Intel will bei Chip-Fertigung wieder angreifen

DPA/dj

27.7.2021 - 12:19

Intel will wieder aufholen.
Intel will wieder aufholen.
Keystone

Der neue Intel-Chef Pat Gelsinger hat einen Plan, wie er den unter Druck geratenen Chip-Riesen wieder an die technologische Spitze bringen will. Jetzt stellte der Konzern Innovationen vor, mit denen das gelingen soll. Allerdings brauchen sie zum Teil noch Jahre.

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27.7.2021 - 12:19

Intel hat zwei erste namhafte Kunden für seine Dienste als Auftragsfertiger präsentiert. Es sind Amazons Cloud-Sparte AWS und der Chipkonzern Qualcomm, dessen Technik in zahlreichen Smartphones steckt. Dabei will AWS bei Server-Prozessoren aus eigener Entwicklung Intels Technik zum Montieren von Elementen des Chipsystems nutzen. Qualcomm setzt auf die erste neue Transistor-Architektur von Intel seit mehr als einem Jahrzehnt, die 2024 einsatzbereit sein soll.

Der Chip-Gigant stellte die Technologie mit der Bezeichnung Intel 20A in der Nacht zum Dienstag vor. Sie hat zwei Besonderheiten: Zum einen ist der Halbleiter rundum mit der Schaltschicht ummantelt, was die Transistoren im Chip reaktionsschneller und effizienter machen soll. Zum anderen gelang es Intel nach eigenen Angaben zum ersten Mal, die Transistoren von der Rückseite mit Strom zu versorgen. Das senkt die Komplexität beim Verlegen der Leitungen zwischen den Transistoren, die sich bisher den Platz mit der Stromzufuhr teilen müssen.

Hinter der Konkurrent zurückgefallen

Mit den Innovationen will Intel zum Jahr 2025 wieder führend in der Chipfertigung werden. Aktuell gelten nach diversen Rückschlägen beim Branchenprimus die Auftragsfertiger TSMC und Samsung technologisch führend.

Intel tat sich zuletzt beim Produktionsprozess für Chips mit Strukturbreiten von 7 Nanometern schwer. Je kleiner die Strukturbreite, desto mehr Transistoren passen auf eine Halbleiterscheibe. Intels 7-Nanometer-Chips kommen nach Verzögerungen voraussichtlich erst im Jahr 2023, während der kleinere Erzrivale AMD bereits Produkte in dieser Strukturbreite im Angebot hat.



Auf die Grösse kommt es an?

Intel argumentiert nun allerdings, dass die in der Branche verwendeten Nanometer-Angaben nur noch einen ungefähren Bezug zur Realität hätten. Deshalb lässt der Konzern sie fallen und führt eine neue Namensgebung ein. So wird die bisherige 7-Nanometer-Technologie künftig unter der Bezeichnung Intel 4 geführt. Und der bisherige verbesserte 10-Nanometer-Chip als Intel 7. Das neue Namenssystem soll auch die Einschätzung einiger Experten widerspiegeln, dass Intels Prozessoren leistungsstärker als Konkurrenz-Chips mit ähnlichen Strukturbreiten seien.

Beim 20A-Prozess sucht Intel aber wieder selbst den Grössenvergleich. Die Bezeichnung lehnt an die Masseinheit Angström an, die 0,1 Nanometer entspricht. 20 Angström passen damit zum nächsten Strukturbreiten-Meilenstein von 2 Nanometern. Die Nachfolgegeneration werde 18A heissen, gab Intel bereits bekannt.

AMD punktet bei Rechenzentren

Intel war zuletzt verstärkt unter Druck geraten. Unter anderem durch die Verzögerungen bei neuen Prozessen konnte AMD an Boden im Geschäft mit Chips für Rechenzentren gewinnen, aber auch im PC-Markt zulegen. Hinzu kommt, dass Apple in seinen Mac-Computern Intel-Prozessoren schrittweise ausmustert und durch Chips aus eigener Entwicklung ersetzt.

Diese laufen – ähnlich wie im iPhone und praktisch allen anderen Smartphones – auf der Architektur des britischen Entwicklers Arm. Intels Versuche, bei Smartphone-Prozessoren mitzuspielen, waren schon vor Jahren gescheitert, vor allem weil Arm-Chips deutlich energieeffizienter waren.

Mit Qualcomm als Kunden könnte Intel zumindest als Auftragsfertiger vom Arm-Boom profitieren. Es gab allerdings zunächst keine Angaben dazu, welche Chips und ab wann genau Intel für Qualcomm produzieren soll. Mit der 20A-Technologie können auch Chips mit Arm-Architektur mit Transistoren bestückt werden.


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