Polen-Rundfahrt

Groenewegen entschuldigt sich nach Horror-Sturz: «Denke ständig an Fabio»

lbe

6.8.2020

Für viele trägt Dylan Groenewegen die Hauptschuld am schlimmen Sturz bei der Polen-Rundfahrt. 
Bild: Getty

Nach dem schlimmen Sturz im Zielsprint stehen die Veranstalter und Unfallverursacher Dylan Groenewegen im Kreuzfeuer der Kritik. Nun hat sich der Holländer bei seinem Landsmann entschuldigt.

Kurz vor der Ziellinie drängt Dylan Groenewegen seinen Konkurrenten Fabio Jakobsen im Vollsprint in die Absperrgitter. Was folgt, ist nichts für schwache Nerven. Jakobsen wird regelrecht über die Bande katapultiert und bleibt schwer verletzt im Zielraum liegen. Am Mittwochabend schwebt der Niederländer in Lebensgefahr. Immerhin stabilisiert sich sein Zustand über Nacht, er bleibt aber ernst.

«Jakobsen hat die Operation überstanden, sein Leben ist nicht mehr bedroht», sagte Jerschina am Donnerstagmittag nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Das Spital in Katowice lieferte Details zur der fünfstündigen Operation, die in der Nacht auf Donnerstag erfolgt war. «Die Hauptverletzungen liegen im Gesicht. Glücklicherweise sind die Augen nicht betroffen. Sein Zustand ist ernst, aber stabil», sagte ein Sprecher. Ein Scan habe ergeben, dass keine Hirnverletzungen vorliegen dürften. Auch die Wirbelsäule dürfte nicht betroffen sein. Jakobsen befinde sich im Koma, die Aufwachphase werde nun eingeleitet.

Die Bestürzung bei allen direkt und indirekt Beteiligten ist gross. «Ich bin schon lange dabei und ich bin mir nicht sicher, ob ich je einen so schrecklichen Sturz gesehen habe», schreibt beispielsweise Lance Armstrong und schickt Genesungswünsche: «Bleib dran, Kumpel.»

Die Reaktionen nach dem Schock sind heftig, das Verhalten von Groenewegen wird scharf kritisiert. Patrick Lefevere, Chef von Jakobsens Team «Deceuninck-Quick Step», zeigt sich auf Twitter empört: «Das ist ein krimineller Akt. Sie müssen diesen Typen ins Gefängnis stecken.»

Der Übeltäter selbst entschuldigte sich am Donnerstag und hofft, dass sich sein Landsmann wieder erholt. «Ich finde es schrecklich, was gestern passiert ist. Ich kann nicht beschreiben, wie schlimm ich es finde für Fabio und die anderen, die gestürzt oder betroffen sind. Im Moment ist die Gesundheit von Fabio das Wichtigste. Ich denke ständig an ihn», twitterte Groenewegen.

Groenewegen drohen weitere Sanktionen

Auch für den Weltverband UCI ist die Schuldfrage schnell geklärt, Massnahmen gegen Groenewegen werden umgehend angekündigt: «Die UCI verurteilt auf das Schärfste das gefährliche Verhalten des Fahrers Dylan Groenewegen, der Fabio Jakobsen wenige Meter vor dem Ziel in die Absperrung geschickt und damit einen Massencrash ausgelöst hat.» Groenewegen wurde per sofort von der Polen-Rundfahrt ausgeschlossen. Für weitere Sanktionen übergibt der Weltverband den Fall der Disziplinar-Kommission.



Groenewegens Team «Jumbo-Vista cycling» kündigt in einer ersten Stellungnahme an: «Wir entschuldigen uns aufrichtig und werden intern diskutieren, was passiert ist, bevor wir weitere Statements abgeben.» Auf dem Twitterprofil des Unfallverursachers sind bereits zahlreiche vorwurfsvolle Kommentare zu finden, oft unter der Gürtellinie. «Du bist kein Athlet, du bist ein Killer», ist da zum Beispiel zu lesen.

Teilweise wird der 27-Jährige aber auch in Schutz genommen. «Diese Kommentare sind auch zweifelhaft! Ja, Dylan hat einen Fehler gemacht und die Folgen sind beängstigend. Aber die Zieleinfahrt ist auch anzuzweifeln», schreibt ein User und nimmt damit den Veranstalter der Polen-Rundfahrt in die Pflicht.

Veranstalter für Bergab-Sprint kritisiert

Die Wucht des Sturzes ist vor allem mit der enorm hohen Geschwindigkeit zu erklären. Bei der abschüssigen Zieleinfahrt erreichen die Fahrer Tempi von bis zu 80 km/h – ein grosses Risiko. «Jedes Jahr der gleiche dumme Bergab-Sprint», kritisiert der deutsche Radprofi Simon Geschke vom CCC-Team. «Jedes Jahr frage ich mich, warum die Organisatoren denken, dass dies eine gute Idee ist.»

Teamkollege Fabio Sabatini pflichtet ihm bei und fordert mehr Sicherheit. Die Veranstalter müssen verstehen, dass es Selbstmord sei, so schnelle Sprints zu veranstalten. «Sie wollen immer Show. Hier ist die Show», schreibt der Italiener auf Twitter.

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