Vater in Wimbledon

Erstmals überhaupt wurde der junge Zverev nicht von seinem Vater an ein Grand-Slam-Turnier begleitet. Die Erklärung ist wohl nur die halbe Wahrheit: Vater Zverev erhole sich in Hamburg aus gesundheitlichen Gründen, heisst es. Tatsache ist jedoch: Der Abnabelungsprozess seines Sohnes ist in vollem Gang. Hatte der Vater in den letzten Jahren beim Unterfangen, einen Weltklassespieler hervorzubringen, noch eigenhändig Regie geführt, wird die Sache augenscheinlich immer komplexer.



Trainer, Berater, Manager fällen neben Zverev Senior plötzlich Entscheidungen, mit denen nicht alle einverstanden sind. Cheftrainer Lendl und Vater Zverev sollen zudem uneins über die Entwicklung von Alexander sein, so der Tenor aus London. Da ist es rückblickend nicht überraschend, dass Lendl während der Sand-Saison wohl nicht nur wegen seiner Pollenallergie kaum gesehen wurde und im Hinblick auf Wimbledon erst kurzfristig zum Team gestossen war.

Als wäre ein solcher interner Konflikt nicht schon genug Belastung für einen Spieler, kommt der Zwist mit Berater Apey, mit dem Zverev eigentlich noch einen Vertrag bis 2023 hat, hinzu. Zum Bruch mit Apey sei es gekommen, als nach dem Sieg bei den World Tour Finals lukrative Sponsorenverträge für Zverev ausgeblieben waren. Wie es in dieser Angelegenheit weitergeht, ist völlig unklar. Eine weitere Zusammenarbeit scheint jedenfalls ausgeschlossen, ein Wiedersehen vor Gericht ist für 2020 geplant.

Federer als bestes Gegenbeispiel

Der Fall Zverev zeigt exemplarisch, wie wichtig ein intaktes Umfeld – gerade bei Einzelsportlern – ist. Der Deutsch-Russe hat immenses Talent und Potenzial, doch mit der Konstanz will es bisher nicht klappen. Wohl auch, weil die Ablenkung im Kopf zu gross ist. Bestes Gegenbeispiel zu Zverev ist Roger Federer: Beim Baselbieter halten sich die Eltern zurück, Federer setzt seit Jahren auf einen engen Kreis an Vertrauenspersonen (Godsick, Lüthi, Paganini, Troxler) – und die Familie hält ihm den Rücken frei. Es gibt keine Skandale und Misstöne. Zumindest nicht nach aussen. Somit kann Federer seit 15 Jahren tun, was Zverev gerne mal eine Saison gelingen würde: Einfach nur Tennis spielen.

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