Rache an Diktator

Einzelner Hacker setzt alle nordkoreanischen Websites ausser Gefecht

Von Dirk Jacquemien

5.2.2022

Die wenigen Websites unter der Kontrolle von Kim Jong-un sind derzeit offline.
Keystone

Ein einzelner Hacker hat alle nordkoreanischen Websites vom Netz genommen. Die Attacke soll Rache sein für einen vorherigen Angriff des Regimes.

Von Dirk Jacquemien

5.2.2022

Ein einzelner Hacker hat offenbar quasi alle nordkoreanische Websites durch einen Cyberangriff vom Netz genommen, wie «Wired» berichtet. Der Hacker mit dem Pseudonym P4x sagt, damit wolle er Rache an dem diktatorisch regierten Staat üben. Denn er sei selbst zuvor von staatlichen, nordkoreanischen Hacker*innen angegriffen worden.

Dazu muss gesagt werden, dass es in ganz Nordkorea nur einige Dutzend Websites gibt, fast alle für Propagandazwecke und die Aussenwelt bestimmt. Reguläre Nordkoreaner*innen haben überhaupt keinen Zugriff aufs Internet. Daher ist es wohl deutlich einfacher, Nordkorea vom Netz abzuschneiden, als das bei den meisten anderen Staaten der Fall wäre.

Angriff war Kinderspiel

Besonders viel Aufwand scheint die Aktion P4x jedenfalls nicht gemacht zu haben. «Wired» sagte er, dass er die Distributed-Denial-of-Service-Attacken – bei denen Webserver mit unsinnigen Anfragen geflutet werden – weitgehend automatisiert habe. Nur ab und zu habe er in den vergangenen zwei Wochen, die die Attacken schon andauern, etwas nachjustieren müssen.

Weiter geholfen hat P4x nach seinen Angaben dabei, dass die nordkoreanischen Server überwiegend mit völlig veralteter Software ausgestattet seien, für die eine Vielzahl an Sicherheitslücken bekannt ist. Inwiefern die Angriffe dem nordkoreanischen Staat wirklich schaden, ist unklar.

So wird etwa vermutet, dass die staatlichen nordkoreanischen Hacker*innen, die für zahlreiche spektakuläre Ransomware-Angriffe verantwortlich gemacht werden, von China aus arbeiten, von P4x’ Angriffen also nicht betroffen wären.



Weitere Aktionen geplant

Als Motiv für seine Aktion gibt P4x Vergeltung an. Vor knapp einem Jahr wurden westliche Sicherheitsforscher von nordkoreanischen Hacker*innen angegriffen, nach eigenen Angaben auch P4x. Die US-Bundespolizei FBI habe ihn kurz kontaktiert, danach aber keinerlei weitere Massnahmen durchgeführt.

Also habe er das Gesetz selbst in die Hand genommen und zurückgeschlagen. Wenn er das Regime belästigen könne, sei das schon ein Erfolg für ihn. Für weitere Aktionen gegen Nordkorea sucht er derzeit Verstärkung durch andere Hacker*innen. Dazu hat er das «FUNK Project» gegründet – FUNK steht dabei für «Fuck You North Korea».