Im Schweizer ExerCube wird man selber zur Spielfigur

Eduard Guttenberg / Swisscom Magazin

23.11.2020 - 14:57

Ein Mix aus Fitness und Spielspass: so sieht der ExerCube aus.
Ein Mix aus Fitness und Spielspass: so sieht der ExerCube aus.
ExerCube

Beim Gamen Kalorien verbrennen? Hört sich gut an. Mit dem ExerCube nimmt man aber nicht den Controller in die Hand, sondern wird selbst zu einer Figur, die sich im Game bewegt.

Game-Masterin hinter dem innovativen Fitnesskonzept ist Anna Martin-Niedecken. Sie ist Sportwissenschaftlerin und Game-Researcherin an der Zürcher Hochschule der Künste. Mit ihrem Start-up Sphery hat sie den ExerCube entwickelt, in dem man spielerisch und effizient trainiert.

Ein Fitnesskonzept für unterschiedliche Motivationstypen

Der Cube scheint beliebt zu sein. «Uns besuchen Leute, die bereits im Gym ein Membership haben und sich über die Alternative vor Ort freuen. Wir sehen aber auch ganz häufig, dass es der Cube schafft, Menschen zu motivieren, die sonst gar nichts mit Sport am Hut haben und sich eher im Gaming bewegen», beschreibt Anna Martin-Niedecken ihre Besucherinnen und Besucher. Egal, welcher Motivationstyp man ist: Die Spielwelt ermöglicht einen leichten Zugang zu Fitness. Spielen kann man alleine, zu zweit oder in der ExerCube League, in der die Spielerinnen und Spieler jederzeit gegen andere antreten können, die irgendwo auf der Welt im Cube stehen. Auch im Gym finden Menschen wegen des Cubes zueinander: «Teilweise verabreden sich unterschiedlichste Menschen für die nächste Woche, um gemeinsam im ExerCube zu spielen.»



Dass man seinen natürlichen Spieltrieb auch im Alter nicht verliert, erfährt Martin-Niedecken, als sie den ExerCube am Digital Day im Zürcher Hauptbahnhof ausstellt:

«Da kommt eine Dame um die Mitte 80 und schaut zuerst einige Zeit den Schulkindern zu, wie diese eine Cube-Session nach der anderen machen. Irgendwann findet sie: Darf ich das auch mal testen? Sie hat dann wirklich ein intensives Workout gemacht, kommt mit einem Funkeln in den Augen aus dem Cube und meint: Wow, das macht richtig Spass. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass das Konzept doch mehr Menschen anspricht als gedacht.»

 Anna Martin-Niedecken: «Das Medium Game schlägt sehr schön Brücken zwischen diversen Gruppen.»
Anna Martin-Niedecken: «Das Medium Game schlägt sehr schön Brücken zwischen diversen Gruppen.»
Swisscom

Körper und Seele im Flow

Der Spaziergang im Wald mit dem typischen «Kopflüften» lässt sich durch eine Session im Cube nicht ersetzen. Trotzdem tut diese Art von immersivem (was so viel heisst wie voll eintauchen) Workout dem Kopf gut. «Häufig sagen uns die Menschen, dass ihre Gedanken nicht abgeschweift sind, sondern im Hier und Jetzt waren.» Über die audiovisuellen Reize, die das Spiel suggeriert, bekomme man nämlich keine «viereckigen» Augen, sondern bessere kognitive Fähigkeiten, bestätigt Niedecken und fügt hinzu: «Aus einer ersten Pilotstudie der TU Chemnitz wissen wir, dass Menschen, die den ExerCube in der Mittagspause ausprobierten, danach fokussierter und produktiver weiterarbeiten konnten.»

Die kognitive Herausforderung, die dem Spieler durch verschiedene audiovisuelle und spielmechanische Signale vermittelt wird, mache den Sphery Racer laut dem Anbieter zu einem ganzheitlichen Körper- und Gehirntraining.
Die kognitive Herausforderung, die dem Spieler durch verschiedene audiovisuelle und spielmechanische Signale vermittelt wird, mache den Sphery Racer laut dem Anbieter zu einem ganzheitlichen Körper- und Gehirntraining.
Swisscom

Der Cube ist ein wahres Multitalent

Eingesetzt wird der ExerCube bis jetzt hauptsächlich in Gyms, in der Reha, an Events oder neu im physischen E-Sport. Der Würfel soll in Zukunft aber noch mehr können – sei das im Health-Bereich, in der Meditation oder im Entertainment-Sektor für interaktive Konzerte. Für die passionierte Spieleentwicklerin sind die Möglichkeiten praktisch grenzenlos: «Ich sage immer: Der Cube ist eine weisse Leinwand, die man für Verschiedenstes nutzen kann.» Bereits in den Startlöchern steht die Entwicklung einer mobilen Version des ExerCubes, wo man ohne den grossen «Klotz» vor dem TV-Screen zu Hause spielen können wird. So werden noch mehr Menschen zum Ausprobieren des Programms animiert, weil die Einstiegshürde daheim noch kleiner ist als im Gym.

Eine Technologie, die den ExerCube aufs nächste Level bringen würde, wäre die Hologramm-Technologie. Die Vorstellung, dass man die Gegnerin oder den Gegner vom anderen Ende der Welt quasi in den eigenen Cube beamen könnte, um mit ihr oder ihm physisch zu interagieren, würde das Erlebnis nochmals immersiver gestalten. Niedecken muss schmunzeln: «Bei dieser Vorstellung sehe ich unseren Game-Designer schon eifrig mitnicken.»

Im Swisscom Magazin erscheinen regelmässig Geschichten rund ums Thema Digitalisierung im Alltag und neue Technologien. 

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