Auffällig unauffällig

Die wichtigste Tech-Firma, die kaum jemand kennt

dj

10.4.2021

In den meisten Smartphones steckt ein Chip aus einer TSMC-Fabrik.
In den meisten Smartphones steckt ein Chip aus einer TSMC-Fabrik.
Getty Images

Der Name TSMC ist Nicht-Tech-Experten praktisch unbekannt. Dabei ist das taiwanische Unternehmen der Motor der digitalen Welt.

dj

10.4.2021

Was haben das iPhone von Apple, die PlayStation 5 von Sony und Microsofts Xbox Series X gemein? Sie werden von Chips angetrieben, die in Fabriken von TSMC hergestellt werden. TSMC, kurz für Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, ist der mit weitem Abstand wichtigste Halbleiter- oder Chipfabrikant der Welt, bei Tech-Nutzer*innen aber fast völlig unbekannt.

Der Grund dafür liegt in der Natur der Vermarktung von Chips. Bei der Vorstellung neuer Produkte brüsten sich Firmen wie Apple, AMD oder Nvidia gern damit, die schnellsten und besten Chips der Welt herzustellen. Doch Intel und Samsung sind die einzigen relevanten Tech-Firmen, bei denen vom Design bis zur Produktion der Chips alles im Unternehmen bleibt. Alle anderen setzen auf Fabrikanten, hauptsächlich eben TSMC.

Marktanteil bei modernen Chips über 90 Prozent

Das im nordtaiwanischen Hsinchu beheimatete und 1987 gegründete TSMC ist in den vergangenen Jahren der Konkurrenz davongelaufen. Andere so genannte Foundries — so nennt man Firmen wie TSMC, die ausschliesslich im Auftrag anderer Unternehmen Chips produzieren — fielen weit zurück, bei der Produktion der fortschrittlichsten Chips hat TSMC inzwischen einen Marktanteil von knapp 90 Prozent.

Denn die Chip-Fertigung ist ein hochkompliziertes Geschäft. Wichtigster Faktor ist dabei die Fähigkeit eines Unternehmens, die Transistoren der Chips so klein wie möglich zu machen. Der neuste Stand der Technik ist hierbei das 5-Nanometer-Verfahren. Neben TSMC meistert dies derzeit einzig Samsung, das allerdings nur knapp ein Fünftel der Kapazität hat und hauptsächlich für den eigenen Bedarf produziert.

Der einstige Chip-Primus Intel muss dagegen inzwischen selbst an TSMC Aufträge verteilen, da er seit Jahren massive Probleme hat, die eigene Fertigung auf Trab zu bringen. Soviel Marktmacht gibt TSMC nicht nur die Möglichkeit, die Preise zu diktieren, sondern birgt auch ein massives Risiko für die Weltwirtschaft, falls irgendetwas die Produktion stören sollte. Und Taiwan liegt in einer geopolitisch fragilen Region.

China rasselt die Säbel

Die Volksrepublik China betrachtet die Insel immer noch als abtrünnige Provinz und droht regelmässig offen damit, mit militärischen Mitteln die «Wiedervereinigung» herbeizuführen. Ein Konflikt hier würde die weltweiten Produktionsketten für Tech-Produkte quasi völlig zusammenbrechen lassen.

Dann ist auch noch das Klima unberechenbar. Taiwan liegt zwar in einer der regenreichsten Regionen der Welt, der Niederschlag ist allerdings hochgradig zyklisch. Mangels Regen im vergangenen Jahr hat die Regierung Reisbauern das Wasser abgedreht, um TSMC-Fabriken, die einen enormen Wasserbedarf haben, am Laufen zu halten. Die Bauern bekommen zwar eine Entschädigung für den Ernteausfall, befürchten allerdings, dauerhaft den Interessen der wirtschaftlich viel wichtigeren Chip-Industrie zum Opfer zu fallen.

Taiwan durchlebt gerade die schlimmste Dürre seit 56 Jahren, das Zengwen-Reservoir leert sicht.
Taiwan durchlebt gerade die schlimmste Dürre seit 56 Jahren, das Zengwen-Reservoir leert sich.
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Alternativen zu TSMC sind dennoch nicht in Sicht. Sowohl die EU als auch die USA betrachten die örtliche Konzentration der Halbleiterproduktion und den Rückstand eigener Hersteller inzwischen als Sicherheitsrisiko. Mit finanziellen Anreizen soll daher die lokale Chip-Fertigung gefördert werden. Dank hoher Subventionen entsteht beispielsweise gerade im US-Bundesstaat Arizona eine Chip-Fabrik fürs 5-Nanometer-Verfahren. Betrieben wird sie von TSMC.