Das verdient ein eSportler wirklich

11.10.2018 - 12:17, Martin Abgottspon

Fortnite-Spieler «Ninja» ist aktuell der erfolgreichste Streamer weltweit.
Bild: Twitter

Die populärsten Streamer der Welt kommen mittlerweile schon auf fast siebenstellige Monatseinkommen. Doch was ist an den Zahlen dran? Und wie sieht es bei kleineren Streamern aus? Eine Übersicht.

Sie sind die Helden der eSports-Szene: Twitch-Streamer. Oft zeichnen sie sich durch hervorragendes Gameplay aus. Fans schauen ihnen zu, weil sie ihr Fach verstehen. Andere überzeugen mehr durch ihre unterhaltsame Art. Die erfolgreichsten Streamer vereinen Skill mit Entertainment und können davon mittlerweile ganz gut leben.

Streaming ist in den letzten Jahren zu einem interessanten Erwerbsmodell geworden. Doch bis man tatsächlich in die Regionen vorstösst, dass man davon leben kann, sind viel Durchhaltewille und vor allem auch gute Selbstvermarktung und Kontakte nötig.

Der beste und witzigste Spieler wird nicht aus der Masse hervorstechen, wenn er nicht mindestens ab und an mal einen Push bekommt. Tausende, die sich mit Streaming versuchen, dümpeln deshalb Monate lang mit einer bescheidenen Zuschauergruppe von fünf bis zehn Leuten vor sich hin, ehe sie das Experiment beenden. Ihnen fehlt schlicht die Aufmerksamkeit und daher auch ein guter Slot auf der Webseite von Twitch. Hier ist es natürlich äusserst hilfreich, wenn ein etablierter Streamer hind und wieder etwas Werbung für einen macht.

Die Ein-Mann-TV-Station

Einer, der es bis ganz nach oben geschafft hat, ist Fortnite-Streamer «Ninja». Als erster eSportler überhaupt zierte er erst kürzlich das Cover des ESPN-Magazins. Wochen zuvor machte er Partnerstreams mit Weltstars wie dem Rapper Drake. Seine Bekanntheit wächst von Tag zu Tag. In den letzten 30 Tagen hat «Ninja» 240 Stunden gestreamt. Dabei haben ihm zu Spitzenzeiten über 270'000 Personen gleichzeitig zugesehen. Durchschnittlich hat er rund 68'000 Zuschauer.

Was das finanziell bedeutet, verrät «Ninja» nicht genau. Experten gehen aber davon aus, dass der Fortnite-Profi durchaus schon an einem monatlichen Einkommen von einer Million Dollar kratzt oder sogar darüber liegt.

Ein anderer Top-Streamer bringt jetzt etwas Licht ins Dunkel, was die Einnahmen angeht. «disguised toast» spielt Hearthstone. Ein Spiel das momentan bei Weitem nicht so populär ist wie «Fortnite». Dennoch rangiert «disguised toast» in den Top 100 der Twitch-Kanäle und hatte im vergangenen Monat durchschnittlich knapp 8000 Zuschauer.

Zahlen aufgeschlüsselt

In einem aktuellen Youtube-Video hat er seine Einkünfte nun offen gelegt. Total kommt er auf über 20'000 Dollar im Monat, die sich folgendermassen zusammensetzen:

Spenden: Zuschauer haben die Möglichkeit, Streamern via Paypal oder Kreditkarte Geld zu senden. Das tun sie, weil sie ihre Lieblinge einfach unterstützen wollen oder sich über eine Erwähnung im Stream freuen. «disguised toast» verdient mit Spenden rund 2500 Dollar im Monat und meint, dass dies im Gegensatz zu seinen Branchenkollegen eher bescheiden sei.

Werbung: Wer keinen Adblocker benutzt, sieht in der Regel einen Werbeblock, wenn er einen Stream öffnet. Danach haben Partner-Streamer die Möglichkeit, selber Werbung einzubleden, worauf «disguised toast» allerdings weitgehend verzichtet. Trotzdem nimmt er mit Werbeeinblendungen rund 4000 Dollar im Monat ein.

Abonnenten: Hier liegt das wahre Geld. Ab einer gewissen Kanalgrösse wird man erst Partner von Twitch und User können einen Kanal abonnieren. Sie haben dadurch einzelne Vorzüge, wie einen Badge oder besondere Chat-Emoticons. Das Abo kostet monatlich 5 Dollar, wovon die Hälfte an den Streamer geht. Sogenannte Top-Tier-Streamer erhalten sogar 70 Prozent. Bei rund 4000 Abonnenten macht «disguised toast» mit Abo-Einnahmen rund 14'000 Dollar.

Nach oben keine Grenzen

Zusätzlich zu diesen Einnahmen kommen noch Erträge aus Sponsorships hinzu. Und diese können sich sehr schnell nochmal in einem ähnlichen Rahmen, wenn nicht sogar deutlich darüber bewegen. Ein Beispiel aus der Praxis: EA Games hat kürzlich mehrere Top-Streamer gesponsert, wenn sie die neue Ausgabe des Shooters «Battlefield V» spielen. Als Richtlinie können die Streamer dann 1 Cent pro Zuschauer pro Stunde verlangen. Wenn «disguised toast» also rund 8000 durchschnittliche Zuschauer hat, kommt er so auf 800 Dollar die Stunde aus diesem einen Sponsorship.

Es sind Zahlen, die verlockend klingen. Kein Wunder, dass immer mehr Schüler und Studenten damit liebäugeln, sich auf Twitch ein schönes Sackgeld zu verdienen. Für die meisten bleibt der Traum vom grossen Zahltag mit Streaming aber tatsächlich nur ein Traum. Aus dem gleichen Grund, warum es auch nicht jeder Schauspieler nach Hollywood schafft und jeder Musiker in ausverkauften Hallen spielt.

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