Mit diesem Gadget wird Spielen unterwegs neu definiert

Pascal Wengi

10.6.2020 - 09:42

«Destiny 2» auf dem Handy? Dank Cloud Gaming und Razer Kishi durchaus möglich.
Bild: Razer

Razer hat den mobilen Gamermarkt im Visier und sich Gedanken gemacht, wie man das Handy mittels Controller gleichzeitig halten und bedienen kann. Die Antwort heisst Kishi und ist eine Mischung aus Handorgel und Nintendo Switch. Ob das für Mobile Games funktioniert?

Mobile Gaming wird von vielen Gamern eher belächelt, obwohl Handyspiele über die Hälfte aller Umsätze in der Branche generieren. Für das Jahr 2019 waren das ungefähr 75 Milliarden Dollar im Vergleich zu rund je 37 Milliarden Dollar für PC und Konsolen. Längst dominieren Handyspiele wie «Candy Crush», «Fortnite» oder «Clash of Clans» die Charts in den Appstores, sowohl was Anzahl Downloads als auch den Umsatz betrifft. Keine andere Game-Plattform weist eine ähnlich hohe Verbreitung auf, weshalb auch immer mehr Hersteller und Entwickler die Zielgruppe für sich entdeckt haben.

So auch der Gaming-Hardware-Hersteller Razer. Sonst ist die US-Firma eher bekannt für ihre PC-Gaming-Hardware und geniesst einen sehr guten Ruf in der Branche. Ihren Slogan «For Gamers, by Gamers» kann man durchaus ernst nehmen, wenn man ihr Sortiment genauer betrachtet. Mit ihrer Hardware wollen sie vor allem den Enthusiasten ansprechen und überzeugen dabei mit Features und Merkmalen, die den Gamer-Alltag erleichtern.

Das tut nun aber auch ihr neuester Entwurf, der sich eben eher an Handy-Spieler richtet: der Controller Razer Kishi. Zusammengefaltet sieht das Gadget nicht nach viel aus, entfaltet bringt er dann aber seine volle Pracht zum Vorschein. Das Gamepad klemmt dabei das Handy zwischen die beiden Controllerhälften und erinnert dann sehr stark an eine Nintendo Switch.

Auch im nicht angeschlossenen Modus erinnert das Razer Kishi sehr stark an Nintendos portable Konsole.
Bild: Razer

Solid, kompakt und genau

Das Gamepad wirkt beim Halten stets wertig und robust. Es gibt keine losen, klappernden Teile und das Auseinanderziehen und Zusammenstecken funktioniert einwandfrei. Besonders die beiden Joysticks fallen positiv auf, da diese einen sehr angenehmen Widerstand bieten und sich so präziser und genauer anfühlen.

Hier übertrumpft das Razer Kishi sogar den Xbox-One-Controller, für welchen man sich ein ähnlich sattes Gefühl der Joysticks wünschen würde. Dafür wirken die beiden grossen Schultertasten etwas lose und machen leichte Schleifgeräusche beim Drücken. Das mindert zwar nie den Spielspass und beschert auch keinen Nachteil, dennoch spürt man den Unterschied schon deutlich, weil die Schultertasten bei den meisten Spielen auch sehr oft verwendet werden. Dafür fühlt sich das Handy gut eingebettet an und droht nicht bei jeder Bewegung aus dem Gamepad zu fallen.

Iphone-Nutzer müssen sich gedulden

Das Razer Kishi wird per USB-C-Anschluss mit dem Handy verbunden. Das bringt einen enormen Vorteil beim Herstellen der Verbindung. Denn anders als bei anderen mobilen Controllern muss man das Spielgerät nicht erst noch via Bluetooth koppeln. Weiter sorgt die direkte USB-C-Verbindung für eine sehr niedrige Verzögerung zwischen Eingabe und Verarbeitung im Spiel. Bei Spielen wie «Fortnite», in welchem es erheblich auf Reaktionszeit ankommt, merkt man dies besonders gut. Durch einen USB-C-Eingang an der Unterseite des Controllers kann man das Handy während des Spielens zudem mit Strom aufladen und ist damit auch für längere Sessions gerüstet.

Doch die USB-C-Anbindung hat auch seine Nachteile, denn nur Handys, welche über einen mittigen USB-C-Anschluss verfügen, können mit dem Controller verwendet werden. Es gibt keine Möglichkeit für eine drahtlose Verbindung oder einen Adapter, wodurch Iphones zumindest momentan noch vom Gebrauch ausgeschlossen werden. Eine iOS-Version soll aber schon in Kürze folgen.

Fester Halt. Der USB-C-Anschluss und der Gummizug halten das Handy sicher im Controller.  
Bild: Razer

Perfekter Wegbereiter für Cloud Gaming

Natürlich wurde das Razer Kishi mit den verschiedensten Games und Genres ausgiebig getestet. Vor allem bei Shooter- oder Rennspielen konnte das Gamepad überzeugen und bot eine ernstzunehmende Alternative zu anderen mobilen Konsolen. Bei anderen Spielen, die auf eine intuitive Touch-Steuerung setzen wie etwa «Candy Crush» macht der Controller hingegen keinen Sinn, was aber auch zu erwarten war.

Dafür schöpft das Razer Gamepad beim Thema Cloud-Gaming aus den Vollen. Ein Ausflug in «Assassins Creed Odyssey» hat so nicht nur wenige Minuten, sondern plötzlich Stunden auf dem Balkon gedauert. Keinen Moment lang hatte man dabei das Gefühl, wieder an die Konsole wechseln zu wollen. Hier entfacht das Razer Kishi wirklich sein volles Potenzial, vor allem weil bisher einfach kein adäquater Controller zur Verfügung stand, um einen ähnlichen Spielgenuss mit Cloud Gaming zu erleben.

Schlussgedanken

Wer im Zug auf dem Handy gerne mal seine Farm pflegt oder ein Barbarendorf aufbaut, der wird auch ohne Controller auskommen. Razer Kishi richtet sich an Handy-Spieler, die gerne auch unterwegs die Konsolensteuerung in Action- und Rennspielen geniessen möchten und ist für diese Zielgruppe durchaus interessant. Zum echten Must-have wird das Gadget aber dann, wenn Cloud Gaming so richtig angekommen ist. Wer schon jetzt weiss, dass er diesen Service nutzen wird, der darf beim Razer Kishi getrost zugreifen und sich bestens gewappnet fühlen, um in naher Zukunft «Cyberpunk 2077» im ÖV oder auch in den Ferien auf dem Handy zu spielen.

Das Razer Kishi gibt es ab heute im Handel oder direkt bei Razer für 89.99 Euro. Eine iOS-version soll noch diesen Sommer folgen. 


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